LKR Haßberge
lebensmittel

1200 Kontrollen stehen aus

Eckehard Kiesewetter Ist der Lebensmittelaufsicht im Landkreis Haßberge zu trauen? Ein aktueller Bericht des Verbraucherschutz-Vereins "foodwatch" lässt aufhorchen. Denn angeblich fällt jede dritte vo...
Artikel drucken Artikel einbetten

Eckehard Kiesewetter Ist der Lebensmittelaufsicht im Landkreis Haßberge zu trauen? Ein aktueller Bericht des Verbraucherschutz-Vereins "foodwatch" lässt aufhorchen. Denn angeblich fällt jede dritte vorgeschriebene Lebensmittelkontrolle aus.

Dabei haben die Kontrolleure die Aufgabe, unhygienische Zustände in Gaststätten, Imbissbuden oder Bäckereien aufzudecken. Wie wichtig dies ist, belegen Zeitungsmeldungen: Keime im Obstsalat, Listerien in der Wurst, Folienreste in der Pasta, Durchfallbakterien in Milch, Salmonellen in der Salami und Glassplitter im Käse. Die Liste der Vorfälle, allein im Jahr 2019, ließe sich fortsetzen.

Die Verbraucherschützer haben deutschlandweit, also bei fast 400 Städten, Kreisen und Behörden, Daten eingeholt und eklatante Defizite festgestellt. Hauptgrund sei Personalmangel, das Sparen an falscher Stelle.

Zu wenig Personal

Der Landkreis Haßberge macht da offenbar keine Ausnahme. Für mehr als 2250 Lebensmittelbetriebe, die eigentlich regelmäßiger amtlicher Besuche unterzogen werden müssten, stehen laut "foodwatch" gerade mal 2,6 Kontrolleure zur Verfügung. Diese Daten stammen aus dem Jahr 2018. Aktuell (Stand September) ist die Zahl der Kontrollrückstände: 1194 fällige Betriebskontrollen stehen im Kreis Haßberge demnach aus.

Immerhin, der Landkreis hat der Verbraucherinitiative Auskunft erteilt und exakte Angaben machen können, was vielen anderen Kommunen nicht möglich war. "Höhe nicht bezifferbar" heißt es aus dem Kreis Bamberg, "Sollerfüllung in 2018 nur bei knapp über 50 Prozent" aus der Domstadt selbst. Bessere Soll-Erfüllungswerte als der Kreis Haßberge erreichen die Nachbarn in Schweinfurt und Coburg, die auch mit mehr Personal ausgestattet sind.

Je nach Risiko

EU-Vorgaben und deutsche Verwaltungsvorschriften regeln die Kontrollen je nach Risikoeinstufung. So wird eine Metzgerei als sensibler eingestuft als ein Verkaufsstand, an dem nur verpackte Ware angeboten wird. Je höher die Anfälligkeit für Hygienemängel und gesundheitliche Gefährdungen, desto mehr muss kontrolliert werden.

Die "Essensretter" von "foodwatch" sprechen in ihrem Bericht von einem "permanenten politischen Skandal", weil Behörden ihren Verpflichtungen nicht nachkämen und für die Verbraucher keine Möglichkeit bestehe, ihr Schutzrecht einzufordern. Aus dem Landratsamt war gestern keine Stellungnahme zu den "foodwatch"-Daten zu erhalten. Die Behörde hatte für den Nachmittag ihre Weihnachtsfeier angesetzt.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren