Als die Verantwortlichen seines Geburtslandes Angola ihn vor zwei Jahren im Rheinland für ihr Nationalteam entdeckten, war der dynamische Linksfuß sofort Feuer und Flamme. «Für Angola den Afrika-Cup zu spielen, ist wie für einen Deutschen bei der EM antreten zu dürfen. Es ist ein Traum», schwärmt «Joe», wie ihn die Mitspieler rufen. «Wann kann ich schon einmal gegen Drogba und Co. antreten, das ist schon einmalig», betont er voller Vorfreude.

Vunguidica ist beim Afrika-Cup der einzige von 14 Deutschland-Legionären, der nicht in der 1. oder 2. Bundesliga spielt. Angola ist bei dem Turnier vom 21. Januar bis 12. Februar in Äquatorialguinea und Gabun nur Außenseiter. Erst auf den letzten Drücker qualifizierte sich die «Palanca Negra» (Riesen-Rappenantilope), wie die Nationalelf des WM-Teilnehmers von 2006 in Anlehnung an Angolas Wappentier genannt wird. Burkina Faso (62. der FIFA-Weltrangliste), Sudan (113.) und die Elfenbeinküste (16.) sind die Vorrundengegner in der Gruppe B. «Unser Vorteil ist, dass wir erst im letzten Spiel auf die Elfenbeinküste mit Drogba, Kalou und Traore treffen», meint Vunguidica. Er denkt positiv, das Viertelfinale sei ein realistisches Ziel. «Danach ist alles möglich.»

Geboren wurde Vunguidica in Angolas Hauptstadt Luanda. Seine Eltern flüchteten, als er zwei Jahre alt war. Neuwied, zwischen Bonn und Koblenz gelegen, wurde seine neue Heimat, der VfL Oberbieber seine erste Fußballadresse. Mit 15 Jahren verließ er das Elternhaus und wechselte zum 1. FC Köln. Seit sieben Jahren ist die Domstadt sein Lebensmittelpunkt, er selbst bezeichnet sich als «kölsche Jong».

Anfang 2011 wurde er zu Kickers Offenbach ausgeliehen, seit Saisonbeginn dann an Preußen Münster, um Spielpraxis zu sammeln. Kölns Ex-Chefcoach Frank Schaefer beobachtet Vunguidica regelmäßig. Der Deutsch-Angolaner gilt weiter als Perspektivspieler, der das Zeug zum Bundesliga-Profi hat. Und das Kraftpaket will es packen und sich in der nächsten Saison beim FC durchsetzen. Allerdings heißt der Konkurrent auf seiner Lieblingsposition Lukas Podolski.

Auch in Angolas Nationalelf muss er sich zunächst hinten anstellen. «Der Trainer wird wohl am System festhalten, ich werde erstmal draußen sein», sagte Vunguidica vor dem Abflug nach Malabo, der Hauptstadt von Äquatorialguinea. Hier bestreitet Angola sein Auftaktmatch am Sonntag gegen Burkina Faso. Djalma vom FC Porto ist im linken Mittelfeld gesetzt. In den letzten Testpartien gegen Nigeria (0:0) und gegen Sierra Leone (3:1) bestritt Vunguidica zwar seine Länderspiele zehn und elf, aber am dort geschonten Djalma kommt er nicht vorbei. Doch er will den Etablierten den Kampf ansagen: «Ich fühle mich nach Angola hingezogen, aber ich besitze auch klassische europäische Eigenschaften», sagt der Wanderer zwischen den Fußballwelten.

Seit der WM-Teilnahme in Deutschland und der Ausrichtung des Afrika-Cups 2010 haben sich die Rahmenbedingungen in Angola verbessert. Hinter Basketball ist Fußball die Nummer zwei in dem südwestafrikanischen Staat. Im Stützpunkt Benguela bereitete sich das Team von Trainer Lito Vidigal vor. Und Vunguidica hofft, dass sich die Mühen nun auszahlen. «Ich werde mich dem Trainer empfehlen. Und wenn es nicht reicht, werde ich eben in bester Verfassung vom Afrika-Cup wieder heimkommen und bei den Preußen angreifen.»

Die Sieger Fußball-Afrika-Cup seit 1957

Jahr Sieger
1957 Ägypten
1959 Ägypten
1962 Äthiopien
1963 Ghana
1965 Ghana
1968 Kongo
1970 Sudan
1972 Kongo-Brazzaville
1974 Zaire
1976 Marokko
1978 Ghana
1980 Nigeria
1982 Ghana
1984 Kamerun
1986 Ägypten
1988 Kamerun
1990 Algerien
1992 Elfenbeinküste
1994 Nigeria
1996 Südafrika
1998 Ägypten
2000 Kamerun
2002 Kamerun
2004 Tunesien
2006 Ägypten
2008 Ägypten
2010 Ägypten