Lichtenfels

40-Jähriger muss wegen Beleidigung drei Monate hinter Gitter

Es kommt nicht oft vor, dass ein Verurteilter mit einem "Danke" aus dem Gerichtssaal geht. Am Dienstag war dem in Saal 14 des Amtsgerichts so. Drei Monate Haft ohne Bewährung stehen dem 40-Jährigen de...
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Es kommt nicht oft vor, dass ein Verurteilter mit einem "Danke" aus dem Gerichtssaal geht. Am Dienstag war dem in Saal 14 des Amtsgerichts so. Drei Monate Haft ohne Bewährung stehen dem 40-Jährigen demnächst bevor.

Es war nicht direkt ein Brabbeln, welches der 40-jährige Lichtenfelser während der Verhandlung permanent von sich gab. Aber es war unzusammenhängendes Zeug, fernab dessen, worum es eigentlich ging. Mehrfach erkundigte sich darum Richter Alexander Zenefels bei dem Mann, ob dieser ihm auch folgen könne. Der bestätigte, aber weil er so einen unbestimmten Eindruck hinterließ, betraten auch zwei Polizisten den Gerichtssaal, um einen Alkoholtest an ihm auszuführen. Das Ergebnis lag bei 0,0 Promille und so nahm die Verhandlung ihren Lauf.

Staatsanwalt Philip Pasch verlas, worum es ging. Demnach habe der Mann, der auch schon stadtbekannt ist, am 27. Mai dieses Jahres in der Lichtenfelser Innenstadt einem Bahnmitarbeiter zu später Abendstunde gegen das Fahrrad getreten. "Ich (...) deine Mutter", habe er zudem geäußert und bedrohlich sei er auch geworden, da er dem Bahnmitarbeiter Aussicht darauf einräumte, diesen umzubringen. Auf die Frage, was er zu alledem zu sagen habe, antwortete der wegen Beleidigung und Bedrohung angeklagte Mann etwas von "da war eine Schlägerei (...), typisch Gegner, haben sich reingemischt" und erfuhr von Richter Alexander Zenefels eine Rüge: "Es geht hier nicht um eine Schlägerei."

Beleidigungen bestätigt

Darauf erzählte der Mann etwas davon, zu viel zu telefonieren, von drei Eimern oder davon, Schulden zu haben. Die Verhandlung kam ohne den maßgeblichen Belastungszeugen nicht aus. Der war ein 33-Jähriger, der das "grobe Gerüst" seines damaligen Feierabends noch zusammenbekam. Er bestätigte den Vorfall der Beleidigungen und entsann sich auch darauf, dem Beleidiger gegenüber angekündigt zu haben, die Polizei zu verständigen. "Ja, hol' die Polizei - ich (...) deine Mutter" sei die Antwort gewesen, verbunden mit dem Tritt, der Bedrohung und einem Spucken in seine Richtung. "Ich kenne ihn nicht, ich weiß nur, dass er ab und zu am Bahnhofsplatz sitzt", so der 33-Jährige zu seiner Verbindung mit dem Angeklagten befragt. Dort würde dieser sich ungebührlich aufführen. Der wiederum stritt ein derartiges Verhalten ab: "Das kann nicht sein." Dann sprach er wieder über Dinge, die in geringem bis keinem Zusammenhang mit der Verhandlung standen, und durfte sich von Zenefels erst anhören, dass er abschweife und dann, dass er Ruhe geben solle. Dennoch sollte er ungefragt Einblicke zu seinem Lebenswandel geben. "Ich koche gerne zu Hause, wenn ich Internet habe", sagte er einmal und ein andermal: "Ich liebe es, Pornografie anzuschauen und es laut zu machen." Schon 14 Einträge, auch wegen Hausfriedensbruch, Bedrohung oder Beleidigung hat der 40-Jährige in seinem Bundeszentralregister stehen. Insofern fand auch Staatsanwalt Philip Pasch wenig Entlastendes für den Mann und forderte eine dreimonatige Haftstrafe - ohne Bewährung. Dem sollte Richter Zenefels folgen. Als er das Urteil verkündete, sprach sein Adressat im Flüsterton weiter von fremden Dingen vor sich hin.

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