Bad Kissingen
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100 Jahre Frauen-Wahlrecht

Mit der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar hatte der Ortsring Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings wieder eine prominente Gastrednerin zu seinem Neujahrsempfang "Frauen 2019" eingeladen. Die SPD...
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Frauenring-Vorsitzende Birgit Fischer (rechts) bedankt sich bei der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar (links) für ihren eindrucksvollen Rückblick auf 100 Jahre Frauen-Wahlrecht, den die SPD-Politikerin anlässlich des Neujahrsempfangs "Frauen 2019" des Ortsrings Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings vortrug.  Foto: Karin Reinshagen
Frauenring-Vorsitzende Birgit Fischer (rechts) bedankt sich bei der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar (links) für ihren eindrucksvollen Rückblick auf 100 Jahre Frauen-Wahlrecht, den die SPD-Politikerin anlässlich des Neujahrsempfangs "Frauen 2019" des Ortsrings Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings vortrug. Foto: Karin Reinshagen

Mit der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar hatte der Ortsring Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings wieder eine prominente Gastrednerin zu seinem Neujahrsempfang "Frauen 2019" eingeladen. Die SPD-Politikerin, die 2013 in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, blickte in ihrem Vortrag zurück auf 100 Jahre Frauen-Wahlrecht in Deutschland, denn es ist fast genau 100 Jahre her, dass Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden durften. Die vielen interessierten Mitglieder und Gäste, die der Einladung zum Neujahrsempfang in den festlich dekorierten Stadtsaal gefolgt waren, bewiesen das Interesse an der vielleicht wichtigsten Errungenschaft für die Selbstbestimmung von Frauen in unserem Land: das Frauen-Wahlrecht.

"Seit sich Frauen auf den Weg gemacht haben, um ihre Hälfte der Welt zu erobern", sagte Frauenring-Vorsitzende Birgit Fischer bei ihrer Begrüßung, "spielt das Recht auf politische Beteiligung eine entscheidende Rolle". 1918 sei dieses Recht in Deutschland verankert worden - heute ist es in ganz Europa eine Selbstverständlichkeit. Hinter den Namen der bekannten Wegbereiterinnen stehe eine erfolgreiche soziale Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Doch die unbestreitbaren Fortschritte in der politischen Partizipation täuschen bisweilen darüber hinweg, betonte Fischer, dass Frauen im Deutschen Bundestag auch 2019 noch immer unterrepräsentiert sind. 2017 sei der Frauenanteil mit 30,9 Prozent auf einen Wert von 1998 zurückgefallen. "Auch in zahlreichen anderen Länderparlamenten ist der Frauenanteil rückläufig", sagte sie, und liege bei durchschnittlich einem Drittel. In vielen Ländern weltweit lasse sich zudem ein Rückgang tradierter Rollen- und Familienbilder beobachten. "Was einmal erkämpft wurde, kann auch wieder verloren gehen", betonte die Vorsitzende.

Historisches Datum

Sabine Dittmar ist inzwischen gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, in ihrem Vortrag blickte sie auf die Geschichte und die Entwicklungen des Frauenwahlrechts in Deutschland zurück. Es war ein historisches Datum, der 19. Januar 1919, als Frauen in Deutschland zum ersten Mal an der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung als Wählerinnen und Gewählte teilnehmen konnten. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben damals ihre Stimme ab, 300 Frauen kandidierten, und von insgesamt 423 Abgeordneten zogen 37 Frauen in die Nationalversammlung ein.

Der Durchsetzung des Frauenwahlrechts in Deutschland sei ein langer Kampf der Frauenbewegung seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorausgegangen, betonte Sabine Dittmar. In Deutschland habe sich besonders die SPD gegen viele Vorurteile von Männern und Frauen für das Frauen-Wahlrecht eingesetzt, und obwohl die Wählerinnen damals in der Mehrzahl den konservativen Parteien ihre Stimme gaben, so waren die meisten weiblichen Abgeordneten schließlich in den Reihen der SPD zu finden.

Im Oktober 1918 hatten 58 deutsche Frauenorganisationen in einem gemeinsamen Schreiben an den Reichskanzler Max von Baden gefordert, dem Verlangen der Frauen nach einem Wahlrecht zu entsprechen. In Berlin hatten sich mehrere tausend Menschen versammelt und das sofortige Stimmrecht für die Frauen gefordert. Nach dem Sturz der Monarchie hatte Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die Republik ausgerufen, wenige Tage später stellte er sein Regierungsprogramm vor. Ein wichtiger Teil davon war die Proklamation einer großen Wahlrechtsreform, die auch das Frauenwahlrecht enthielt - wahlberechtigt waren alle Frauen und Männer ab 20 Jahren. Wenige Wochen später, am 30. November 1918, verankerte der Rat der Volksbeauftragten das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung.

Am 19. Februar 1919 hielt die Sozialdemokratin Marie Juchaz als erste Frau eine Rede in der Nationalversammlung und stellte fest: "Meine Herren und Damen! Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen kann. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

Lang anhaltender Applaus der Frauenring-Gäste belohnte Sabine Dittmar, die bereits zum zweiten Mal bei einem Neujahrsempfang des Frauenrings sprach, für ihren eindrucksvollen Rückblick auf die Geschichte des Frauen-Wahlrechts.

Vorsitzende Birgit Fischer wies noch auf eine Fahrt nach Frankfurt hin, die Vorstandsmitglied Barbara Thiele für den Ortsring organisiert hat. Diese Tagesfahrt findet am 19. Januar 2019 statt, also genau 100 Jahre, nachdem Frauen zum ersten Mal wählen und gewählt werden durften. Ziel ist die Sonderausstellung "Damenwahl" im Historischen Museum Frankfurt, Anlass ist das 100. Jubiläum der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland. red

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