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Gesundheit

Krankenstand in Franken am höchsten

Im Norden des Freistaats sind die Arbeitnehmer öfter krank als in Ober- und Niederbayern. Als Ursache nennen die Experten eine Vielzahl von Faktoren. Stress am Arbeitsplatz und eine hohe Ärztedichte gehören dazu.
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Die Entwicklung ist eindeutig – seit 2007 nimmt die Zahl der Fehltage bei den Arbeitnehmern auf Bundesebene wieder zu. Das erklären sowohl die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) als auch die Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK) übereinstimmend. Speziell in Bayern verfestigt sich ein weiterer Trend:

Den höchsten Krankenstand in Bayern verzeichnen die Franken.
Zwar operieren die jeweiligen Kassen abhängig von ihren Mitgliedern mit verschiedenen Zahlen, das Ergebnis ist jedem Fall das gleiche – die meisten Fehltage gibt es in Franken, die wenigsten in Oberbayern. So zählen die AOK-Direktionen jährlich in Franken im Schnitt rund 16,3 Tage krankheitsbedingte Fehlzeiten, in Ober- und Niederbayern sind es jeweils nur 14,5 Tage.
Dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK für den Regierungsbezirk Oberfranken ist zu entnehmen, dass es die deutlichsten Steigerungen bei den Erkrankungen des Verdauungssystems gab. Auch die Zahl der Kreislaufbeschwerden und psychischen Erkrankungen nahm kontinuierlich zu.
Stress am Arbeitsplatz

Chronischen Stress am Arbeitsplatz macht Dieter Weinig von der DAK als ernsthaften Risikofaktor für die Zunahme psychischer Erkrankungen aus. In Bayern würden hochgerechnet rund 130.000 Arbeitnehmer regelmäßig Medikamente einnehmen, um den Stress am Arbeitsplatz besser bewältigen zu können. Während Männer ihr Leistungspotenzial frisierten, würden Frauen eher ihre Stimmung aufpolieren, erklärt Weinig.
Speziell Oberfranken betroffen

Der Direktor der AOK in Bamberg, Peter Weber, verfolgt schon seit Jahren das Phänomen des vergleichsweise hohen Krankenstands in Franken und hier ganz speziell in Oberfranken. Signifikant hoch sei der Krankenstand schon immer in den Bereichen Coburg und Bamberg gewesen, während sich die Zahlen im Raum Hof und Wunsiedel eher im bayernweiten Schnitt hielten. Das belegten auch die jüngsten Zahlen. Während bayernweit im Schnitt die Arbeitnehmer Fehltage je Kalendertage in Höhe von 4,2 Prozent aufwiesen, seien es im Raum Bamberg 4,6 Prozent und im Raum Coburg gar 4,8 Prozent.
Warum das so ist, versucht natürlich auch Peter Weber zu ergründen. Allein schon deshalb, weil die Fehltage Kosten verursachen. Und weil die Situation in Unter- und Mittelfranken absolut vergleichbar ist. Ob in Nürnberg, Würzburg oder Schweinfurt, der Bayernschnitt wird überall übertroffen. Eine Ausnahme macht nur Aschaffenburg, das mit seinen Zahlen auf gesamtbayerischem Niveau liegt.
Nach Webers Erfahrungswerten liegt es zum einen an der Ärztedichte, ob die Zahl der Fehltage hoch oder niedrig ist. Genauso wichtig seien jedoch auch Faktoren wie Bildungsniveau der Bevölkerung, Einkommensverhältnisse, Arbeitslosigkeit oder die Arbeitsmarktlage. Gerate beispielsweise ein Unternehmen in die Insolvenz, würden sich die Arbeitnehmer oft zunächst einmal krank melden, so Weber. Und in Bamberg gebe es im Vergleich zu Hof eine ungleich größere Ärzteschaft.
Verschärfung befürchtet

Die fränkischen Zahlen sind noch am ehesten mit denen auf Bundesebene vergleichbar. Was wiederum Webers These unterstützt, dass Regionen mit blühender Wirtschaft am wenigsten Fehltage zu verzeichnen haben. Deshalb stellten sich die Oberbayern im Vergleich mit Franken auch deutlich besser. Diese unterschiedliche Entwicklung von Nord und Süd im Freistaat dürfte sich nach dem Quelle-Debakel 2009 noch verschärfen.


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