Die Kapuze seiner Trainingsjacke weit ins Gesicht gezogen, Kopfhörer auf den Ohren, nicht rechts und nicht links blickend verließ Marcus Slaughter wortlos den Audi Dome. 23 Punkte, 8 Rebounds, 4 geblockte Würfe, 3 Ballgewinne und 2 Assists standen in der Statistik des 2,04-Meter-Centers. Der 27-Jährige war der effektivste Spieler der Brose Baskets, der sich mit seinem Gegenüber Jared Homan (21 Punkte, 7 Rebounds, 2 Blocks, 2 Assists) packende Duelle geliefert hatte, aber dennoch niedergeschlagen. "Wir haben ein großes Spiel verloren und ich muss die Schuld für die Niederlage bei mir suchen", twitterte Slaughter gewohnt selbstkritisch auf der Heimfahrt. Der Grund für die Enttäuschung bei Bambergs tragischem Helden war seine Freiwurfausbeute: Nachdem er meist nur mit Fouls zu bremsen war, stand er 17-mal an der Linie, traf aber nur 7-mal und schoss zehn Fahrkarten. Aber nicht nur Slaughter schwächelte an der Freiwurflinie, auch die sonst so treffsicheren Tibor Pleiß und Anton Gavel ließen wichtige Punkte liegen. 15 Fehlwürfe, eine unterirdische Trefferquote von 48 Prozent (aus dem Feld trafen die Bamberger sogar 53 Prozent) - in einer hart umkämpften Partie, die nach zwei Verlängerungen mit 103:107 verloren ging, war das entscheidend. Ganz anders die Bayern, die sich bei einer Quote von 85 Prozent (29 von 34) kaum einmal eine Blöße an der Freiwurflinie gegeben hatten.
"Es ist sicherlich ärgerlich, und das war das Entscheidende, dass wir unsere Freiwürfe nicht getroffen haben. Wenn du 15 Freiwürfe vergibst, dann verlierst du so ein Spiel, das am Ende wirklich sehr eng war. Mir tut es vor allem für Marcus Slaughter leid, weil er eine fantastische Verteidigungsleistung gebracht hat. Er war der Turm in der Schlacht, hat hervorragend Pick-and-Roll verteidigt, hat aber leider Gottes seine Freiwürfe nicht getroffen", resümierte Bambergs Manager Wolfgang Heyder.
Auch Anton Gavel (17 Punkte), der wie immer verbissen kämpfte, ärgerte sich über die unnötige Pleite: "Wir hätten den Sack zumachen sollen, in der regulären Spielzeit und auch zu Beginn der ersten Verlängerung ist uns das nicht gelungen. Deshalb haben wir verloren. Für die Bayern ist es wahrscheinlich ein großer Sieg, für uns ist es einfach nur eine Niederlage. Wir sind Erster, wir gehen als Spitzenreiter in die Play-offs, das ist das Wichtigste."

Hamann feiert mit Schweinsteiger


Ganz anders war natürlich die Gemütslage von Steffen Hamann. Der Ex-Bamberger feierte nach Spielende mit Fußballstar Bastian Schweinsteiger. Er hatte bei den Bayern die Fäden (8 Assists) gezogen, schied aber im letzten Viertel mit fünf Fouls aus und musste von der Bank mitfiebern. "Vor allem hier im Audi Dome sind wir noch mal einen Tick stärker als auswärts. Mit den Fans im Rücken und mit der Leidenschaft, mit der wir gespielt haben, ist ein richtig gutes Basketballspiel rausgekommen. Ich glaube, es gibt keinen verdienten Sieger, aber wir haben das Spiel schon an den Brettern dominiert. Und es tut natürlich auch mal gut, gegen Bamberg zu gewinnen", so der Aufbauspieler.

Jenkins: stark zurückkommen


Julius Jenkins, der nach seiner Knöchelverletung immer besser in Tritt kommt und mit 22 Punkten Bambergs zweitbester Werfer war, blickte schon voraus. "Das war heute schon Play-off-Atmosphäre. Es war ein gutes Spiel, auch wenn wir es nicht gewonnen haben. Jetzt heißt es, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wir schlecht gemacht haben. Wir müssen stark zurückkommen und werden uns gut auf Alba vorbereiten. Wir werden bereit sein", kündigte der Scharfschütze vor dem nächsten Topspiel am kommenden Sonntag (14.30 Uhr) in der Frankenhölle gegen seinen Ex-Klub Alba Berlin an.


Ulmer Leibenath und Bryant vor den Bambergern Fleming und Tucker


In der Bundesliga und im Pokal hatten die Brose Baskets die Nase gegenüber den Ulmern vorn, doch bei den wichtigsten Auszeichnungen, die in der Basketball-Bundesliga vergeben werden, dominieren zwei Akteure des Überraschungsteams, das derzeit hinter Bamberg und Alba Berlin Rang drei belegt. Center John Bryant von ratiopharm Ulm ist der "Most Valuable Player" der Bundesliga-Hauptrunde. Die Cheftrainer und Kapitäne der 18 Basketball-Bundesligisten sowie Medienvertreter kürten den 24-jährigen Center zum wertvollsten Spieler. Der 2,11 Meter große Amerikaner führt nicht nur das Effektivitäts-Ranking der Liga an, sondern ist zudem bester Rebounder mit einem Schnitt von 9,4 pro Spiel. Bryant erhielt 131 Punkte. Bambergs Topwerfer und Rebounder P.J. Tucker wurde mit 83 Punkten bedacht. Rang drei geht an den "Best Offensive Player", DaShaun Wood von Alba Berlin (53).

John Patrick auf Rang drei


Der Erfolg des Überraschungsteams dieser Saison spiegelt sich auch in der Kür zum besten Trainer wider. Dabei wurde Ulms Coach Thorsten Leibenath gewählt. Der 37-Jährige setzte sich nach einem lange Zeit spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den Vorjahres-Sieger Chris Fleming (Brose Baskets) durch. Für Leibenath standen 146 Punkte zu Buche, für Fleming 128. Auf dem dritten Platz landete John Patrick (Würzburg/51).
Zwei Bamberger und zwei Ulmer stehen in der Startformation, die ebenfalls gewählt wurde: Neben Tucker wurde auch noch Brose-Kapitän Casey Jacobsen berufen. Für die Schwaben rückte neben Bryant Isaiah Swann in die beste Anfangsformation, die durch Wood komplettiert wird.
Auch in der zweiten Fünf sind die Bamberger doppelt vertreten: Es wurden die Leistungen von Anton Gavel, der bereits als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet wurde, und Center Tibor Pleiß gewürdigt. Der Bonner Jared Jordan, Berlins Bryce Taylor und der Power Forward der Münchner Bayern, Chevon Troutman, wurden ebenfalls ausgezeichnet.