"Finde einen Weg" lautete das Motto der Brose Baskets für diese Play-offs - auch in der letzten Partie der Saison fanden die Brose Baskets den richtigen Weg, einem Ulmer Team, das allerhöchsten Respekt verdient, den Sieg noch zu entreißen. Um 16.21 Uhr brachen in der Frankenhölle alle Dämme. Casey Jacobsen hatte Sekunden vor dem Ende den Ball bei Ulms letztem Angriff abgefangen, der 97:95-Sieg und damit das historische dritte Double in Folge, der "threepeat", war perfekt. Die Party konnte beginnen. Jacobsen, Anton Gavel und Brian Roberts, sie alle vollführten Freudentänze, P.J. Tucker sicherte sich den Spielball und gab ihn nicht mehr her. Sekunden später gab es bereits die ersten Bier- und Sektduschen, das Parkett wurde zur spiegelglatten Tanzfläche. Die Spielerfrauen schleppten schnell die Kinder zu den Vätern.

P.J. Tucker, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, nachdem er nach der Hauptrunde noch den zweiten Platz hinter Ulms "Big John" Bryant belegt hatte, herzte seinen erst wenige Monate alten Sohn King, bevor er die Trophäe entgegennahm. "Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Wir sind seit 1. August zusammen und haben so hart gearbeitet. Wir haben den Pokal geholt, die Meisterschaft, das ist einfach fantastisch", schwärmte Bambergs Superstar und bedankte sich gleichzeitig bei seinen Mitspielern: "Ohne sie wäre diese Auszeichnung nie möglich gewesen."


Medaillen für alle


Erst bekam jeder Einzelne seine Goldmedaille um den Hals gehängt, dann stemmte Kapitän Jacobsen den "Pott" in die Höhe. "Dreimal in Folge das Double zu gewinnen, das ist so schwierig, so ungeheuer schwierig. Ich bin so glücklich für die Mannschaft. Ich bin zwar richtig müde, aber jetzt wird gefeiert", freute sich der Führungsspieler, der nun seit 2007 bereits zum vierten Mal in Bamberg die Meisterschaft gefeiert hat. Vor dem Duschen drehte der Kapitän aber noch eine Ehrenrunde und klatschte jeden einzelnen Fan ab. Die jugendlichen Anhänger der Brose Baskets sammelten alles, was sie an Utensilien von den Spielern bekommen konnten. Ein Nachwuchs-Freak präsentierte stolz in seinem Einkaufskorb Schuhe von Tucker, Slaughter und Jenkins. Am Fanstand fanden die neuen Meister-T-Shirts reißenden Absatz.

Nachdem Karsten Tadda auf den Schultern von Tibor Pleiß sitzend traditionell das Netz des Korbes abgeschnitten und es sich um den Hals gehängt hatte, ging's nach einem Interview-Marathon zum Duschen, wobei es P.J. Tucker sichtlich Spaß bereitete, Anton Gavel den Play-off-Bart abzurasieren. In dieser verschworenen Gemeinschaft, die sich anschließend in eine sicher lange Party-Nacht stürzte, stimmt einfach alles.

Die große Fan-Party zum Saisonausklang ist für Donnerstag ab 16 Uhr auf dem Gelände der Landesgartenschau geplant.


Ulm verlangt dem Meister alles ab


Als der Bamberger Kapitän Casey Jacobsen am Sonntag um 16.37 Uhr die Meistertrophäe in Empfang nahm und in die Höhe reckte, bebte die "Frankenhölle". Im ohrenbetäubenden Jubel der Brose-Baskets-Fans dürfte auch ein großes Stück Erleichterung gesteckt haben, denn um ein Haar hätten die Ulmer dem Titelhamster die Party in eigener Halle verdorben. Angeführt vom überragenden Isaiah Swann hatten die "Spatzen" nach den klaren Niederlagen in den ersten beiden Finalspielen zu einem nicht mehr für möglich gehalten Höhenflug angesetzt und brachten den großen Favoriten bei dessen hauchdünnem 97:95 (43:51)-Sieg mächtig ins Wanken. 36 Punkte, davon 8 Dreier, erzielte Swann. Ihrem Flügelspieler hatten es die Schwaben zu verdanken, dass sie an einer Sensation schnuppern durften. "Was meine Mannschaft heute gezeigt hat, war spiegelbildlich für diese Saison. Sie hat über 40 Minuten grandios gekämpft. Dass es nicht zum Sieg gereicht hat, ist schwer zu verdauen", trauerte Ulms Trainer Thorsten Leibenath der großen Chance hinterher.

Allerdings profitierten die Gäste auch davon, dass die Bamberger aus der Distanz erst spät zu ihrer Treffersicherheit fanden. Bis zum Ende des dritten Viertels ließen sich die verwandelten Dreier an den Fingern einer Hand abzählen: vier Treffer bei 20 Versuchen. Und da die Gastgeber zudem die gewohnt intensive Verteidigungsarbeit zeitweilig vermissen ließen, lagen die Ulmer lange Zeit vorne. Beim 60:50 (23. Minute) hatten sie sich sogar eine zweistellige Führung erarbeitet, doch dies schien ein Weckruf für die Hausherren zu sein, die sich jetzt in die Partie hineinbissen und sich auch von einem technischen Foul gegen P.J. Tucker - es war das vierte des späteren MVP - nicht aus der Spur bringen ließen.


Die Dreier fallen erst spät


Der zweite Dreier des starken Peja Suput zum 71: 74 zu Beginn des letzten Viertels läutete die Wende ein. Brian Roberts, Karsten Tadda und Julius Jenkins trafen ebenfalls aus der Distanz - beim 84:81 in der 34. Minute lagen die Bamberger erstmals nach langer Zeit wieder in Führung. Die Ulmer gaben sich aber noch lange nicht geschlagen und hielten die hoch spannende Partie bis zum Schluss offen. Erst als die Gäste nach Anton Gavels vergebenen Freiwurf beim Stand von 97:95 sechs Sekunden vor der Schluss-Sirene ihren letzten Schnellangriff zu überhastet vortrugen und den Ball verloren, war die dramatische Partie zugunsten des alten und neuen Meisters entschieden. "Heute haben uns die Ulmer getestet, aber wir haben einen Weg gefunden", freute sich der Bamberger Trainer Chris Fleming über den letzten Sieg der Saison, bei dem die Brose Baskets einmal mehr das zeigten , was sie stark macht: ihre ausgeglichen besetzte Mannschaft. Sechs Spieler punkteten beim Saisonfinale noch einmal zweistellig.


Die Statistik


Brose Baskets Bamberg — ratiopharm Ulm 97:95
(22:23, 21:28, 25:23, 29:21)
Bamberg Roberts (16 Punkte/3 Dreier), Suput (15/2), Pleiß (14), Tucker (13), Gavel (11/1), Jacobsen (10/2), Slaughter (9), Jenkins (5/1), Tadda (4)
Ulm Swann (36/8), Günther (17/1), Nankivil (13/2), Bryant (8), Esterkamp (7/1), Watts (5), Betz (5), Mason-Griffin (4), Torbert, Wenzl
SR Lottermoser, Krause, Rodriquez
Zuschauer 6800 (ausverk.)
Gesamtwurfquote Bamberg 51 Prozent (34 Treffer/67 Versuche), Ulm 55 (33/60)
Dreierquote Bamberg 32 Prozent (10/31), Ulm 50 (12/24)
Freiwurfquote Bbg. 68 Prozent (19/28), Ulm 90 (17/19)
Rebounds Bamberg 30 (22 defensiv/ 8 offensiv), Ulm 36 (30/6)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 10/11, Ulm 4/18
Assists Bamberg 22/ Ulm 12
Fouls Bamberg 19/ Ulm 27

Mehr Fotos zum dreifachen Doppel-Titelgewinn der Bose Baskets finden Sie hier, hier und hier

Vielen Dank an Radio Bamberg, die uns noch folgendes Video zur Verfügung gestellt haben:

Bamberg schreibt Geschichte - Die Brose Baskets sind dreifacher Double-Gewinner!
3 Pokalsiege und 3 Meisterschaften in Folge!
Wir haben für Euch das Team der Brose Baskets auf Ihrem Weg von der Stechert Arena,
bis hin zur Radio Bamberg Basketballfanmeile auf dem Bamberger Maxplatz begleitet.