Tiere

Mehr Platz für Nürnberger Delfine

In einer Woche wird in Nürnberg die neue Delfinlagune eröffnet. Die Tiere gewöhnen sich gerade an ihre größere Umgebung. Die Kritik an der Delfinhaltung reißt nicht ab.
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Moby, einer der vier Delfine, gewöhnt sich gerade an die neue Umgebung. Foto: Helmut Mägdefrau/Tiergarten Nürnberg dpa
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Die Delfinhaltung im Nürnberger Tiergarten soll sich durch den Neubau einer Meerwasser-Lagune verbessern. Tiergartendirektor Encke muss in letzter Zeit viel Kritik einstecken. Dafür sorgt vor allem die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS (Whale & Dolphin Conservation Society), die das Ende der Delfinhaltung fordert.
Die vier Delfine, Große Tümmler, bekommen von dem Ärger nichts mit. Seit einer Woche gewöhnen sich die Tiere an die neue Freianlage, die eingebettet in die Natur ist.
Auch die Seelöwen sind schon umgezogen. Die Tiere sind zurzeit etwas empfindlich. Sie müssen sich erst eingewöhnen. Sie können zwischen dem Delfinarium und der Lagune hin- und herschwimmen. Die Lagune öffnet am 30. Juli.
"Wir wissen nicht, ob sie bei der Eröffnung schon die komplette Lagune nutzen", sagt Encke.

"Wir haben ein wahnsinniges Knowhow. Das darf man aus fachlicher Sicht nicht aufgeben", ist eine von Enckes Antworten auf die Frage nach Berechtigung und Zweck der Delfinhaltung.

Natürlich ist sie auch gut für die Vermarktung. "Die Delfine sind unser Alleinstellungsmerkmal", sagt der Direktor.

Doch obwohl die Delfine in ihrer Freianlage mehr Platz haben und man sich nicht mehr so beklommen fühlt wie im Delfinarium, bleibt die Frage: Muss das sein?

Besucher ertragen den Tiger im Gehege besser als den Delfin im Becken. "Ich sehe da kaum einen Unterschied", sagt Encke. "Außer dass die Leute begeistert sind, weil der Tiger im Grünen läuft."

Aber sind die Leute nicht auch begeistert von den Delfinen? Doch. "Deshalb hat der Tiergarten drei Jahre gebaut und 24 Millionen Euro investiert", bekräftigt Encke.

Zwar gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die bisherige Delfinhaltung nicht ausreichend war. "Die Tiere hatten keine Stresssymptome." Aber sie haben jahrelang auch keinen Nachwuchs durchgebracht.

Für den Tod der Jungtiere machen die Verantwortlichen zwei Gründe aus.

Fehlendes soziale Lernen:
Bisher wurden die Delfine für Geburt und Aufzucht voneinander getrennt, konnten das Elterndasein also nicht voneinander abschauen.
Der andere Grund für den Tod der Jungdelfine sei ein schwaches Immunsystem:
Wenn man die Kälber antibiotisch versorge, stiegen die Überlebensraten um bis zu 80 Prozent hoch. Antibiotisch versorgen? "Sie müssen Wildtiere managen, wenn Sie sie in Zoos halten wollen", erwidert Encke. "Wir müssen sie impfen. Wir müssen darauf reagieren, dass die Tiere nicht in der ihrem angeborenen Immunsystem entsprechenden Umwelt leben. Wenn wir diese Methode nicht akzeptieren wollen, müssen wir die Tierhaltung aufgeben. Ganz generell."
Genau das wäre der Wunsch der internationalen Tierschutzorganisation WDCS, die die Haltung von Wildtieren und speziell von Delfinen scharf kritisiert.

Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland, zitiert zur Begründung die Zoorichtlinie der EU. "Sie besagt, ein Tiergarten muss dem Wildtier ermöglichen, seine Bedürfnisse zu befriedigen." Das sei bei Delfinen von Sozialstruktur und Verhaltensansprüchen her unmöglich.

Details zum Ausgang des Prozesses WDCS gegen den Tiergarten und weitere Informationen zur Delfinlagune erfahren Sie in unserer gedruckten Samstagsausgabe.
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