Kronach
gericht 

42 Monate Haft für renitenten Dealer

Über Monate hinweg verkaufte ein Dealerpärchen in Kronach Drogen. Nun wurden die Angeklagten verurteilt.
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Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: So lautete das Urteil der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg für einen 32-jährigen Mann, der zusammen mit seiner inzwischen 31-jährigen ehemaligen Lebensgefährtin in Kronach einen munteren Handel mit Crystal Speed und anderen Drogen unterhielt.
Der Mann, der elfmal vorbestraft ist, darunter mehrfach wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, zudem wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Führen einer Schusswaffe, wurde bei seiner Verhaftung am 16. Juli 2016 gegen Mitternacht renitent. Er wehrte sich körperlich derart gegen seine Festnahme, dass zwei Polizisten nicht unerhebliche Verletzungen davontrugen. Einen Beamten biss der drogenabhängige Mann, der an Hepatitis C leidet, gar in die Wade und traktierte ihn mit einem Schlüssel.


Zehn Gramm für 600 Euro

Am letzten Verhandlungstag kamen die Abnehmer des Pärchens aus der Kronacher Drogenszene zu Wort. Ein Zeuge, der insgesamt 45 Gramm Crystal Speed bei den Beiden gekauft hatte und dessen eigenes Strafverfahren bereits abgeschlossen war, sagte aus, dass er nicht nachvollziehen könne, wie die Geschäfte in der gemeinsamen Wohnung in Kronach genau abgelaufen seien. Wo das "Zeug" war, habe er nie mitbekommen, sagte er aus, allerdings sei immer etwas dagewesen, wenn er danach gefragt habe. Für zehn Gramm habe der Mann 600 Euro bezahlt.
Ein weiterer Zeuge aus Kronach, gegen den zur Zeit ein Verfahren läuft, erklärte, dass er von Anfang an mitbekommen habe, dass der Angeklagte viel mit Crystal zu tun gehabt habe. Er hatte den Eindruck, dass die 31-Jährige "die Hosen angehabt habe", sagte er aus.
Ein Zeuge aus Thüringen, der den Beiden laut Anklage im Juli rund 50 Gramm Speed geliefert haben soll, gab sich dagegen ahnungslos. Die Inhalte der SMS, die die Polizei aufgezeichnet hatte, seien harmlos. "Ich bin Diabetiker und habe nur ein Nahrungsergänzungsmittel geordert." Um Drogengeschäfte sei es "definitiv nicht" gegangen.
Staatsanwalt Michael Koch traute dem Zeugen und seiner Erklärung mit den Nahrungsergänzungsmitteln nicht: "Das kann man glauben", erklärte er in seinem Plädoyer, "muss man aber nicht." Der Angeklagte habe bei seiner Festnahme und den dabei begangenen Straftaten "völlig vernebelt" unter Drogen und Alkohol gestanden. Aufgrund seiner massiven Abhängigkeit bestünde die Gefahr, dass er ohne Behandlung weitere Straftaten begehen könnte, erklärte er.
Er forderte eine Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Zwar hielt er dem Angeklagten sein Geständnis zu Gute, zu seinen Lasten sprächen aber die vielen Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit. "Es hat nicht lange gedauert, bis er nach seiner letzten Haft wieder straffällig geworden ist." Weiter ins Gewicht fielen auch die hohen Mengen an Drogen, das brutale Vorgehen gegen die beiden Polizeibeamten und deren Verletzungsfolgen.
Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, ihr Komplize muss in eine Entziehungsanstalt und insgesamt drei Jahre und sechs Monate absitzen. Auch er wurde wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen, zudem wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.


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