Reiterswiesen

140 Jahre für das Allgemeinwohl

Die Freiwillige Feuerwehr Reiterswiesen feierte am Wochenende ihr Jubiläum mit einem Plootzfest.
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Feuerwehreinsatz ist kein Kick für Draufgänger. Vielmehr schwebt die Gefahr für Leib und Leben stets über den Feuerwehrlern. In Reiterswiesen feierte die Wehr am Wochenende ihr 140-jähriges Bestehen.  Foto: Peter Klopf
Feuerwehreinsatz ist kein Kick für Draufgänger. Vielmehr schwebt die Gefahr für Leib und Leben stets über den Feuerwehrlern. In Reiterswiesen feierte die Wehr am Wochenende ihr 140-jähriges Bestehen. Foto: Peter Klopf
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Man wird manchmal nur auf sie aufmerksam, wenn die Feuersirene schrillt oder sie mit Blaulicht an einem vorbeirauschen. "Gott zur Ehr' dem Nächsten zur Wehr", lautet seit nunmehr 140 Jahren der Leitspruch der Freiwilligen Feuerwehr Reiterswiesen. Bescheiden wie die Stadtteilwehr ist, wurde das Jubiläum mit einem Zwiebelplootzfest am Feuerwehrhaus in kleinem Rahmen gefeiert. "Das Fest ist ein Zeichen der Verbundenheit und gleichzeitig auch Dank an die Ortsbevölkerung für die stete Unterstützung. Es zeigt, wie wichtig das Ehrenamt für die Gesellschaft ist. Auch beim Fest sind alle Helfer ehrenamtlich tätig", so Feuerwehrkommandant Bernd Ort. War am Samstag das Duo Con Brio für die Stimmung im Festzelt zuständig, sorgte am Sonntag die Feuerwehrkapelle Reiterswiesen für die nötige Bierlaune.

Wechselvolle Geschichte

Wer 140 Jahre für die Sicherheit von Reiterswiesen sorgt, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, die allzu oft vergessen wird. 30 Jahre, nachdem im Königreich Bayern die erste Freiwillige Feuerwehr gegründet worden war, erkannten auch die Reiterswiesener die Notwendigkeit, eine Wehr aufzustellen. Am Fest "Mariä Himmelfahrt", dem 15. August 1879, gründete der Bürgermeister Valentin Greubel mit Unterstützung des damaligen Schullehrers Josef Rost, einem Gastwirt und zehn Bauern die Freiwillige Feuerwehr von Reiterswiesen, und bis zum Monatsende hatte dieses kleine Häuflein noch weitere 21 Mitglieder dazugewonnen. Nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten entwickelte sich die Wehr stetig. 1902 hatte sie bereits 81 Mitglieder und für damalige Verhältnisse eine bemerkenswerte Ausrüstung: 57 Helme, 55 Blusen, 14 Beile, 50 Gurte, vier Karabinerhaken, fünf Leinen, sechs Laternen, zwei Signalhörner, eine Druckspritze, 91-Meter-Schläuche, zwei frei stehende Leitern, drei Dach- und Hakenleitern, drei Feuerhaken, 13 Petroleumfackeln. Außerdem waren im Dorf zwei (Lösch-)Weiher und 34 Pumpbrunnen vorhanden.

Alle Gerätschaften der Feuerwehr waren im Rathaus untergebracht. Mit der Zeit genügten diese Räumlichkeiten nicht mehr den Ansprüchen der Feuerwehr. Deshalb wurde im Jahre 1928 auf dem Platz der ehemaligen Dorfschmiede ein neues Gerätehaus errichtet. Moderne Zeiten brachen an, als Bürgermeister Max Reuß 1938 einen Schlauchwagen und eine Motorspritze an den damaligen Kommandanten Ferdinand Kiesel übergab. Unheilvolle Wolken warfen mit Beginn des Zweiten Weltkrieges auch ihre Schatten auf die gut gerüstete Reiterswiesener Wehr. Am 17. August und am 14. Oktober 1943 wurde die Reiterswiesener Wehr zum Lösch- und Rettungseinsatz nach Schweinfurt gerufen. Amerikanische Bombenflugzeuge hatten große Teile Schweinfurts in Brand gesetzt. Den Feuerwehrmännern, die noch niemals solch eine Feuerhölle erlebt hatten, wurde schier Übermenschliches abverlangt. Zahlreiche weitere Einsätze gab es bis zum Kriegsende 1945.

Die Zeit des Wirtschaftswunders bescherte den Reiterswiesenern auch den nötigen Aufschwung: Beim 80. Stiftungsfest 1961 wurde ihnen ihr erstes Kleinlöschfahrzeug mit Motorspritze übergeben. Zehn Jahre später, 1971, konnte das größere Löschfahrzeug LF 8 in Betrieb genommen werden. Die Notwendigkeit einer ordentlichen Ausrüstung wurde schon wenige Tage später ersichtlich, denn es mussten kurz darauf ein Zimmerbrand und ein Flächenbrand bekämpft werden.

Im Zuge der Gebietsreform wurde die Reiterswiesener Wehr der Stadt Bad Kissingen zugeordnet. 1971 gründete man die erste Jugendgruppe, womit die Jugendarbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Reiterswiesen begann. 1979 feierte man ganz groß das 100-jährige Gründungsfest. 151 Mitglieder hatte der Verein damals. Als das alte Feuerwehrgerätehaus aus den Nähten platzte, begann man 1986 mit dem Bau eines neuen Domizils, das 1988 feierlich eingeweiht wurde. Im Jahre 1995 wurde die Wehr mit einem neuen Löschfahrzeug LF (8/6) nochmals modernisiert.

In Eigenleistung wurde das Feuerwehrhaus mehr und mehr zu einem Schmuckstück ausgebaut, auf das die Wehrleute und ihr jetziger Kommandant Bernd Ort und sein Stellvertreter Tobias Dittrich besonders stolz sind. 268 Mitglieder zählte die Feuerwehr 2018. Davon waren 72 aktive Wehrmänner, der Jugendfeuerwehr gehörten 21 Jugendliche an, weiter 19 Musiker und 21 Ehrenmitglieder. Stand früher die Brandbekämpfung im Vordergrund sind es heute die technischen Hilfeleistungen. Die Reiterswiesener Wehr hat im Moment keine Zukunftssorgen. Dies zeigen die vielen aktiven Jugendlichen.

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