«Das war wirklich ein traumhafter Abend», schwärmte Innenverteidiger Mario Eggimann nach dem hochverdienten 4:0 (2:0) gegen Standard Lüttich. «Das war ein Super-Spiel und eine Super-Stimmung.» Die Anhänger des Clubs feierten lange und ausgiebig den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte.

Nach dem 2:2 im Hinspiel bot die Elf von Trainer Mirko Slomka im Stile einer Spitzenmannschaft einen rauschenden Europapokal-Abend. «Dass wir hier 4:0 gewinnen, das hätten wir selber nicht erwartet», gab Eggimann zu. Vor 43 000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena erzielten Mohammed Abdellaoue (4. Minute), Lüttichs Unglücksrabe Kanu (21./73.) zweimal per Eigentor und Sergio Pinto in der Nachspielzeit (90.+3) die Treffer. In zwölf Spielen der Europa League hat Hannover nur ein einziges Spiel verloren.

«Jetzt kann jeder kommen», sagte Kapitän Steven Cherundolo zum nächsten Gegner. Die Viertelfinals werden am folgenden Tag am Sitz der Europäischen Fußball-Union in Nyon ausgelost und finden am 29. März und 5. April statt. Die Hannoveraner dürfen so oder so stolz sein, denn bei der zuvor einzigen Europacup-Teilnahme 1992/93 war Hannover in der ersten Runde ausgeschieden.

«Wir waren fußballerisch klar überlegen», kommentierte Jan Schlaudraff. «Wir haben ein ganz starkes Spiel gemacht - jeder einzelne auf dem Platz», lobte Trainer Slomka. «Wir haben unheimlichen Druck gemacht.» Der Plan war, «den Widerstand frühzeitg zu brechen, das ist uns gut gelungen.» Die Partie war mit beiden frühen Toren im Grunde vorzeitig entschieden, spätestens nach der Gelb-Roten Karte für Lüttichs Serge Gakpe(58.) gab es keine Zweifel mehr am klaren Sieg der Gastgeber.

«Am Ende war es vielleicht ein bisschen zu hoch, aber absolut verdient», sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke am Tag vor seinem 48. Geburtstag. Er lobte die «fantastischen Zuschauer» und dass die «Mannschaft das ganz ruhig durchgespielt hat».

Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Busunglücks in der Schweiz bestimmten die Niedersachsen vom Anpfiff an das Geschehen. Angetrieben von den euphorischen Fans setzten die Gastgeber auch ohne den verletzten Torjäger Mame Diouf den Gegner aus Belgien früh unter Druck. Eine Hereingabe des wieder genesenen Schlaudraff klatschte Lüttich-Schlussmann Sinan Bolat nach vorne ab. Abdellaoue nutzte den Fehler aus. Auch beim 2:0 sah die Hintermannschaft der Gäste nicht gut aus. Sergio Pinto trat den Ball scharf in den Strafraum, wo Kanu mit dem Schienbein ins eigene Tor traf.

Mit dynamischem und druckvollem Spiel gelang den 96ern ein Traumstart in die Partie. Vor allem der zuletzt fehlende Schlaudraff belebte das Angriffsspiel des Bundesliga-Siebten. Allerdings hatte Hannover in der ersten Hälfte doppelt Glück: Lüttich-Kapitän Jelle van Damme traf nach einem Patzer von 96-Torwart Ron-Robert Zieler per Kopf den Pfosten, beim Abpraller kam Kanu ins Straucheln und nicht an den Ball (22.). Nach der Pause legten die Niedersachsen vor den Augen von Ex-Bundespräsident Christian Wulff nach. 17 Minuten vor Schluss wurde Kanu zum zweiten Mal angeschossen - und in der Nachspielzeit krönte der starke Pinto seine Leistung mit dem 4:0.