Haßfurt

28-Jähriger bekommt Bewährungsstrafe für Schmuddel-Fotos im Internet

von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner Haßfurt — Sich mit öffentlich zugänglichen Pornoseiten im Internet zu beschäftigen, sei grundsätzlich Privatsache und nicht strafbar, erklärt...
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von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Sich mit öffentlich zugänglichen Pornoseiten im Internet zu beschäftigen, sei grundsätzlich Privatsache und nicht strafbar, erklärte Amtsrichterin Ilona Conver bei einem Strafprozess. Was aber der 28-jährige Angeklagte gemacht habe, sei ein übler Missbrauch von Bekanntenfotos und damit eine sehr verletzende Beleidigung gewesen. Da der Angeklagte einschlägig vorbestraft war, blieb es nicht mehr bei einer Geldstrafe. Das Amtsgericht Haßfurt verhängte - noch nicht rechtskräftig - eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie 1600 Euro Geldauflage.
Vor einem guten Jahr, im Oktober 2013, meldete sich der Angeschuldigte auf einem Internetportal für Pornodienst an. In der Folge begnügte er sich nicht damit, passiv zu konsumieren, er wollte selber Videos in das Netz stellen. Dabei kam er auf eine verrückte Idee.

Geschockt oder locker

Als ersten Schritt druckte er Fotos von ihm bekannten Frauen aus, die sich bei Facebook angemeldet hatten. Diese Bilder manipulierte er auf obszöne Weise und stellte sie auf die angegebene Pornoseite, wo sie weltweit zur Verfügung standen. Die Frauen waren ahnungslos.
Die schmierige Sache flog auf, nachdem ein anonymer Anrufer sich bei einer der Betroffenen gemeldet und sie darüber informiert hatte, dass sie in wenig schmeichelhaftem Zusammenhang im Internet zu sehen sei. Die geschockte Frau ging daraufhin zur Polizei. Dort ermittelte man den Täter und drei weitere Geschädigte. Wie der ermittelnde Beamte im Zeugenstand aussagte, hätten manche der Frauen empört und erbost reagiert, andere dagegen hätten es eher locker gesehen.
Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen ledigen Mann. Er wohnt im Haßbergekreis bei seinen Eltern. Dass er in einer öffentlichen Verhandlung vor Gericht erscheinen musste, war ihm sichtlich peinlich, nervös rutschte er auf seinem Stuhl hin und her. Auf Nachfrage bestätigte der Single, dass es in den letzten Jahren nur vereinzelte Kurzbeziehungen gegeben habe. Vor sechs Jahren, im Oktober 2008, stand er schon einmal vor dem Kadi. Damals hatte er sich auf einem Spielplatz einem minderjährigen Mädchen in unsittlicher Weise genähert. Er wurde damals verurteilt.
Mit Blick auf diese Vorstrafe forderte Staatsanwalt Ralf Hofmann einen "deutlichen Warnschuss" und plädierte auf eine einjährige Bewährungsstrafe.
Die Richterin führte in der Urteilsbegründung aus, dass neben der sexuell geprägten Beleidigung ein Verstoß gegen das Kunsturheber-Gesetz vorliege, weil das Recht am eigenen Bild missachtet wurde. Sie hielt sieben Monate für schuldangemessen und setzte für die Freiheitsstrafe eine Bewährungszeit von drei Jahren fest. Die Geldauflage muss der Verurteilte in monatlichen Raten von 200 Euro an die "Haßfurter Tafel" bezahlen.


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