Windshofen
inFranken-trifft-Serie (6)

Die Geschichte des kostenlosen Wassers

Das mittelfränkische Dorf Windshofen bringt uns auf die Spur einer besonderen Wasserversorgung.
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Heinz Blank steht über den beiden Bassins, über die sein Heimatort Windshofen mit Quellwasser versorgt wurde. Fotos: Ronald Rinklef
Heinz Blank steht über den beiden Bassins, über die sein Heimatort Windshofen mit Quellwasser versorgt wurde. Fotos: Ronald Rinklef
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Jajaja, die Reporter gehen dorthin, wo der Pfeil in der Karte landet, und wenn einer beim Spicken Urlaub hat, dann werfen die Kollegen den Dart. Aber wohin, Kollegen? Wohin schickt ihr uns denn nur? Darüber sinnieren Ronald Rinklef, der Fotograf, und ich, die Reporterin Natalie Schalk, während der Fahrt. Einer Fahrt, die auch ohne mehrere Baustellen und kleine Staus echt lange gedauert hätte. Ach, Kollegen, ist das überhaupt noch Franken?

Gerade noch Franken

Windshofen liegt in Mittelfranken 15 Kilometer von Baden-Württemberg entfernt. Ein Nest im Landkreis Ansbach, 23 Häuser, nicht einmal 100 Einwohner - und in der Mittagshitze wie ausgestorben. Als wir Heinz Blank in seiner Werkstatt aufstöbern, erfahren wir vom Leitungswasser, das in Windshofen lange Zeit nichts kostete. "Bei manchen kam die Verwandtschaft aus Ansbach immer zum Autowaschen nach Windshofen", erzählt der Rentner.

Blank repariert Motorsägen, Rasenmäher und Kleingeräte, in den 1970er Jahren hat er ein Nebengewerbe angemeldet. "Ich weiß gar nicht, wie ich's jetzt reduzieren soll. So kleine Reparaturen übernimmt heute ja keiner mehr - ich könnte immer mehr machen." Aber der 73-Jährige lässt sich nicht stressen. Er sperrt seine Werkstatt ab und nimmt uns mit auf die Spur des kostenlosen Wassers.

"Früher hatten die Leute Hausbrunnen", erzählt er im Auto. "In den 50ern haben wir unsere Wasserleitung bekommen. Die Leute aus dem Dorf haben sie selbst gegraben - nicht mit Maschinen, mit der Hand!" Er führt uns zu einer Stelle im Wald: Hinter einem Gartenzaun sind eine Betonplatte und drei große Steine zu sehen. "Die markieren die drei Wasserquellen." Bis 2013 wurden darüber drei Ortschaften versorgt. "Das war alles so ausnivelliert, dass es ohne Pumpen funktioniert hat."

Wirtshausideen

Die Idee sei vom Regner-Josef gekommen. Ein Ingenieur? "Nee. Der Ortssprecher. Vielleicht ist im Wirtshaus das Gespräch 'mal drauf gekommen und dann hat er sich informiert. Er ist ein Bauer gewesen, wie die meisten." Vier Milchbauern hat der Ort heute noch. Das Wirtshaus ist schon lange geschlossen, genau wie der Tante-Emma-Laden. Aber als die Wasserleitung eingeweiht wurde, gab's sogar noch eine Schule. "Ich war zehn Jahre alt, erinnere mich aber gut an das große Fest im Schulhaus." Neben der eingezäunten Fläche plätschert ein Bach. Bei zu hohem Pegelstand lief das Quellwasser in den Überlauf. "Da drüben ist der Staatswald. Das war mein Arbeitsplatz. Ich war Forstwirt." Wir blicken vom Gemeindewald aus hinüber - irgendwo dort ist die Stelle, an der laut Satellitendaten unser Pfeil eingeschlagen ist. Da waren wir zuerst. Dass sich hier ein Wassernetz verbirgt, hatten wir nicht geahnt. Auf dem Weg zurück zum Auto zeigt Heinz Blank hinauf zu einem Hügel: "Das Wasser hat's mechanisch dort raufgedrückt. Da sind die beiden großen Becken."

Kilometerlange Leitung

Wir fahren hin. Mitten im dürren Gras liegt der Edelstahl der Einstiegsluken. Blank zeigt über Wiesen und Felder in Richtung Dorf. Bestimmt 2,5 Kilometer Leitung seien verlegt worden. Rohre aus Gusseisen, fünf oder sechs Meter lang. "Die wurden zusammengeschraubt." Knochenarbeit. Zwei Jahre lang arbeiteten die Dorfbewohner an ihrem Wassersystem. "Die mussten zwei Meter tief graben - je nachdem, wie es vom Gefälle her nötig war." Die Materialkosten hatten die Gemeinden übernommen, dafür und für die Instandhaltung sei eine Gebühr erhoben worden. "Aber wir haben nicht viel bezahlt."

Es gab einen Fischteich, viele Kühe und die Verwandten aus Ansbach, die zum Autowaschen kamen. "Das Wasser ging nie aus, aber irgendwann war's knapp. Da hat man Wasseruhren eingebaut." Von da an habe es wieder gereicht. Für alle kleinen Probleme habe es Lösungen gegeben. Trotzdem wurde der Ort vor fünf Jahren an die Fernwasserleitung angeschlossen.

In der Gemeindeverwaltung Aurach, zu der das Dorf gehört, heißt es, die Leitungen waren zu alt, das Wasser oft belastet. Nun müsse viel seltener kontrolliert werden. "Das zu erhalten - das wäre nicht so einfach gewesen." Blank kennt die Argumente. Trotzdem bedauert er, dass kein Quellwasser mehr aus der Leitung fließt. Weil's besser geschmeckt hat. Und weil's eine dieser schönen Geschichten ist, die in Frankens Dörfern schlummern. Ach Kollegen, was habt Ihr gut gespickert!

Am Dienstag besucht Irmtraud Fenn-Nebel Grafendobrach.



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