Für Franz Beckenbauer ist zumindest eines klar: «Er ist der beste Spieler der Welt im Moment, das steht außer Frage», sagte der «Kaiser» am Montagabend nach der feierlichen Zeremonie der großen internationalen Fußball-Familie in Zürich über den frisch gekrönten Weltfußballer.

Das Ergebnis der Wahl war überwältigend. Mit 47,88 Prozent der Stimmen hatte sich der kleine Künstler vom Champions-League-Sieger FC Barcelona gegen Cristiano Ronaldo von Real Madrid (21,60) und seinen Vereinskollegen Xavi (9,23) durchgesetzt. «Messi landet einen goldenen Hattrick», schrieb die spanische Zeitung «El Mundo Deportivo». Als erster Spieler sicherte er sich zum dritten Mal nacheinander die begehrteste Einzel-Trophäe für einen Fußballer.

Und der 24-Jährige wird sich wohl auch in den kommenden Jahren noch das eine oder andere Mal mit Krawatte und Samtanzug verkleiden und auf das Podium einer Veranstaltungshalle klettern müssen, um aus den Händen einer Fußball-Größe vergangener Tage den Goldenen Ball als bester Spieler der Welt entgegenzunehmen.

Diesmal durfte der mollige Brasilianer Ronaldo dem zarten Messi die Trophäe überreichen. «Es ist eine große Ehre», sagte der 1,69 Meter kleine argentinische Nationalspieler pflichtschuldig. Doch auch er weiß, was ihm zur Vollendung noch fehlt. «Ich würde gern mit Argentinien den einen oder anderen Titel gewinnen. Vielleicht gelingt es mir ja noch», sagte Messi und fügte selbstkritisch an: «Ich möchte dort auf dem gleichen Niveau spielen wie im Club.» Das ist ihm bislang noch nicht gelungen. In Erinnerung sind die enttäuschende WM 2010 und das frühe Scheitern bei der Copa America 2011.

«Vielleicht ist er auch der beste Spieler aller Zeiten», sagte Beckenbauer, «aber um das zu wissen, müssen wir noch ein bisschen warten. In einigen Jahren werden wir sehen, ob er die Nummer eins ist.» Die Gala in Zürich war kaum beendet, die weiteren Preisträger Josep Guardiola (FC Barcelona/Trainer des Jahres), Weltmeisterin Homare Sawa (Japan/Weltfußballerin 2011) und Weltmeister-Coach Norio Sasaki (Trainer des Jahres im Frauenfußball) gekürt, als wieder die Diskussion begann, ob Messi nun der Beste der Historie ist.

«Er spielt in der Kategorie von Leuten wie Alfredo di Stefano, Diego Maradona, Johann Cruyff und Pelé», attestierte Manchesters Trainerlegende Sir Alex Ferguson. Messi gewann mit Barça im vergangenen Jahr in einem atemberaubenden Finale gegen Manchester United die Champions League und führte seinen Club zur spanischen Meisterschaft. Im Dezember 2011 sicherte er sich mit den Katalanen auch die Trophäe bei der Club-Weltmeisterschaft in Japan.

Im Nationalteam aber wusste Messi bislang noch nicht so zu glänzen wie im Barcelona-Trikot. Ein Titel mit Argentinien fehlt ihm. «Messi wird immer einzigartig sein, ob er nun den WM-Titel holt oder nicht, Cruyff wird auch ohne WM-Titel einzigartig bleiben, aber wenn du Weltmeister wirst, ist das noch einmal etwas Anderes», sagte UEFA-Präsident Michel Platini. «Schauen Sie sich Diego Maradona an. Jeder erinnert sich an das, was er 1986 geschafft hat, aber wer weiß schon noch, was er mit Neapel oder Barcelona erreicht hat? Es ist noch immer der WM-Titel, der am meisten im Gedächtnis bleibt.»

Und was er von den generationenübergreifenden Spielchen hält, brachte der Franzose auf seine Art auf den Punkt: «Diese Vergleiche gibt es nur im Fußball. Die Leute vergleichen doch auch nicht die Beatles oder U2 mit Edith Piaf. Einmal hieß es, di Stefano sei der Beste, dann war es Pelé, dann Maradona. Jetzt ist es eben Messi.»