Gräfenberg

200 Jahre Forschung

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon lange mit dem Ritter-Dichter Wirnt von Gräfenberg und seinem Artusroman "Wigalois". Am Freitag gibt es dazu einen Vortrag.
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Im kulturellen Rahmenprogramm zum siebten Gräfenberger Bürgerfest findet bereits eine Woche vor dem mittelalterlichen Marktfest ein Vortrag über Ritter Wirnt statt. "Wie Wirnts Roman in jüdischen Kreisen des Mittelalters Freunde fand" lautet der Vortrag von Achim Jaeger (Düren) am Freitag, 5. Juli, 19 Uhr, im historischen Rathaussaal Gräfenberg.

Seit 200 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft in aller Welt mit dem Ritter-Dichter Wirnt von Gräfenberg und seinem Artusroman "Wigalois, der Ritter mit dem Rade": Im Jahr 1819 veröffentlichte der Göttinger Hofrat Georg Friederich Benecke die erste wissenschaftlich-kritische Ausgabe von Wirnts Werk und widmete sie "Seinem Freunde Jacob Grimm, dem Gründer der Deutschen Grammatik". Aus diesem Anlass hat der Kulturverein Wirnt von Gräfenberg zum Bürgerfest im Jubiläumsjahr ein kulturelles Rahmenprogramm organisiert, das eine Woche vor dem Fest mit diesem Vortrag beginnt.

Nacherzählungen

Die literarische Qualität und die Bekanntheit des "Wigalois" begründeten ein vielgestaltiges Interesse an Nacherzählungen und Bearbeitungen seines Stoffes. Eine Besonderheit ist dabei, dass Wirnts Epos auch in jüdischen Kreisen Beachtung und Bearbeitungen ("Ritter Widuwilt") fand.

Welchen Stellenwert hatte literarische Bildung für die gesellschaftliche Teilhabe einer jüdischen Oberschicht, die Kontakt zur nichtjüdischen Bevölkerung pflegte? Der bildgestützte Vortrag setzt sich mit dem einzigen erhaltenen Artusroman in jüdisch-deutscher (westjiddischer) Sprache und seinem Verhältnis zum "Wigalois" des Wirnt von Gräfenberg auseinander. Wolfgang Junga steuert dazu einige mittelalterliche Lieder bei, unter anderem von dem jüdischen Minnesänger Süßkind von Trimberg.

Die jüdisch-deutsche Erzähltradition fand seit dem 17. Jahrhundert auch von deutscher Seite Beachtung. Daran beteiligt waren Gelehrte aus dem Nürnberger Raum, die im Vortrag besonders berücksichtigt werden: der Rechtsgelehrte und Orientalist Johann Christof Wagenseil (1633 bis 1705), der an der Universität in Altdorf lehrte, sowie der Nürnberger Pfarrer, Aufklärer und Historiker Johann Ferdinand Roth (1748 bis 1814).

Ein Phänomen

Die parallel zur "Wigalois"-Rezeption existierende "Widuwilt"/"Artushof"-Rezeption verdeutlicht, dass es sich bei der Wirkungsgeschichte der Texte um ein Phänomen von langer Dauer handelt. Festzustellen ist dabei, dass sich Fortschreibung und Bearbeitung des mittelalterlichen Ritterromans bis zur einsetzenden literaturwissenschaftlichen Erforschung des "Wigalois" vor 200 Jahren erstrecken (Georg Friederich Beneckes Edition erschien 1819) und darüber hinaus in unterschiedlichen Formen bis in unsere Tage andauern.

Der Referent Achim Jaeger, geboren 1963, ist Studiendirektor am Stiftischen Gymnasium Düren, wo er Deutsch und Geschichte unterrichtet. Nach Studium in Aachen folgte die Promotion 1998 mit "Ein jüdischer Artusritter. Studien zum jüdisch-deutschen ,Widuwilt' (,Artushof') und zum ,Wigalois' des Wirnt von Gravenberc" (Tübingen 2000). Zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur des Mittelalters und der Gegenwart folgten. red

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