Gute Nachrichten für die Bürger in Ober- und in Unterfranken: Hier kann man im landesweiten Vergleich am sichersten leben. Wie der Bamberger Generalstaatsanwalt Clemens Lückemann in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, sei die Kriminalitätsbelastung in diesem Teil Frankens deutlich rückläufig. Was die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche angeht, steht Lückemann auf dem Standpunkt, dass die Staatsanwaltschaften die berufenen Stellen sind, um über den Vorwurf von Straftaten zu befinden. Was Verjährungsfristen angeht, weist er darauf hin, dass eine Verlängerung der Fristen die Schwere einer solchen Tat deutlicher machen würde.

Herr Lückemann, wie hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zahl der Ermittlungsverfahren entwickelt?
Clemens Lückemann: Die Zahl der Verfahren ist im Jahr 2009 deutlich zurückgegangen. Das heißt, die Kriminalitätsbelastung in Ober- und Unterfranken ist rückläufig. Diese beiden Regierungsbezirke sind damit die sichersten in ganz Bayern.

Hat so etwas unmittelbare Auswirkungen auf die Bürger?
Natürlich. Das wirkt sich positiv auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus. Die Häufigkeit der Straftaten ist bei uns am niedrigsten, dafür ist das Risiko für den Täter, entdeckt zu werden, am höchsten. Beides ist wichtig.

Stichwort Missbrauch in der katholischen Kirche. Wo sieht die Staatsanwaltschaft hier ihre Rolle?
Wir gehen hier von zwei Fragen aus: Was ist in der Vergangenheit geschehen? Und wie gehen wir in Zukunft mit dieser Thematik um? Die meisten bis jetzt bekannt gewordenen Fälle sind in der Tat verjährt. Und vielfach sind die Beschuldigten bereits verstorben. Gegen Verstorbene wird kein Ermittlungsverfahren mehr geführt. In solchen Fällen müssen Missbrauchsvorwürfe offen bleiben. Bei Verjährungsfragen gilt es zu differenzieren nach der Schwere des Vorwurfs. Hier muss also zunächst einmal ermittelt werden, um den Straftatbestand auch zuordnen zu können. Wenn feststeht, dass Verjährung eingetreten ist, sind für uns die Ermittlungen beendet.

In einem konkreten Fall in Bamberg erfuhr die Staatsanwaltschaft aus der Zeitung von einem Missbrauchsvorwurf. Die Kirche prüfte hier zunächst intern. Ist das eine für Sie zufriedenstellende Situa-tion?
Aufgrund der internen Regelung aus dem Jahr 2002 sind die Funktionsträger der Kirche sicher sensibler geworden. Sie kooperieren mit den Staatsanwaltschaften. Eine reine Nichtanzeige begangener Straftaten ist selber nicht strafbar. Aber die Staatsanwaltschaft ist die berufene Stelle, den Vorwurf von Straftaten zu klären. Ich kann deshalb nur appellieren, bekannt gewordene mögliche Straftaten auch zu melden. Das bezieht sich generell nicht nur auf kirchliche Einrichtungen, sondern in gleicher Weise auf Familien, Schulen oder Sportvereine.

Aus dem kirchlichen Verhalten in früheren Fällen rührt ja auch der Vorwurf der Vertuschung. Wie bewerten Sie das strafrechtlich?
Strafbar ist natürlich Strafvereitelung, das heißt, wenn jemand irgendwelche Verschleierungshandlungen unternimmt. Das wäre zum Beispiel auch dann der Fall, wenn man auf den Geschädigten Druck ausüben würde. Aber solche Fälle haben wir bislang nicht festgestellt.

Viele Missbrauchsopfer melden sich oft erst nach vielen Jahren. Wäre es da nicht sinnvoll, die Verjährungsfristen zu verlängern?
Ich möchte an Opfer solcher Straftaten appellieren, sich möglichst rasch an uns zu wenden, damit wir tätig werden können. Es stellt sich ja auch die Frage der Nachweisbarkeit. Das wird schwerer, je länger eine Tat zurückliegt. Für eine Verlängerung der Verjährungsfrist spricht, dass der Gesetzgeber damit klar macht, wie schwer er solche Straftaten einschätzt.

Wie sollte eine Staatsanwaltschaft bei solchen Taten, die schon zehn oder 20 Jahre zurückliegen eigentlich vorgehen?
Wie in jedem anderen Fall einer Straftat auch. Die Ermittlung muss sich auf den Einzelfall beziehen. Es gibt immer wieder Beispiele dafür, dass Gewaltstraftaten selbst noch nach 20 oder 30 Jahren aufgeklärt werden können.

Das Interview führten unsere Redaktionsmitglieder Armin Maus und Klaus Angerstein.