Pretzfeld

1000 Tannen als Geschenk

Landrat Hermann Ulm will bei den anstehenden Wahlveranstaltungen statt Werbegeschenken kleine Bäumchen mitbringen. In Pretzfeld wurden sie nun verladen.
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Aaron Könitzer (l.) und Lorenz Ulm helfen mit, den Transporter zu beladen.  Foto: Carmen Schwind
Aaron Könitzer (l.) und Lorenz Ulm helfen mit, den Transporter zu beladen. Foto: Carmen Schwind
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Der achtjährige Lorenz Ulm, der siebenjährige Aaron Könitzer und die 14-jährige Elisabeth Ulm halfen fleißig beim Umladen von 1000 Weißtannen am Obstmarkt in Pretzfeld mit. Die drei Kinder sind bereits Umweltprofis.

Lorenz verriet, dass er schon einmal Tannen am Felsenkeller gepflanzt hat, und Aaron hat im letzten Jahr ein Plakat gemacht, weil er Bienen retten will. "Bienen sind gut. Sie bringen uns Essen und lassen die Bäume blühen", erklärte der Siebenjährige, der an der Schule in Pretzfeld Mitglied der "Imker-AG" ist und Honig liebt.

Elisabeth mag den Wald und findet es wichtig, dass Bäume angepflanzt werden. Deshalb ist sie begeistert von der Aktion ihres Papas, Landrat Hermann Ulm (CSU): Ihm kam die Idee, statt Werbegeschenken kleine Tannen bei den anstehenden Wahlveranstaltungen an die Bürger zu verteilen. Die Bäumchen kamen nun in Pretzfeld an.

"Das sind kleine Weißtannen von regionalen Baumschulen. Die Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz hat sie organisiert und hierher gebracht. Und wir laden sie jetzt um, damit Hermann Ulm sie mit nach Hause nehmen und pflegen kann, bis sie bei den Aktionen verteilt werden", erläuterte Diana Könitzer, Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Pretzfeld.

Hermann Ulm hat sich für Weißtannen entschieden, weil diese als Hoffnungsträger für den Aufbau klimatoleranter, zukunftsfähiger Mischwälder gelten. Als Waldbesitzer ist er ebenfalls Mitglied in der Waldbesitzervereinigung und kennt die Probleme, die durch die Klimaveränderung entstehen. "Wir haben in unserem Wald keine Fichten mehr. 2007 gab es erst Probleme mit dem Borkenkäfer. Es blieben noch ein paar Fichten als Christbäume, aber jetzt haben wir keine mehr", berichtete Hermann Ulm. Sein Sohn Lorenz warf ein: "Das ist blöd."

Mittlerweile pflanzt Ulm Weißtannen, Ahorn, Buche, Elsbeere oder Speierling. Diese Bäume hält auch Matthias Koch, stellvertretender Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung, für die richtigen: "Bei den Laubbäumen ist es einfacher, aber bei den Nadelbäumen haben wir ein Problem." Denn auch Weißtannen sind nicht für jeden Boden geeignet. Ihr Vorteil ist jedoch, dass ihre Pfahlwurzeln Wasser aus tieferen Schichten holen können, während Fichten Flachwurzler sind. "Deshalb beraten wir unsere Mitglieder, welche Art Mischwald für sie am besten ist", erläutert Koch.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann war ebenfalls zur Unterstützung gekommen: "Ich bin überzeugt davon, dass handeln wichtiger ist als nur reden", meinte er und trug eine Kiste mit Bäumchen zum Transporter. Als er seinem Vater von der Aktion erzählt hatte, hatte ihm dieser vorgerechnet, dass er ja auch schon etwa 4000 Bäume und Sträucher in seinem Leben gepflanzt habe.

Wasser ist knapp

Gerade in der Fränkischen Schweiz ist das Wasser schon immer knapp, weshalb Mischwälder in Zukunft wichtig sein werden. "Ich habe es auch satt, dass immer nur geredet wird. Jetzt ist wirklich die Zeit, anzupacken", bestätigte Diana Könitzer, nahm eine Kiste Bäumchen von Christiane Ulm, Ehefrau des Landrates, und gab sie weiter an dessen Tochter Elisabeth, die die Kisten im Transporter verstaute.

Matthias Koch schaute, ob alles passte, und erklärte, dass die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) 31 einheimische und fremdländische Baumarten untersucht und für den Klimawandel eingeordnet hat. "Viele reden zum Beispiel von der Libanonzeder. Es muss aber erst Samen gewonnen, hier angebaut und wissenschaftlich untersucht werden, ob der Baum für unsere Region überhaupt geeignet ist", berichtete Koch. Er empfahl, weiter auf einheimische Gehölze wie Spitzahorn, Elsbeere, Roteiche oder Kastanie zu bauen: "Die kommen auch nicht ohne Wasser aus, aber die sind etabliert und kommen gut mit dem trockenen Klima zurecht."

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