Bamberg

20 000 "Schäfchen" fordern Seelsorge

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde der neue Katholische Seelsorgebereich "Bamberger Osten" eröffnet. Sechs Pfarreien müssen nun vernetzt werden.
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Mit einem feierlichen Einzug der Ministranten aus allen Pfarreien des neuen Seelsorgebereichs "Bamberger Osten" und des hauptamtlichen Pastoralteams begann der Eröffnungsgottesdienst in St. Kunigund. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Mit einem feierlichen Einzug der Ministranten aus allen Pfarreien des neuen Seelsorgebereichs "Bamberger Osten" und des hauptamtlichen Pastoralteams begann der Eröffnungsgottesdienst in St. Kunigund. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Marion Krüger-Hundrup Für die rund 40 000 Bamberger Katholiken hat am 1. September 2019 eine neue Ära begonnen. Im Zuge des bistumsweiten Strukturprozesses wurden neue Seelsorgebereiche mit jeweils mehreren Pfarreien bestimmt. In der Domstadt gibt es nun die Bereiche "Bamberger Westen" und "Bamberger Osten". Der Westen mit den Gemeinden Dom, Obere Pfarre, St. Martin/St. Josef-Hain und St. Josef-Gaustadt mussten sich schon seit über einem Jahr zusammenraufen, nachdem zwei von ihnen quasi über Nacht ohne Pfarrer dastanden.

Inzwischen funktioniert das Miteinander. Anders im "Bamberger Osten" mit den Gemeinden St. Anna, St. Kunigund, St. Heinrich, St. Gangolf, Maria Hilf und St. Otto: Hier begann jetzt die neue Zeitrechnung mit einem feierlichen Eröffnungsgottesdienst für alle in der Kirche St. Kunigund. Das gesamte Pastoralteam - sechs (Ruhestands-) Priester, zwei Diakone und zwei Pastoralreferenten sowie eine große Ministrantenschar zogen in das voll besetzte Gotteshaus ein.

"Gehen wir aufeinander zu! Wir brauchen jeden einzelnen, nicht nur die Hauptamtlichen und die Gremien", bat Leitender Pfarrer Marcus Wolf die Gottesdienstbesucher. Wir sprachen mit ihm über die Herausforderung, rund 20 000 Katholiken unterschiedlicher Prägung unter einem Dach zu versammeln und zu versorgen. Warum war es Ihnen als Leitender Pfarrer wichtig, den Start des neuen Seelsorgebereichs Bamberger Osten mit einem Gottesdienst zu begehen?

Pfarrer Marcus Wolf: Im Hauptamtlichen-Team war es uns wichtig, dass es einen gemeinsamen Startschuss des neuen Seelsorgebereiches geben muss, da ja der offizielle Beginn am 1. September ganz leise vonstatten ging, da noch Ferien- und Urlaubszeit war. Was ändert sich jetzt eigentlich für die sechs Pfarreien des Seelsorgebereichs? Unser neuer Seelsorgebereich ist im Vergleich mit anderen Seelsorgebereichen noch ein kleiner, überschaubarer Bereich, zumindest von der Fläche her. Von der Katholikenzahl her schaut das schon anders aus, da wurden aus circa 9000 Schäfchen über 20 000. Das ist schon ein großer Unterschied und eine Herausforderung für die Seelsorge. Gott sei Dank ist der neue Strukturprozess ein langsamer Prozess, so dass sich zunächst nicht sehr viel verändert, außer dass der größere Seelsorgebereich einen anderen Namen hat. Mittlerweile steht auch der Ort des zukünftigen Zentralbüros fest, nämlich in St. Heinrich. Dieses Zentralbüro soll mit der Zeit von Montag bis Freitag ganztägige Öffnungszeiten haben. Das hat für die anderen Pfarrbüros zur Konsequenz, dass erst einmal der Bedarf geprüft wird und dann die Notwendigkeit von Öffnungszeiten.

Als Leitender Pfarrer bin ich nun nicht nur mehr für drei, sondern für sechs Pfarreien zuständig, das heißt ich bin offiziell auch Dienstvorgesetzter für alle bei den Kirchenstiftungen angestellten Personen und auch Kirchenverwaltungsvorstand. So lange aber Pfarrer Höfer im Dienst ist, habe ich diese beiden Aufgaben an ihn für seine bisherigen Pfarreien übertragen. Im kommenden Jahr soll dann ein gemeinsamer Verwalter angestellt werden, der uns Pfarrer bei der Verwaltung unterstützt, so dass wir mehr nötige Zeit für die Seelsorge haben. Worin liegen die größten Herausforderungen in der künftigen Seelsorge? Wie kann Seelsorge überhaupt in einem so großen Bereich geschehen? Vor allem, wenn mit den Jahren die Anzahl der in der Seelsorge tätigen Hauptamtlichen noch geringer wird. Wie soll die Eigenständigkeit der jeweils einzelnen Pfarrei gewährleistet werden? Indem die alten Traditionen der einzelnen Pfarreien, soweit es möglich und nötig ist, aufrecht erhalten bleiben, wie zum Beispiel diverse Prozessionen, Flurumgänge, Kirchweihen etc. Darüber hinaus muss um Ehrenamtliche geworben werden, die zusammen mit den Hauptamtlichen mit verschiedenen Angeboten wie zum Beispiel Liturgie, Gebetskreise das Pfarrleben lebendig und interessant gestalten. Diese müssen natürlich von den Hauptamtlichen geschult und gefördert werden. Die Pfarrei St. Heinrich wird also Sitz des gemeinsamen Verwaltungsleiters. Gibt es schon eine Personalentscheidung? Die einzigen Personalentscheidungen, die im Moment gefallen sind, besagen, dass ich der Leitende Pfarrer des neuen Seelsorgebereiches bin. Pfarrer Höfer hat weiterhin alle Rechte und Pflichten eines kanonischen Pfarrers. Vorsitzender des neuen Seelsorgebereichsrates ist Alexander Deller aus St. Gangolf, Stellvertretende Vorsitzende ist Barbara Wiese aus St. Kunigund, Schriftführer sind Margit Schütz aus St. Gangolf und Alexander Blöchl aus St. Heinrich. Ich selbst darf in St. Gangolf wohnen bleiben, erst mein Nachfolger wird seinen Sitz in St. Heinrich einnehmen. Das Gespräch führte Marion Krüger-Hundrup.

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