Gräfenberg

35 Jahre Freundeskreis Pringy

Der Schüleraustausch der Realschule Gräfenberg und der Schule in Pringy in Frankreich war ausschlaggebend dafür, einen Partnerschaftsverein zu gründen. Private Freundschaften unter den Erwachsenen folgten.
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Die Ehrengäste bei der Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde hinter dem VG-Gebäude 1987 Foto: privat
Die Ehrengäste bei der Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde hinter dem VG-Gebäude 1987 Foto: privat

Eine Frau bezeichnet sich als frankophil, ein älterer Herr hat die Schrecken des Krieges vor Augen, ein anderer wollte sich schon immer am Haus Europa beteiligen und viele junge Menschen finden einfach Gefallen am Land, an den Leuten und an deren Kultur: Die Gründe, Mitglied im Freundeskreis Pringy zu werden, sind so vielfältig wie die Arbeit des Vereins selbst.

Gegründet haben sich die beiden Partnerschaftsvereine 1984. Die Urkunde für die Städtepartnerschaft wurde 1987 unterzeichnet. Vor allem ist der Gräfenberger Freundeskreis Pringy einer der wenigen Vereine, der keine Nachwuchsprobleme hat. "Unser Verein mit rund 150 Mitgliedern verzeichnete in den letzten Jahren einen erfreulichen Zulauf von Jugendlichen. Bei unserer Fahrt nach Pringy (Hochsavojen) im Herbst 2018 waren zehn von den 50 Teilnehmern Jugendliche", sagt Vorsitzender Hans-Peter Reck nicht ohne Stolz.

Der Verein besteht nicht nur aus einer Reihe von Frankreich-Liebhabern. Zwar sind die gegenseitigen Besuche geprägt von Freundschaft und gemeinsamen Fahrten, haben jedoch auch eine politische Intention. So wird sich jährlich in den beiden Partnergemeinden getroffen, und eine gemeinsame Fahrt führt immer zu einem dritten Ort. Nach Berlin zum Beispiel. Oder nach Verdun, wie heuer geschehen. Bei der Freundschaft geht es um mehr als Geselligkeit, es geht um den Blick über den Tellerrand hinaus. "Verdun gilt unumstritten als Ort des Grauens, wo sich vor mehr als 100 Jahren Deutsche und Franzosen bis aufs Äußerste bekämpften. Ursache war altes nationalistisches Denken der europäischen Völker im Sinne eines ,Wir sind die Größten'", meint Reck. Deutschland schlitterte so ungebremst in den Ersten Weltkrieg.

Geist der Freundschaft

Nicht an diesen, aber an die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs kann sich Fritz Meier aus Thuisbrunn erinnern. Der 85-Jährige erahnte die Schrecken des Krieges auch durch die Schilderungen seines Vaters. "Muss es immer wieder zu Kriegen kommen? Es wäre besser, die Nachbarvölker lernen sich in Frieden kennen", betont Meier. Nicht zuletzt deshalb wurde er Mitglied im Verein und drückt damit ein wenig die Intention aus: das nationalistische Denken und die damit verbundenen Folgen zu verhindern. Zugleich vertiefe sich in dem gemeinsamen Geist die enge Freundschaft.

Schrecken von Verdun

Wenn Hans-Peter Reck darüber spricht, hat er nicht nur die Schrecken von Verdun vor Augen, sondern vor allem die Europawahlen im Blick. Dieses Haus Europa wollte Nikolaus Pöhlmann mitbauen, es war für ihn der Grund zur Mitgliedschaft. Dieses Haus sei ein Öffnen, ein Annähern, ein Gemeinsamsein. "Wer sich öffnet, erhält mehr zurück als er gibt", ist Wolfgang Müller-Britting überzeugt. Seit seinem elften Lebensjahr pflegt Müller-Britting die Völkerverständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Die einzige Enttäuschung, die er bei diesem Engagement - er ist inzwischen im Ruhestand - erlebt habe, sei, trotz der viele Jahren nie die französische Sprache erlernt zu haben.

Die Sprache hingegen war für Anni Fuchs ein Teil für diese Partnerschaft. "Ich war schon in der Schule frankophil, habe Französisch gelernt und vor 35 Jahren eine Partnerschaft mit Frankreich als etwas Besonderes angesehen. Außerdem hatte ich Gelegenheit, mein Französisch zu vervollständigen", erinnert sich Fuchs. Ihr Ehemann ist zwar durch den Schüleraustausch der Realschule Gräfenberg mit Pringy in den Freundeskreis hineingewachsen, hatte auch eine frankophile Grundeinstellung, gibt aber zu, dass sein Interesse an dem französischen Rotwein, dem Käse, dem landestypischen Boulespiel und die entstandenen Freundschaften nicht unmaßgeblich waren.

Fünf Stunden lange Boule

Das Engagement hat sich gelohnt, nicht nur für den Freundeskreis, sondern für die europäische Idee. "Wenn Franzosen und Deutsche über fünf Stunden lang gemeinsam Boule spielen, es sie bei der tollen Stimmung noch immer nicht langweilt und dann auch noch zwei Italienerinnen mitspielen, dann hat es sich gelohnt - für Frankreich, für Deutschland und für Europa", betont Dieter Fuchs.

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