Lichtenfels

22-jähriger Berliner zieht mit Kleintransporter mehr als eine Spur der Verwüstung

Am Beginn des Verfahrens stand eine telefonische Debatte. Richter Stefan Hoffmann versuchte einem Zeugen zu verdeutlichen, dass die Folgeleistung zu einer Zeugenladung nicht auf fr...
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Am Beginn des Verfahrens stand eine telefonische Debatte. Richter Stefan Hoffmann versuchte einem Zeugen zu verdeutlichen, dass die Folgeleistung zu einer Zeugenladung nicht auf freiwilliger Basis zu geschehen hat.
Hoffmann stellte dem Telefonpartner mehrfach in Aussicht, ihn polizeilich vorführen zu lassen. Abgesehen davon ging es vorrangig um einen 22-jährigen Berliner, der im Sommer 2014 am Obermain unterwegs war. Mit dem Auto, betrunken, Unfälle bauend und sich davon nicht beeindrucken lassend.
Schon die Anklageverlesung durch Staatsanwalt Michael Imhof hatte es in sich: so häufig die immer gleichen Delikte in abgewandelter Form - vorsätzliche Trunkenheit, Fahren ohne Führerschein, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässige Trunkenheit.
Mit einem Kleintransporter fuhr er am 31. Juli 2014 durch Lichtenfels und in der Nacht erst einen Blumenkübel am Marktplatz um, dann aber auch weiter. Das wurde beobachtet, und eben bei diesem Augenzeugen gab es lange keine Einsicht dafür, seine Aussage auch bei Gericht zu wiederholen. Ein weiteres Mal waren es gleich mehrere Zeugen, die in Bad Staffelstein den Kleintransporter bemerkten. Dort soll er am 1. August 2014 erst drei parkende Autos en passant geschrammt haben. Ganz unbemerkt blieb das von ihm wohl nicht, denn er stieg nach Angaben eines 20-jährigen Kneipenbesuchers aus seinem Auto aus, richtete seine Stoßstange und fuhr dann weiter. Gegen 3 Uhr tauchte er mit seinem Wagen an einer Tankstelle in Lichtenfels auf - betrunken.
Geleugnet hatte der Angeklagte nie. Die in der frühen Morgenstunden des 1. Augusts vorgenommene Alkoholuntersuchung samt 1,15 Promille sprach ohnehin für sich. Das alles räumte der Angeklagte ein. Aber dabei wiederholte er lediglich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Eigene Erinnerungen hatte er kaum beizutragen.


Den "Bums" nicht bemerkt

Den "Bums" gegen die geparkten Autos habe er nicht bemerkt, so der 22-Jährige. Zwar entzog sich der mögliche Zusammenknall auch dem Blickfeld des Kneipenbesuchers, aber Staatsanwalt Imhof ging dennoch von der Ursächlichkeit des Fahrers aus. "Er hat zweifellos beide Unfälle bemerkt", so Imhof zu den Auto- und Blumenkübelvorfällen. Beim von ihm geforderten Strafmaß zeigte er Härte. Neun Monate ohne Bewährung wollte er verhängt wissen.
Eine schwangere Freundin, der Wille, mit ihr eine gemeinsame Wohnung zu beziehen, die derzeitige Arbeitssuche - all dies suchte Verteidiger Gordon Stober für seinen Mandanten in die Waagschale zu werfen, um eine Bewährungsstrafe zu erwirken. "Seit fünf Jahren betreue ich ihn", so Stober.
Der Mann sprach davon, dass sich sein hafterfahrener Mandant in all der Zeit gebessert habe, dass er einst ein völlig desolates Leben geführt habe. Davon zeugen auch die Straftaten und Delikte, die zur Verlesung kamen und schon geahndet worden waren. Darunter Diebstahl, Körperverletzung und eben auch Fahren ohne Führerschein.
Über eine halbe Stunde nahm sich Hoffmann Zeit, um eine Frage besonders zu bedenken: Bewährung - ja oder nein? "Es hat schlicht und ergreifend nicht gereicht [...] es ist derzeit nicht ausgeschlossen, dass weitere Straftaten geschehen könnten", begründete der Richter sein Urteil von sechs Monaten Haft ohne Bewährung.

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