Ausgerechnet Tomas Pekhart machte den Befreiungsschlag des 1. FC Nürnberg perfekt. Der in den letzten Wochen stark in der Kritik stehende Club-Stürmer beendete seine Torflaute und sorgte mit seinem fünften Saisontor für den wertvollen 2:1 (1:0)-Sieg der Nürnberger gegen den 1. FC Köln, der in den letzten elf Jahren am Karnevals-Wochenende nur einen Sieg feiern durfte und auch am Samstag verkatert den tollen Tagen am Rhein entgegenblickte. Mit diesem Dreier überholten die Hausherren den FC in der Tabelle und rückten auf den zwölften Tabellenplatz vor - sieben Punkte beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz, nachdem die abstiegsbedrohte Konkurrenz fast ausnahmslos leer ausging.

Hecking: noch nichts erreicht


"Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Der Ausgleich der Kölner war sehr ärgerlich, weil wir es nicht geschafft haben, Ruhe in unsere Aktionen zu bringen", freute sich Trainer Dieter Hecking über den verdienten Sieg gegen den Lieblings-Gegner im Easy-Credit-Stadion. Die letzten sieben Heimspiele gegen den FC hatten die Nürnberger gewonnen und schickten den Klub aus der Karnevals-Hochburg erneut mit einer Niederlage nach Hause. "Aber erreicht haben wir noch nichts", warnte Hecking im gleichen Atemzug davor, sich auf Grund des Sprungs in der Tabelle bereits zu sicher zu fühlen. Maßgeblich für diesen Sieg verantwortlich war ein weiterer Akteur, der zuletzt nicht die besten Kritiken bekam und auf der Bank schmoren musste: Alexander Esswein stand am Samstag wieder in der Startformation, beendete nach genau 304 Minuten die offensive Durststrecke der Nürnberger und sorgte mit seinem harten Schuss genau in den Winkel für das 1:0 (28.) der Cluberer. Nach einer Hlousek-Ecke blieb Chandlers Schuss in der vielbeinigen Abwehr der Gäste hängen und verirrte sich zum U-21-Nationalspieler, der den Ball aus 17 Metern unhaltbar für Michael Rensing ins Netz knallte.
Dieser Führungstreffer war der verdiente Lohn für eine kämpferisch starke Leistung der Hausherren-Mannschaft, die im ersten Abschnitt gegen passive Kölner klar das Geschehen beherrschte. "Die ganze Mannschaft hat heute für den Sieg sehr hart gearbeitet. Das war die richtige Antwort auf das Spiel gegen Augsburg. Mich freut es, dass ich der Mannschaft mit einem Tor und einem Assist weiterhelfen konnte. Wir haben hieraus Selbstvertrauen gezogen, arbeiten weiterhin an uns und gehen die nächsten Spiele positiv an", war Esswein die Erleichterung nach dem Schlusspfiff deutlich anzumerken.
Auch der ehemalige Kölner und Club-Neuzugang Hanno Balitsch feierte ein gelungenes Debüt. Er verlieh seiner neuen Mannschaft die erhoffte Stabilität - auch wenn es nach seiner Verletzung noch nicht für 90 Minuten reichte.
Nach der Pause agierten die Gäste vom Rhein mit zwei Stürmern und versuchten, die Nürnberger etwas unter Druck zu setzen. Die Partie wurde jetzt abwechslungsreicher, wobei der FCN weiter die besseren Möglichkeiten besaß. Erst schoss Esswein knapp vorbei, dann scheiterte Jens Hegeler an Rensing. Und prompt wurden die Hausherren für ihre schlechte Chancenauswertung bestraft. Dominik Maroh kam gegen Novakovic zu spät und der FC-Stürmer stocherte den Ball irgendwie über die Linie (66.). Ein reguläres Tor - die Club-Proteste waren überflüssig.
Der FCN wirkte kurzzeitig geschockt, die Aktionen wurden ungenauer. In der 79. Minute musste Torhüter Raphael Schäfer in seinem 400. Bundesliga-Spiel seine Klasse beweisen, um den Schuss von Jajalo zu entschärfen. Fand zuvor von acht Flanken nur eine den eigenen Mann, schlug fünf Minuten vor dem Ende Esswein den Ball sehr präzise in den Strafraum: Pekhart setzte sich im Kopfball-Duell gegen Jeromel durch und setzte den Ball an den Innenpfosten, von wo er ins Netz sprang. "Dieses Tor wird im sicher neues Selbstvertrauen geben", freute sich Hecking über den Treffer des 1,94-Meter-Hünen. In der 90. Minute hätte der Tscheche noch das 3:1 machen müssen, doch sein Schuss landete nur an der Querlatte. Ein Schönheitsfehler, der im Jubel über den wichtigen Sieg unterging.