Bad Bocklet

100 Jahre und kein bisschen alt

Auch wenn die Menschen heutzutage immer älter werden: Der 100. Geburtstag ist immer noch etwas Besonderes.
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Im Biedermeierhof in Bad Bocklet feiert heute, Samstag, Margot Höpfner ihren 100. Geburtstag. Foto: Kerstin Väth
Im Biedermeierhof in Bad Bocklet feiert heute, Samstag, Margot Höpfner ihren 100. Geburtstag. Foto: Kerstin Väth

"Ich hab' mein Leben gelebt, und es war schön", sagt Margot Höpfner am Ende unseres Gesprächs, in dem deutlich geworden ist, dass sie viel erlebt hat. Heute, Samstag, 18. Januar, wird sie 100 Jahre alt. Und sicherlich wird sie bei der Feier, zu der auch ihr Neffe aus der Eifel mit Familie anreist, häufiger gefragt, ob sie ein Rezept hat, wie man so alt wird. Aber das hat sie nicht, "ich habe nichts gemacht, das sind die Gene", sagt sie. Im gleichen Atemzug stellt sie fest, dass sie nie geraucht hat und "getrunken habe ich auch nicht, das habe ich anderen überlassen". Erst jetzt im Alter genehmige sie sich ab und an ein paar Schluck Bier zum Abendessen, und das schmecke ihr gut.

Als einziges Kind ihrer Eltern wurde sie am 18. Januar 1920 in Remscheid im bergischen Land geboren. In Freiburg hat sie Säuglingsschwester gelernt, erzählt sie und zeigt auf das Bild, das neben ihr steht. Eine junge, bildschöne Frau in Schwesterntracht. "Da war ich 19", erinnert sie sich. Für das 2. Jahr ihrer Ausbildung ging sie nach Köln an die Universität-Kinderklinik. Da seien noch Ordensschwestern gewesen, und "ich bin evangelisch". Aber sie habe damit kein Problem gehabt. Säuglingsschwester sei ein sehr schöner Beruf, schwärmt sie noch heute.

Als der Krieg begann, ging sie für drei Jahre nach Elsaß-Lothringen, wo sie Mütter mit Kind beraten und betreut hat. Eigene Kinder habe sie keine, weil sie so spät geheiratet habe. Ihr erster Verlobter sei im Krieg erschossen worden. Als sie das Elsaß verlassen musste, arbeitete sie in einem Kriegsentbindungsheim. "Da hat mich die Oberin gerügt, weil ich ,Guten Morgen‘ gesagt habe, wenn ich den Müttern ihre Babys brachte; ich sollte ,Heil Hitler‘ sagen, das fand ich unmöglich", berichtet sie.

Hochzeit nach drei Tagen

Danach habe sie viele Privatstellen angenommen, bis sie eines Tages ihren Mann in Konstanz kennenlernte. "Wir haben uns erst drei Tage gekannt, dann haben wir geheiratet - meine Mutter hat getobt", erinnert sie sich und schmunzelt. Es war eben Liebe auf den ersten Blick. Ihre Hochzeit in der Kirche sei wunderschön gewesen. Ihr Mann arbeitete in Kiel, also zogen sie dorthin. Aber: "Kiel war anstrengend, und als mir eine Bekannte schrieb, dass in Bad Kissingen Wohnungen gebaut werden, sind wir hergezogen." Das war vor 58 Jahren. Als ihre Mutter starb, zog ihr Vater in eine kleine Wohnung neben ihnen. Er wurde in Bad Kissingen beerdigt, und mit dem Erbe kaufte sie hier eine Eigentumswohnung. Dort lebte sie, nachdem ihr Mann starb, alleine. Vor gut einem Jahr ging es dann nicht mehr, und so sei sie nach Bad Bocklet in den Biedermeierhof gezogen. "Hier fühle ich mich sehr wohl, aber mein Mann fehlt mir heute noch; ich war sehr gerne verheiratet", sagt sie mit Tränen in den Augen. Mit ihm ist sie immer wieder nach Elsaß-Lothringen zu Besuch gefahren und hat viele Reisen unternommen. Sie seien in Afrika, Israel und auch in Rom gewesen. Auf einer Schiffsreise mit der MS Berlin habe sie sogar mit dem Conférencier gesungen, weil "ich kann gut singen". Das sei zwar heute nicht mehr möglich, aber sie macht im Biedermeierhof alles gerne mit, was angeboten wird, Spiele wie Kniffel oder Denksportaufgaben lösen. "Mein Gedächtnis funktioniert noch sehr gut, und dazwischen schlafe ich furchtbar gerne", sagt Margot Höpfner. Und abends freut sie sich, wenn es Grießbrei mit Kompott gibt. Denn: "Das bekommt mir." Aber zum 100. gibt es heute erst einmal eine große Kaffeetafel mit Torte. Denn das muss gefeiert werden.

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