«Als Spieler war ich nicht so gerne hier, das ist eine unglaubliche Atmosphäre», sagte Balakow bei seiner Vorstellung als neuer Trainer der Pfälzer auf dem Betzenberg. «Ich bin der Meinung, dass ich die Möglichkeit finden werde, dass wir gemeinsam aus dieser Situation rauskommen. Wir dürfen den Kopf nicht verlieren.»

Der 45-Jährige erhält als Nachfolger des am Dienstag entlassenen Marco Kurz einen Vertrag bis zum 30. Juni 2013 - der auch für die 2. Liga gilt. «Wenn das Schlimmste passiert, dann bin ich da für einen neuen Aufbau. Ich hoffe, dass diese Variante nicht kommt», sagte Balakow. Der frühere Ballzauberer des VfB Stuttgart hatte am Mittwochabend noch Hajduk Split beim 3:0-Sieg gegen Rijeka in der kroatischen Liga betreut und nachts um 02.15 Uhr bei einer Pressekonferenz seinen Abschied verkündet.

«Ich möchte betonen, dass wir keine, gar keine Ablöse bezahlen mussten an Hajduk Split», sagte FCK-Vorstandschef Stefan Kuntz. Balakow habe für die wirtschaftlichen Zwänge der Lauterer sehr viel Verständnis gehabt. Bei Split habe es zudem finanzielle Unregelmäßigkeiten bei Balakows Bezahlung gegeben, was dieser bestätigte. «Wir sind überzeugt, dass er uns maßgeblich beim Kampf um den Klassenerhalt und darüber hinaus helfen kann. Auch im Falle des Abstiegs würde er mit uns das Ziel direkter Wiederaufstieg angehen», sagte Kuntz.

Balakow, der seinen Landsmann Ilia Gruev als Assistent mitbringt, hat nur zwei Tage Zeit, die zuletzt hilflos wirkende Mannschaft wieder aufzurichten. Beim SC Freiburg steht das «Endspiel» (Kapitän Christian Tiffert) im Abstiegskampf an. Fünf Punkte liegen die Südbadener bereits vor dem FCK. «In so einer Situation muss man optimistisch sein», sagte der neue Chefcoach. «Die Spieler haben noch nicht das gezeigt, was sie können. Aber ich weiß, wie schwer es ist, locker aufzuspielen, wenn man im Abstiegskampf steckt.» Er werde versuchen, die Mannschaft psychologisch aufzubauen.

Nach Ansicht von Kunz ist Balakow «extremst gut informiert nicht nur über die Bundesliga, sondern auch über die Mannschaft». Der 92-fache Nationalspieler arbeitete nach seinem Karriereende 2003 für zwei Jahre als Assistent von Felix Magath und Matthias Sammer beim VfB Stuttgart, zog dann in die Schweiz (Grasshoppers Zürich und FC St. Gallen), in seine Heimat (FC Burgos) und weiter nach Split.

«Bala ist ein hervorragender Trainer. Er ist fachlich top, sehr konsequent, geht seinen Weg», sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic im Sportmagazin «Kicker». «Er kennt die Bundesliga, weil er den Kontakt nie verloren hat.» Mit Bobic und Giovane Elber bildete Balakow einst beim VfB Stuttgart das «magische Dreieck».

Für FCK-Boss Kuntz ist der Trainerwechsel die «letzte Patrone» im Existenzkampf des viermaligen deutsche Meisters, der zuletzt beim 1:4 gegen den FC Schalke eine desolate Leistung bot. Die Verpflichtung Balakows ist eine überraschende und auch heikle Entscheidung von Kuntz: Der Europameister von 1996 hatte schon bei den Spielertransfers im vergangenen Sommer und in der Winterpause weitgehend danebengegriffen und die Talfahrt mitzuverantworten.