Der 21-Jährige hatte nach den Worten des Vorsitzenden Richters Dr. Matthias Göbhardt zwischen 2007 und 2009 mehrfach vier Kinder im Alter von elf bis 13 Jahren dazu bewegt, sich zu entkleiden, anschließend Videos zum Eigengebrauch angefertigt und mehrfach auch Hand an die Kinder angelegt. Der 21-Jährige ist zu einer dreijährigen Jugendhaftstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte die meisten Missbrauchsfälle als Jugendlicher begangen hatte.

Mehr als 20 Verfehlungen


Diese Verfehlungen - mehr als 20 an der Zahl - hätten sich mit einer Ausnahme alle im erweiterten familiären Umfeld des Angeklagten zugetragen, sagte Göbhardt. Durch den altersmäßigen Unterschied und seine körperliche Überlegenheit sei es dem Angeklagten gelungen, so auf die Kinder einzuwirken, dass sie sich entkleideten. Teilweise habe der junge Mann dabei Videos aufgenommen, "um sich selbst damit später zu erregen." Zum Beischlaf sei es nicht gekommen, betonte der Vorsitzende Richter, sehr wohl aber zu sexuellen Manipulationen in Form des "mehrfachen Eindringens mit dem Finger."

Hausdurchsuchung


Die vielen Missbrauchsfälle waren erst ans Tageslicht gekommen, nachdem sich ein missbrauchtes Kind, das nicht aus dem erweiterten Bereich der Familie des Angeklagten stammte, seinen Eltern anvertraut hatte. Daraufhin habe es eine Hausdurchsuchung bei dem Beschuldigten gegeben. Gefunden worden seien dabei unter anderem Videos. Im Verlaufe dieser Ermittlungen kam nun auch ans Tageslicht, dass der Heranwachsende zuvor bereits im familiären Umkreis mehrere Kinder missbraucht hatte. "Der junge Mann räumte den Sachverhalt in vollem Umfang ein", betonte Richter Göbhardt.

Kinderpornos gefunden


Auf dem Computer des Heranwachsenden hätten sich außerdem kinderpornografische Aufnahmen befunden, die dieser aus dem Internet herunter geladen habe. Der Angeklagte selbst habe indes keinerlei Online-Veröffentlichungen der von ihm gemachten Videos vorgenommen, sondern die Clips gedreht, "um sich damit später zu erregen und zu befriedigen".

Zeugin nicht glaubhaft


Ein weiterer, gravierender Tatvorwurf war von vorneherein vehement von dem Angeklagten bestritten worden. In diesem Zusammenhang habe die Glaubhaftigkeit einer Zeugin in Zweifel gestanden. Der nicht näher vom Richter bezeichnete Tatvorwurf sei nach Vorlage des Ergebnisses eines psychologischen und psychotherapeutischen Tests fallen gelassen worden. "Die Glaubhaftigkeit der Zeugin war nicht gegeben."

Voll geständig


Göbhardt bezeichnete den Angeklagten als voll geständig. Der junge Mann habe außerdem seine Schuld eingesehen und nicht zuletzt Reue gezeigt. Es handle sich um einen sehr introvertierten Menschen - einer, der seine tatsächliche Einstellung in punkto Sexualität bislang noch nicht gefunden habe und das Problem immer wieder verdränge. "Vor gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen oder -genossen hat er in diesem Zusammenhang offenbar Scheu."

Traumatisierte Opfer


Auf Grund der Tatsache, dass der Beschuldigte voll geständig gewesen sei, sei es den missbrauchten Kindern erspart geblieben, in den Zeugenstand gerufen zu werden. Bei missbrauchten Kindern seien Spätschäden aufgetreten. Diese offenbarten sich laut Gericht dergestalt, dass sie sich zurück gezogen hätten und auch in Form von Angst, alleine irgendwohin zu gehen. Matthias Göbhardt sprach von einer erheblichen Traumatisierung der Opfer. Eine Bewährungsstrafe mit Therapieauflage hätte durchaus im Bereich des Möglichen gelegen, verdeutlichte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte sei begutachtet worden. Ihm sei danach klar gewesen, dass bei ihm therapeutischer Handlungsbedarf bestehe. "Eigentlich hätte er genug Zeit dafür gehabt", sagte Matthias Göbhardt. Aber: "Der junge Mann hat zu wenig Therapie-Nachhaltigkeit an den Tag gelegt."

Rechtsmittel sind noch möglich


Dies und die gravierenden Folgen für die missbrauchten Kinder hätten letztlich zu dem Strafmaß geführt, das von dem mit einem berufsmäßigen Richter und zwei Ehrenamtlichen besetzten Schöffengericht verhängt worden ist. Gegen diese Entscheidung können von dem 21-jährigen Studenten oder seinem Verteidiger noch Rechtsmittel eingelegt werden.