Gräfenberg
Beruf 

1614 Kilometer weg von daheim

Wenn ihre Familie heute in der Heimat Weihnachten feiert, kann Vanja Gorchovska allenfalls via Skype dabei sein. Die Bulgarin arbeitet als Pflegerin in Gräfenberg. Großes Heimweh plagt sie allerdings nicht.
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Immer mehr Pflegebedürftige gibt es. Auch damit sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und dort auch Weihnachten feiern können, leben bei ihnen Haushaltshilfen. Oft kommen diese aus dem Ausland.
So wie Vanja Gorchovska. Sie lebt derzeit bei einer Gräfenberger Familie und feiert mit dem Ehepaar auch Weihnachten - 1614 Kilometer von ihrer eigenen Familie im bulgarischen Kyustendil entfernt.
Allerdings, die Trennung fällt Vanja Gorchovska nicht sonderlich schwer. Zum einen waren sie und ihr Ehemann aus finanziellen Gründen schon des Öfteren getrennt. Vanja Gorchovska arbeitete schon in Griechenland bei der Oliven- und Traubenernte, während ihr Ehemann zur selben Zeit in Spanien Geld verdienen musste. Ihre Tochter ist bereits erwachsen und studiert in Bulgariens Hauptstadt Sofia.
Und zum anderen durfte Weihnachten während bis 1990 gar nicht gefeiert werden. Die kommunistischen Machthaber untersagten dies den Bulgaren. Die Geschenke verteilten die Familien stattdessen an Silvester.


Sie büffelt Deutsch

Und dann ist da noch die Gräfenberger Familie, in der Vanja derzeit lebt. "Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden", erklärt Vanja Gorchovska.
In der Familie wäscht sie den pflegebedürftigen Mann, kleidet ihn an, hilft bei der Grundversorgung, aber auch im Haushalt und im Garten. Ist gerade nichts zu tun, liest Vanja. Oder genauer gesagt, sie liest und büffelt dabei Deutsch. "Das ist eine sehr schwere Sprache", sagt Vanja Gorchovska und rauft sich die Haare. Zwar legt die Vermittlungsagentur Anima Wert darauf, dass ihre Haushaltshilfen einen Deutschkurs vor Beginn des Einsatzes absolvieren, aber das richtig flüssige Sprechen kommt erst mit der Zeit.
Hier in Gräfenberg hat Vanja Gorchovska in einer Kollegin aus derselben bulgarischen Region, die ebenfalls eine Gräfenberger Familie betreut, eine Freundin gefunden. In ihrer Freizeit spazieren die beiden durch die kleine Stadt und drücken gemeinsam die Schulbank. Sie nehmen an dem Deutschintegrationskurs für Flüchtlinge teil.


Rund um die Uhr

Mit ihrer deutschen Familie kann sich Gorchovska inzwischen gut verständigen. Gäbe es doch einmal Sprachprobleme, würde eine Mitarbeiterin sofort dolmetschen.
Das ist der Agenturinhaberin Kathrin Müller genauso wichtig wie das Ziel, den bulgarischen Frauen hier ein Stück Heimat zu geben. "Wir wollen die Mitarbeiter nicht einfach abstellen, sondern ihnen die Einfindungsphase erleichtern. Zugleich erleichtern wir damit auch Familien die Umstellung. Denn leicht ist es auch für sie nicht, plötzlich eine fremde Frau rund um die Uhr im Haus zu haben."
Früher war Kathrin Müller im Rettungsdienst im Landkreis Forchheim tätig. "Die Zwangsfahrten ins Heim waren die schwierigsten Momente", erinnert sie sich. Damit meint die für alle Beteiligten quälende Situation, wenn die Kinder ihre Eltern ins Heim bringen wollen, diese sich dagegen mit Vehemenz wehren.
Es muss anders gehen, dachte sich Müller und gründete ihre Agentur, um für den Eckentaler Bereich und den südlichen Landkreis Alternativen zum Pflegeheim zu bieten. Vanja Gorchovska entschied sich für den Job bei Müller aus wirtschaftlichen Gründen. 500 Euro beträgt der Durchschnittsmonatslohn in Bulgarien, 1,24 Euro der Mindestlohn. Eine Festanstellung bei der VHS hatte sie dort. Als eine Art Regisseurin für Theaterstücke war sie für die Dekoration, die Musikauswahl oder die Kleidung der Schauspieler verantwortlich. Vor allem Lebensmittel sind in Bulgarien sehr teuer.


Kontakt per Skype

Dafür sind das s ist Erdgas verhältnismäßig billig. "Das Wasser ist fast 70 Prozent günstiger als in Deutschland, Abwasser muss überhaupt nicht bezahlt werden", sagt Vanja Gorchovska.
Ihr Laptop aber hat Vanja Gorchovska immer startbereit. Via Skype unterhält sie sich mit ihrem Ehemann, der Tochter, Freunden und Bekannten. Gerade auch in der Weihnachtszeit.

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