Lichtenfels
Gericht

22-jähriger Rauschgift-Einkäufer bekommt einen letzten Warnschuss

Weil er in nicht geringer Menge Rauschgift eingekauft haben soll, hatte sich am Montag ein 22-jähriger Lichtenfelser am Amtsgericht in einer Schöffensitzung zu verantworten. Bis zum Schluss war das Ve...
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Weil er in nicht geringer Menge Rauschgift eingekauft haben soll, hatte sich am Montag ein 22-jähriger Lichtenfelser am Amtsgericht in einer Schöffensitzung zu verantworten. Bis zum Schluss war das Verfahren auch dadurch gekennzeichnet, dass der Angeklagte leugnete, den Hauptbelastungszeugen zu kennen.

Eigentlich war die Lage des jungen Mannes aussichtslos. Spätestens als Richterin Ulrike Barausch ihn mit seiner eigenen Whatsapp-Nachricht konfrontierte, die eindeutig belegte, dass er Kontakt mit seinem Haschisch-Lieferanten aufnahm, galt der Beschuldigte als überführt. An einem Tag im September 2016 kaufte und übernahm er von einem in Weismain wohnhaften 24-Jährigen 50 Gramm des Rauschgiftes. 200 Euro habe er sich das kosten lassen, so die Anklage des Staatsanwalts Daniel Killinger. Besorgt worden sei das Haschisch in Jena. Aber dieser Vorhalt war nicht der einzige Anklagepunkt, es sollten noch drei weitere folgen, die sich letzten Endes zu einer Anklage aus unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und vorsätzlichem unerlaubtem Erwerb von Betäubungsmitteln summierte.

Denn auch am 9. Oktober 2016 kaufte der Angeklagte nach Ansicht Killingers vom selben Lieferanten 100 Gramm Haschisch zum Preis von 400 Euro ein. Damit war der Vorwurf der nicht geringen Menge bei weitem erfüllt, was auch so blieb, als der Lieferant davon sprach, für sich selbst 25 Gramm abgezwackt zu haben. Der am längsten zurückliegende Tatvorwurf bestand darin, dass der Beschuldigte, sich diesmal in Nürnberg befindlich, dort zwischen Januar und März 2016 von einem nicht näher bekannten Verkäufer 25 Gramm für ebenfalls 100 Euro erwarb. Die Frage, die das Gericht in besonderem Maße interessierte, war, ob das Rauschgift zum Weiterverkauf bestimmt gewesen sei. Ein Grund, weshalb das gemutmaßt wurde, lag in den finanziellen Verhältnissen des 22-Jährigen.

Warum sollte jemand, der ein Azubi-Gehalt bezieht, so tief in die Tasche greifen, wenn er für den Eigenverbrauch übermäßig kauft? Doch gelang es dem Angeklagten, der von Rechtsanwalt Bernd Legal vertreten wurde, das Gericht davon zu überzeugen, dass er keine Dealerabsichten gehabt habe und auch darum eingekauft habe, weil er "für Freunde eine Party" geben wollte. Überdies sollte die eingekaufte Menge noch "für einen ganzen Monat reichen".

Zweimal regte Ulrike Barausch an, das Verfahren für wenige Minuten zu unterbrechen. Damit kam sie dem Wunsch des Angeklagten nach, der von großer Müdigkeit bei sich sprach. Als sein Lieferant gegen ihn aussagte, blickte er zumeist regungslos vor sich auf den Tisch. Dabei kam auch zur Sprache, dass gegen den 24-Jährigen schon eine beinahe dreijährige Haftstrafe ausgesprochen wurde, weil es eine Verwicklung in einen Raub gab.

Nach der Vernehmung von insgesamt drei Zeugen, unter ihnen auch ein Polizeibeamter, der von einer Hausdurchsuchung bei dem Lichtenfelser erzählte, die eine geringe Menge Haschisch zutage förderte. Bislang trat der Angeschuldigte noch nie in Erscheinung, weshalb eine anzutretende Haftstrafe ausgeschlossen war; auch darum, weil er mit der Jugendgerichtshilfe in Kontakt steht und sich offen für eine Suchtberatung zeigte. Die sollte zwar nicht Bestandteil des Urteils werden, wohl aber eine Geldstrafe in Höhe von 700 Euro sowie zwei verbindliche Kursteilnahmen zur künftigen straffreien Lebensführung. Überdies schärfte Ulrike Barausch dem Mann, der durchaus bedient schien, ein: "Sollten Sie jetzt eine gleichgelagerte Tat begehen, wäre eine Freiheitsstrafe unumgänglich."



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