Kulmbach
Berufungsverfahren

37-Jähriger erreicht Umwandlung in Bewährungsstrafe

Einem 37-jährigen Gastwirt aus Kulmbach wurde in der Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer am Landgericht die bereits ausgesprochene Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten noch einmal zur Be...
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Einem 37-jährigen Gastwirt aus Kulmbach wurde in der Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer am Landgericht die bereits ausgesprochene Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten noch einmal zur Bewährung ausgesetzt; und das, obwohl er seit seinem 16. Lebensjahr vom Rauschgift und leichteren Drogen nicht loskommt.
Entscheidend dafür war, dass sich der Angeklagte selbst um eine Therapie in der Drogenklinik in Hochstadt bemühte, die bereits in wenigen Tagen beginnen soll, und er dafür dem Landgericht auch die Kostenübernahme durch die Deutsche Rentenversicherung vorlegte. Zwischenzeitlich befand er sich mehrere Wochen zur stationären Behandlung im Bezirkskrankenhaus in Bayreuth, wo zwei unangekündigte Drogenscreenings jeweils ein negatives Ergebnis ergaben.
In erster Instanz hatte das Amtsgericht Kulmbach im Oktober letzten Jahres eine Haftstrafe von 15 Monaten verhängt. Dagegen hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth legte dem Kulmbacher zur Last, dass er am 15. Februar 2017 auf dem Holzmarkt in Kulmbach einer polizeilichen Kontrolle unterzogen wurde und dabei unerlaubt 24,90 Gramm Haschisch mit sich führte. Weiteres Rauschgift fand sich in der Wohnung.
Das sichergestellte Rauschgift mit 68 Gramm Haschisch und zwei Gramm Marihuana verfügte insgesamt über eine THC-Menge von 13,6 Prozent THC. Das Rauchgift diente sowohl zum Eigenkonsum wie zum Verkauf. Weiter wurden bei der Durchsuchung in der Wohnung noch Betäubungsmittelutensilien sowie elf so genannte "Tschechien-Böller Acab" sichergestellt. Der Angeschuldigte wusste, dass er zum Umgang mit solchen Böllern nicht befugt war.


"Ich will nicht ins Gefängnis"

Der Angeklagte, der vom Strafverteidiger Wolfgang Schwemmer vertreten wurde, machte gleich zu Beginn klar, was er mit der Berufung erreichen will: "Ich will nicht ins Gefängnis!" Aus seiner Biografie war zu entnehmen, dass er die Wirtschaftsschule Bayreuth mit der Mittleren Reife abschloss, danach eine Maler- und Lackiererlehre begann, diese aber wegen Problemen mit dem Chef vorzeitig abbrach. Seit zehn Jahren führt er einen gastronomischen Betrieb.
Als Sachverständiger wurde in der Berufungsverhandlung Thomas Wenske vom Klinikum für forensische Psychiatrie Erlangen hinzugezogen. Sein Fazit: Der Angeklagte braucht wegen seiner starken Abhängigkeit eine Langzeittherapie, um von dem mittelschweren Fall der Suchtproblematik wegzukommen.
Verteidiger Schwemmer zeigte auf, dass sein Mandant sein Leben grundlegend verändern wolle und die Suchtbekämpfung auch selbst in die Hand genommen habe. Schwemmer sprach sich dafür aus, die Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen und als Auflage eine Langzeittherapie zu verhängen.
Für Staatsanwalt Frank Losert war die große Frage, ob eine Bewährungsstrafe für eine positive Sozialprognose ausreicht. Dennoch kam er zum Ergebnis, dem Angeklagten die Chance einer Langzeittherapie zu geben. Zudem schlug der Vertreter der Staatsanwaltschaft Bayreuth vor, eine Geldauflage von 3000 Euro zu verhängen.


1500 Euro Geldstrafe

Das Gericht folgte den Anträgen der Staatsanwalt und der Verteidigung und setzte die Haftstrafe zur Bewährung aus. Außerdem wurde dem 37-Jährigen auferlegt, drei Monatsraten zu je 500 Euro an den Verein Fähre e.V. in Bayreuth zu leisten und die Kosten der Berufungsverhandlung zu tragen.
Und Richter Werner Kahler machte dem Angeklagten am Ende unmissverständlich klar: "Sie stehen unter Bewährung. Wenn Sie eine Straftat begehen, müssen Sie antreten."


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