Dinkelsbühl
Tradition

Dieser Franke schrieb "Ihr Kinderlein kommet"

Dem Mann, der hinter dem Weihnachtsklassiker steht, ist bis Februar eine Ausstellung gewidmet.
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Eine Partitur des Weihnachtsliedes "Ihr Kinderlein kommet" von Christoph von Schmid im Haus der Geschichte in Dinkelsbühl.  Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine Partitur des Weihnachtsliedes "Ihr Kinderlein kommet" von Christoph von Schmid im Haus der Geschichte in Dinkelsbühl. Foto: Daniel Karmann/dpa
Kartoffelsalat und Würstchen sind an Heiligabend halbwegs verdaut. Da greift Opa zur Geige, das Enkelkind zur Flöte. Vor der Bescherung ist einträchtiges weihnachtliches Musizieren angesagt. Omas kräftige Stimme intoniert die traditionelle Weise "Ihr Kinderlein kommet" - so wie es zum Fest in Hunderttausenden Familien guter Brauch ist. Dass hinter dem Weihnachtslied der einst hoch angesehene fränkische Schriftsteller, Lehrer und Seelsorger Christoph von Schmid (1768-1854) steckt, dürfte dagegen nur wenigen bekannt sein.

Das will von Schmids Geburtsstadt Dinkelsbühl nun ändern. Bis Februar dreht sich eine Ausstellung im örtlichen Haus der Geschichte um den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautor seiner Zeit. Mit der neuen Schau über den berühmten Sohn der Stadt mit knapp 12 000 Einwohnern ist Dinkelsbühl ins Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag gestartet. "Das Lied ist sein Geschenk an die Familien und an die Kinder dieser Welt", sagt die Leiterin des Hauses der Geschichte, Ingrid Metzner. "Gerade jetzt zu dieser Zeit wird "Ihr Kinderlein kommet" landauf, landab und rund um den Globus gesungen."

In den Vitrinen stehen Bücher und Erinnerungsstücke. Viele Schriften für Kinder und Jugendliche hat von Schmid in seinem - für die damalige Zeit - langen Leben von 86 Jahren verfasst. "Das war ein wirklich hohes Alter für die damalige Zeit", erläutert Metzner. "Vielleicht liegt es auch an seiner Schwester Franziska, die lange Zeit sein Haus führte. Sie hat schon gut auf ihren Bruder aufgepasst." Große Texttafeln an den Wänden informieren über seine Stationen. "Er war ein Weltstar", stellt Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) fest. Übersetzungen von Schmids Werken in zahlreiche Sprachen sind ein Beleg dafür. Möbel und ein Schachbrett auf einem Tischchen stammen aus der Zeit des Schriftstellers und Seelsorgers.

Ein Weihnachtsbaum in dem kleinen Raum ist natürlich Pflicht. "Der unterscheidet sich doch sehr von dem, was wir heute kennen. Es gab zum Beispiel noch keine Kerzen, weil es von der Befestigung her einfach nicht möglich war", erklärt Metzner. "Eingefärbte Nüsse, Bildgebäck und kleine Spiegel, die das Kerzenlicht reflektieren, hingen damals am Baum. Weihnachten als inniges Familienfest kam zu dieser Zeit erst auf. Das Bürgertum im Zuge der Französischen Revolution prägte das Leben."

Eine Statue von Christoph von Schmid thront auf dem Platz vor dem gewaltigen Münster in der Altstadt. Seine Hand liegt auf dem Arm eines Buben, der links von ihm steht. Auf seinem Schoß liegt ein Buch, zwischen den Seiten stecken Schmids Finger. Ein Mädchen rechts blickt bewundernd zu dem Mann im Priestergewand auf. Doch im Moment versperrt ein Bauzaun den Blick auf die Statue. Arbeiter tauschen gerade Bodenplatten vor dem Denkmal aus - damit im kommenden Jahr auch alles perfekt ist für den 250. Geburtstag.

Von Schmid stammte aus einer Beamtenfamilie, war das älteste von neun Kindern. Das orangefarbene Geburtshaus mit wuchtigem Holzgiebel steht noch heute in der Klostergasse. 1783 wechselte er ans Gymnasium im schwäbischen Dillingen. An der dortigen bischöflichen Universität studierte er Philosophie und Theologie. 1791 empfing er die Priesterweihe und begann als Pfarrvikar im heutigen Mindelheimer Stadtteil Nassenbeuren (Landkreis Unterallgäu) zu arbeiten. Hier entstand vermutlich sein berühmtes Weihnachtsgedicht "Die Kinder bey der Krippe", heute bekannt als "Ihr Kinderlein kommet". Die heute gesungene Melodie stammt laut Metzner von dem deutschen Komponisten Johann Abraham Peter Schulz.

Im Alter von 28 Jahren wurde von Schmid Schuldirektor im schwäbischen Thannhausen (Landkreis Günzburg). Kurz war er Pfarrer in Oberstadion bei Ulm und übernahm 1827 das Amt des Domkapitulars in Augsburg. Später wurde er Verwalter des Schulwesens in Schwaben und Neuburg. Der bayerische König Ludwig I. erhob ihn 1837 in den Adelsstand. Am 3. September 1854 fiel er in Augsburg der Cholera zum Opfer.

Heute passt die weihnachtliche Kulisse Dinkelsbühls perfekt zum Gedenken an den Mann, der vor mehr als 200 Jahren eines der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder gedichtet hat. Die Stadt und Weihnachten scheinen wie gemacht füreinander: malerische Plätze, verwinkelte Gassen, viele historische Türme und bunte Fachwerkhäuser - leicht eingezuckert mit Schnee - locken jedes Jahr rund 70 000 Besucher auf den Weihnachtsmarkt.


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