Sogar die Mitspieler gingen in Deckung, zogen die Köpfe ein, duckten sich. Mitte des zweiten Viertels war das, Würzburg führte gegen Hagen, ein Ball flog Richtung Zone, Chester Frazier hinterher. Er verfehlte den Ball knapp. Aus. Was hat er sich geärgert. Frazier schlug die Handflächen aufeinander, ballte die Fäuste und stürmte Richtung Bande. Von hinten sah das so aus, als wollte der 25-Jährige Pointguard der Würzburger geradewegs in die Bande treten. Aber vielleicht erinnerte er sich gerade noch rechtzeitig an Jürgen Klinsmann. Als der Schwabe noch Trainer der Bayern war, da trat er mal in eine Reklametonne, der Fuß steckte dann in dem Fass und er brauchte ewige Sekunden bis er sich wieder befreit hatte. Jedenfalls drehte Chester Frazier ab, fluchte noch kurz, die Mitspieler hinter der Bande konnten durchatmen.

"Ich versuche immer, mit möglichst viel Energie zu starten", sagte Chester Frazier nach dem Spiel. Seine Baskets hatten Phoenix Hagen gerade mit 88:76 geschlagen. Einer der besten: Chester Frazier. Der tauchte irgendwie überall auf, holte zwölf Rebounds und warf 15 Punkte. Nur im ersten Viertel konnten die Gäste einigermaßen dagegen halten. Dann spielten sie die Unterfranken an die Wand. "Es ist schwer für die meisten Spieler, ihren Stil, ihre Gewohnheiten abzulegen", sagte Hagens Trainer Ingo Freyer nach dem Spiel. Er musste mit ansehen, wie die Würzburger schon in der gegnerischen Hälfte anfingen zu verteidigen und Hagen keine Minute verschnaufen ließen.

"System ansagen und locker durch dribbeln geht hier nicht," sagte Freyer.


Denn meistens kommt so ein Chester Frazier dazwischen. Nervig. Der 25-Jährige steht dann tief in der Hocke, die Handflächen wie Schilde nach vorne gedreht. Frazier ist schnell, er ist aggressiv, aber spielt kontrolliert. Gegen Hagen beging er nicht einmal ein Foul. "Wir haben heute als Mannschaft sehr gut verteidigt", sagte der Amerikaner. Wieder ging die Würzburger Taktik auf.
Einmal ganz am Anfang, verlegte Robert Tomaszek einen Ball. Die langen unter dem Hagener Korb streckten sich, vergeblich. Wieder kam von irgendwo dieser Chester Frazier daher, drückte Edward Seward und Adam Constantine zur Seite und traf. "Wir haben es geschafft, dem Gegner unser Tempo aufzuzwingen", sagte Chester Frazier. Trainer John Patrick pflichtete bei: "Wir wollten heute unbedingt gewinnen." Und das ist gelungen.