Kirchlauter

25 Jahre auf die Blüte gewartet

Schönheit und Vergänglichkeit sind bei ihr eng miteinander verknüpft: Die Königs-Agave blüht nur ein einziges Mal in ihrem Leben und stirbt dann für immer ab. Eine fast 3,5 Meter hohe Blüte kann man derzeit in Kirchlauter bewundern.
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Anton Kirchner vor einem Teil seiner Agaven, darunter auch sehr seltene Arten
Anton Kirchner vor einem Teil seiner Agaven, darunter auch sehr seltene Arten
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Die Agave ist ein Wüstenkind und gehört zu den Sukkulenten. Dort, wo Agaven wachsen wie in Mexico, sieht man ihre hohen Blütenschäfte. Eine fast 3,5 Meter hohe Blüte kann man derzeit in Kirchlauter bewundern, wo die Agave auf einer Terrasse steht und vor einigen Tagen erst zur Freude ihres Besitzers Anton Kirchner zu blühen begann.

Der Gartenbautechniker ist praktisch in die Materie hineingewachsen, denn seine Eltern befassten sich schon viel mit dem Gartenbau, denn sie hatten einen Einzelhandel mit Gemüse und pflanzlichen Produkten. Anton Kirchner erlernte den Beruf eines Gartenbautechnikers. Das alte Gewächshaus dient ihm heute noch dazu, seinem Hobby zu frönen, und das ist der Anbau von Paprika in den verschiedensten Formen, aber auch auf eine ganze Reihe von besonderen Agaven ist er äußerst stolz.

Eine "Jahrhundertpflanze"

Vor mehr als 20 Jahren hatte er diese Pflanze von einer Gartenausstellung mit nach Hause gebracht. In ihrer "Geburtsurkunde" steht der Name "Agave Multifilifera". So lange schon ziert sie in den Sommermonaten seine Terrasse. In der kalten Jahreszeit stellt er sie kühl in einem Nebengebäude unter. Zehn bis 15 Jahre braucht eine Agave meist in den Tropen, bis sie blüht. Bei einer Zimmer- oder Kübelpflanze können bis zu diesem Zeitpunkt sogar 50 Jahre vergehen. Seine Pflanze schaffte es nun in der Hälfte dieser Zeit.

Plötzlich fing diese Agave aus der Familie der Spargelgewächse in den letzten Wochen an, ihren Blütenstamm auszutreiben. Da war die Freude bei den Kirchners groß, denn eine Agavenblüte ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, selbst für einen Botaniker. Deswegen spricht man auch gerne von einer botanischen Rarität oder bezeichnet sie sogar als "Jahrhundertpflanze".

Süßer und klebriger Nektar

Von manchem Besucher wurde sie in den letzten Tagen schon aufgesucht und bestaunt - auch von Wespen, die von der seltenen Blüte angezogen werden und sich im Blütenstand tummeln. Die Blüten produzieren nämlich auch eine große Menge an süßem und klebrigem Nektar.

Mit einer gewöhnlichen Blume im Garten, die verlässlich jedes Jahr oder sogar mehrmals jährlich blüht, ist diese Agave also nicht zu vergleichen. Die Agave überzeugt eher durch die Farbe und Form der Blattrosette, und die meisten Arten erfordern wie hier sehr viel Geduld, bis man ihre majestätische Blüte erleben kann.

Blütezeit nur zwei Wochen

Erstaunlich ist auch, dass die Pflanze in ihrem Topf sehr standfest ist. Anton Kirchner hat sie nun aber in diesem besonderen Stadium doch etwas abgestützt, damit ihr starke Winde und Gewitter nichts anhaben können und er die Blütezeit in voller Länge genießen kann. Doch diese Blüte wird nicht lange dauern, vielleicht zwei Wochen. Mit dem Wachsen des Blütenstammes beginnt nämlich schon der Sterbeprozess der Mutterpflanze, die all das gespeicherte Wasser braucht und ihre ganze Energie investiert, um den enormen Blütenstamm auszutreiben.

Zuerst sind die Knospen geschlossen, dann werden die Stempel hellgrün, und schließlich färbt sich die Blüte strahlend gelb. Das wirkt "prachtvoll", so lautete auch die Übersetzung des griechischen Wortes Agave. Allerdings fällt mit den Tagen auf, dass die untersten Blüten dann bereits wieder welken und sich das Blütenwunder nach oben verschiebt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie verblüht ist und Abschied nehmen muss.

Da kann man nur hoffen, dass Agaven-Liebhaber Anton Kirchner schon für entsprechende Samen und Nachwuchs gesorgt hat. Oder er hat in seinem Gewächshaus vielleicht sogar schon weitere Agaven, bei denen er eine solche Blüte in seinem Leben noch ein weiteres Mal erwarten kann.

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