Mit einer Zielscheibe auf dem Rücken starten die Brose Baskets in die Play-offs - ganz Basketball-Deutschland will verhindern, dass die Bamberger nach zwei Meisterschaften und drei Pokalsiegen in Folge den Double-Hattrick perfekt machen. Nach dem Durchmarsch in der Hauptrunde ist die Mannschaft von Erfolgstrainer Chris Fleming der hohe Favorit auf den Titel, doch Manager Wolfgang Heyder warnt schon vor dem Viertelfinal-Auftakt heute (19.50 Uhr/Sport1 live) gegen die Telekom Baskets Bonn: "Das wird kein Selbstläufer."

Ensminger in Topform


Die Bonner sicherten sich am letzten Samstag mit einem 81:62-Erfolg im "Endspiel" gegen Frankfurt den letzten Play-off-Platz und zeigten dabei im richtigen Moment ihre vielleicht beste Saisonleistung, vor allem in der Verteidigung. Der in Bamberg bestens bekannte Center Chris Ensminger mischte die Skyliners unter dem Korb auf und war mit 23 Punkten und 5 Rebounds der Matchwinner der Riesen vom Rhein. Trotz seiner 38 Jahre ist "Mister Rebound" immer noch der dominierende Mann am Brett und mit 14,8 Punkten und 7,6 Rebounds der effektivste Bonner. "Ense" profitiert vor allem von den Anspielen von Spielmacher Jared Jordan, der mit 8,1 Assists pro Begegnung bester Vorlagengeber der Liga ist.
"Ich bin zum ersten Mal komplett zufrieden. Wir haben uns das beste Spiel der Saison für zuletzt aufgehoben. Wir nehmen jetzt das, was kommt, denn auch für Bamberg gilt: Keine Chance - das gibt es nicht", freute sich Bonns Trainer Mike Koch über die 14. Play-off-Teilnahme der Telekom Baskets in den letzten 16 Jahren.
"Jordan aus der Zone zu halten und das Tempo zu verlangsamen, das sind die Hauptaufgaben, auf die wir uns konzentrieren müssen", nennt Trainer Fleming die Vorgaben an seine Jungs, "denn die Bonner sind in der Lage, ein sehr hohes Tempo zu gehen."

Gavel wieder dabei


Von Vorteil ist dabei sicher, dass Anton Gavel, der wegen einer Erkältung zuletzt beim 102:65-Kantersieg gegen Bayreuth fehlte, wieder an Bord ist und zusammen mit Karsten Tadda alles versuchen wird, Jordan an die Kette zu legen. Ansonsten ändert sich für den Erfolgscoach nicht viel in den Play-offs: "Wir müssen uns darauf konzentrieren, die Sachen, die wir bisher schon ganz gut gemacht haben, zu verfeinern und weiter zu verbessern - so wie in den 34 Spielen zuvor. Wir werden jetzt nicht groß etwas ändern."
Das ist auch nicht nötig, denn die Brose Baskets trafen in dieser Saison schon dreimal auf die Telekom Baskets und behielten in den beiden Hauptrunden-Spielen sowie im Pokalfinale in Bonn jeweils die Oberhand. Der Riesenvorteil des zweimaligen Double-Gewinners ist vor allem die Ausgeglichenheit des Teams. Während bei Bamberg mit Marcus Slaughter, Julius Jenkins, Peja Suput und Karsten Tadda jede Menge starke Spieler von der Bank kommen, sind die Bonner deutlich dünner besetzt. Hinter Ensminger, Jordan (11,0 Punkte), Benas Veikalas (13,4), Tony Gaffney (12,8), dem besten Wurfblocker der Liga, Talor Battle (11,9) und Simonas Serapinas (9,7) klafft doch eine große Lücke.

Chris Fleming warnt


Dennoch ist der Spitzenreiter weit davon entfernt, den Tabellenachten zu unterschätzen: "Wir sind bisher sehr gut damit gefahren, jeden Gegner ernst zu nehmen und von Spiel zu Spiel zu denken. Play-off-Partien werden am Ende oft durch eine oder zwei Aktionen entschieden. Das haben wir in der letzten Saison gesehen", warnt Fleming vor Überheblichkeit.

Standpunkt
Freak city ist gerüsetet


Auch wenn's so gar nicht ins Konzept der Liga-Verantwortlichen vom Basketball in den Metropolen passt: Freak City, das verrückte 70 000-Einwohner-Städtchen aus Oberfranken, wird alles in die Waagschale werfen, seinen Titel als Basketball-Hauptstadt zu verteidigen. Die aufmüpfigen Franken fiebern der fünften Jahreszeit entgegen und wollen spätestens am 17. Juni mit dem Double-Hattrick ein weiteres Stück Basketball-Geschichte schreiben. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, werden die Metropolen aus Berlin und München, die trotz eines zumindest vergleichbaren Spieler-Etats in dieser Saison so manche Enttäuschung verdauen mussten, das Nachsehen haben.
Für Bamberg spricht neben einer bärenstarken Mannschaft auch das verrückte Umfeld: Die "Rote Wand" stärkt Tucker, Gavel, Pleiß und Co. den Rücken, damit sie sich auch in der neuen Saison auf Euroleague-Leckerbissen gegen die Topteams des Kontinents freuen können.
Die Mannschaft von Chris Fleming war mit über 3000 Punkten die beste Offensiv-Mannschaft der Liga, fertigte die Konkurrenz reihenweise ab, legte mit einer knallharten Verteidigung den Grundstein für ihr attraktives Spiel. Doch in den Play-offs geht es wieder bei Null los - für das Vergangene gibt's keine Punkte. Und wie eng es werden kann, zeigte die letzte Saison, als sich sowohl die Artland Dragons als auch die Berliner erst nach fünf hart umkämpften Partien geschlagen gaben. Letztlich scheiterten aber alle an Bambergs Heimstärke: Die Frankenhölle ist eine uneinnehmbare Festung, und das wird auch in den heißesten Monaten des Jahres so bleiben.


Überblick


Brose Baskets Bamberg - Telekom Baskets Bonn
(Donnerstag, 19.50 Uhr, Stechert-Arena, Sport1 live)
Bamberg Gavel, Jacobsen, Jenkins, Neumann, Pleiß,
Richter, Roberts, Schmidt, Slaughter, Suput, Tadda,
Tucker
Bonn Battle, Ensminger, Gaffney, Hain, Jordan, Koch, Mangold, Serapinas, Thülig, Wohlfarth-Bottermann

Die Spiele in dieser Saison
Bonn - Bamberg 81:94,
Bamberg - Bonn 97:66,
Pokalfinale: Bonn - Bamberg 73:82

Die weiteren Spiele in der Serie (best-of-five): 9. Mai (19.30 Uhr) in Bonn, 12. Mai (20.15 Uhr) in Bamberg;
falls erforderlich 15. Mai in Bonn, 17. Mai in Bamberg

Ferner spielen im Viertelfinale Ulm - Braunschweig (Samstag), Berlin - Würzburg (Sonntag, 18 Uhr/Sport1 live), Quakenbrück - München (Samstag)