Für den einen waren es die fünf besten Jahre in seiner Karriere, für den anderen begann die Laufbahn vor drei Jahren erst so richtig hier in Freak City - und er hat noch viel vor. Die Rede ist vom gerade 35 Jahre alt gewordenen Peja Suput, der als einer der Väter des Erfolgs im Bamberger Basketball gilt, und vom aufstrebenden Tibor Pleiß, der vielleicht schon in ein paar Monaten im Trikot des NBA-Finalisten Oklahoma City Thunder aufläuft. Beide standen am Mittwochabend ein letztes Mal im Rampenlicht in der Vip-Lounge der Stechert-Arena - die Meisterspieler erhielten den gebührenden Abschied, den sie sich mit ihren hervorragenden Leistungen auf dem Parkett verdient hatten.
"Bamberg ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich habe mit Partizan Belgrad zwei Meisterschaften gefeiert, doch das wurde in Bamberg mit drei Meisterschaften und drei Pokalsiegen noch einmal getoppt", blickte Suput, der in Kroatien geboren und während des Krieges, in dem er seine Schwester verloren hat, nach Serbien geflüchtet ist, auf sein Leben zurück. "Er hatte wesentlichen Anteil an unserem Erfolg. Wir sind stolz, dass er hier gespielt hat", lobte Präsident Norbert Sieben in einer bewegenden Rede den "Mann der 1000 Finten". Es war schon beeindruckend, wie der herausragende Techniker seine oft deutlich größeren und athletischeren Gegenspieler in der Zone austanzte. Täuschung rechts, Täuschung links, dann der elegante Korbleger, Peja vernaschte sie alle und hatte danach meist ein Grinsen im Gesicht. Suput war aber auch die launische Diva, die allerdings dann, wenn es darauf ankam, eine Topleistung abrief. Sein bestes Spiel im Brose-Trikot bot er wohl am 26. März 2011 beim Bamberger 97:93-Erfolg in Berlin: 34 Punkte, 5 Dreier, Wurfquote aus dem Feld 11 von 11, 9 Rebounds und der grandiose Effektivitätswert von 40 standen damals für den Alleskönner in der Statistik. Auf 2489 Punkte und 856 Rebounds allein in der Bundesliga brachte es der jetzt 35-Jährige, der meist 26, 27 Minuten auf dem Feld stand. In dieser Saison waren es nur noch 18 - für Suput zu wenig, deshalb sucht er nach einer neuen Herausforderung. Wohin es den sympathischen Serben mit seiner Frau und den drei Buben zieht, ist derzeit noch offen.
Viel von ihm gelernt hat auch Tibor Pleiß, der sich in den letzten drei Jahren in Bamberg hervorragend entwickelt hat. "Ich bin schon traurig, dass er jetzt weit weg geht. Aber er ist hier so gewachsen, dass er den großen Sprung wagen kann", lobte der Präsident den sportlichen Werdegang des 2,15-Meter-Mannes. Aber auch die menschliche Seite schätzt Sieben: "Hätte ich eine Tochter - er wäre der ideale Schwiegersohn." Auch Manager Wolfgang Heyder wünschte dem Talent viel Glück und betonte: "Ich traue ihm den Sprung in die NBA auf jeden Fall zu."
Mit Blick auf die nächste Saison freute sich Heyder, dass man auf einem guten Weg sei, das Budget von knapp acht Millionen Euro weiter zu steigern, nachdem Hauptsponsor Brose ein Signal gegeben habe, seine Unterstützung nach oben zu schrauben. Das sei aber auch nötig, um Akteure wie P.J. Tucker, Anton Gavel und Brian Roberts in Bamberg halten zu können. Der Manager ärgerte sich diesbezüglich aber auch, dass "die Münchner Bayern noch während der Play-offs unsere Spieler angegangen sind. Das ist in dieser Phase der Saison einfach unanständig." Deshalb konnte sich Heyder auch einen kleinen Seitenhieb auf den finanzkräftigen Rivalen nicht verkneifen: "Wir fühlen uns ein bisschen wie Borussia Dortmund. Die eine oder andere Personalentscheidung haben wir mit weniger Geld besser getroffen."
Nach der Erfolgsgeschichte in den letzten drei Jahren wird für Meistertrainer Chris Fleming diese Saison als die Serie in Erinnerung bleiben, in der er eine Mannschaft betreute, "die sich im Lauf der Saison am besten entwickelt und am Ende ihren besten Basketball gespielt hat".
Kapitän Casey Jacobsen bedankte sich bei den Fans, die das Team während der ganzen Saison großartig unterstützt hätten und in den Play-offs ebenfalls zur Höchstform aufgelaufen seien. Der NBA-erfahrene Routinier blickte aber auch schon voraus: "Natürlich wollen wir immer mehr. Aber ich glaube, das wird das schwerste Jahr für uns." Trotzdem ist er zuversichtlich und versprach: "Wir werden uns dieser Herausforderung stellen." Auch wenn mit Peja Suput und Tibor Pleiß dann zwei Säulen des Erfolgs nicht mehr zur Verfügung stehen.