Frankfurt/Main

Sicherheitskonzept: Fans kritisieren auch DFL-Anträge

Trotz der jüngsten Fanproteste treibt die Deutsche Fußball Liga die Verabschiedung des umstrittenen Sicherheitskonzeptes vehement voran - und stößt dabei weiter auf hartnäckigen Widerstand.
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Einlasskontrolle
Die DFL hat die Anträge für die Mitgliederversammlung zum Thema Sicherheit veröffentlicht. Foto: Tobias Kleinschmidt

Der Ligaverband der 36 Proficlubs veröffentlichte am Donnerstag die Anträge für die Mitgliederversammlung im Internet. Der Inhalt wurde prompt von Fanorganisationen kritisiert. Bei einem erneuten Sicherheitsgipfel an diesem Montag in Hannover wollen Spitzenfunktionäre wie Wolfgang Niersbach und Reinhard Rauball erneut für das umstrittene Papier «Sicheres Stadionerlebnis» trommeln.

Mit 16 Anträgen auf 37 Seiten soll das Konzept umgesetzt werden. Die DFL will darüber wie geplant bei der Mitgliederversammlung am 12. Dezember in Frankfurt/Main abstimmen lassen. Einige Clubs haben vorgeschlagen, diesen Tagesordnungspunkt auf das erste Quartal 2013 zu verschieben. Hannovers Präsident Martin Kind hatte angeregt: «Wir sollten den Dialog weiter führen und den 12. Dezember als Entscheidungstag noch mal überdenken.»

Auch die Fanorganisationen «Unsere Kurve» und «Pro Fans» plädieren dafür. «Das ist alles zu schwammig und lässt noch zu viel Spielraum», sagte Ben Praße als Sprecher von «Unsere Kurve» der Nachrichtenagentur dpa. «Ich hoffe, dass die Vereine die Anträge ablehnen, dann hat man mehr Zeit. Das ist alles viel zu knapp.» Philipp Markhardt von «Pro Fans» sagte: «Dieses Sicherheitspapier ist ein Schritt in die falsche Richtung.»

Die Veröffentlichung der Anträge soll «zu einer weiteren Versachlichung der Diskussion beitragen», so die DFL. Erst am Dienstag und Mittwoch hatten Anhänger in den Erst- und Zweitligastadien mit einer beeindruckenden Schweigeaktion über 12 Minuten und 12 Sekunden - in Anlehnung an den 12.12. - gegen das Konzept protestiert.

Spitzenvertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) kommen am Montag mit den Innenministern Uwe Schünemann und Ralf Jäger zusammen. «Das erklärte Ziel des Treffens ist es, den Dialog mit der Politik fortzusetzen und die Standpunkte des Fußballs noch einmal klar zu hinterlegen», sagte DFB-Präsident Niersbach. Ligapräsident Rauball stellte vor der Zusammenkunft noch einmal klar, dass Stehplätze in den Arenen nicht «verhandelbar» sind. «Wir werden dabei nicht über die Abschaffung von Stehplätzen reden. Stehplätze gehören in Deutschland zur Fußball-Kultur», sagte er. Parallel dazu veranstaltet die Deutsche Bahn ebenfalls am Montag einen «Fußballfan-Gipfel» in Frankfurt/Main.

Umstrittene Punkte im Konzept «Sicheres Stadion» sind vor allem die Anträge 8, 11 und 14. Bei Spielen mit erhöhtem Risiko, so die DFL, ist die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen zu erwägen. Zuvor heißt es, dass Ligaverband und Deutscher Fußball-Bund (DFB) zu keinem Zeitpunkt «statuarische Vorgaben für die Durchführung sogenannter Vollkontrollen» vorgeschlagen haben. Die Entscheidung, in welchem Umfang Fans an den Stadioneingängen durchsucht haben, obliege wie bisher dem Heimverein. Für die Fanvertreter ist damit klar, dass Vollkontrollen nicht kategorisch ausgeschlossen sind. Zumal in dem Antrag steht, dass Kontrolleinrichtungen so beschaffen sein müssen, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können. Da fürchten Kritiker, dass diese öfter in Zelten stattfinden wie kürzlich beim Bundesliga-Spiel FC Bayern - Eintracht Frankfurt.

Zudem sei die mögliche Reduzierung des Ticket-Gästekontingents ein «No go», so Praße. Normalerweise stehen den Auswärtsfans wie bisher zehn Prozent der Karten zu. Künftig sollen diese um die Hälfte reduziert werden können, wenn das DFB-Sportgericht nach Zwischenfällen ein entsprechendes Urteil fällt - oder bei «einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko». Für Gegner des Sicherheitskonzepts ist diese eine «Kollektivstrafe», zudem sehen sie sich dem Wohlwollen des Heimclubs ausgeliefert.

«Ziel dieser Anträge soll sein, dass die Möglichkeiten zur Täter-Ermittlung verbessert werden, damit Kollektivstrafen zukünftig reduziert werden, und dass vereinzelte sicherheitsrelevante Defizite verursachungsgerecht beseitigt sowie finanziert werden», heißt es dagegen in einer DFL-Mitteilung. Die Dachorganisation betonte, dass Änderungs-und Ergänzungsanträge jederzeit und noch in der Sitzung selbst gestellt werden könnten.



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