Gera

Leila (9) getötet: Verteidiger fordert Freispruch für Oma und Tante

Am Sonntag jährt sich der gewaltsame Tod der Leila in Jena zum zweiten Mal. Nach weit mehr als 50 Verhandlungstagen sind nun die Plädoyers abgeschlossen.
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Im Prozess um sexuellen Missbrauch und Totschlag der neunjährigen Leila verdecken die drei Angeklagten im Landgericht in Gera (Thüringen) ihre Gesichter und stehen bzw. sitzen neben den Anwälten. Der Haupt-Angeklagte (6.v.r.) soll das Kind sexuell missbraucht und durch Tritte in den Bauch tödlich verletzt haben. Tante und Großmutter sollen laut Anklage die Misshandlungen nicht verhindert haben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Im Prozess um sexuellen Missbrauch und Totschlag der neunjährigen Leila verdecken die drei Angeklagten im Landgericht in Gera (Thüringen) ihre Gesichter und stehen bzw. sitzen neben den Anwälten. Der Haupt-Angeklagte (6.v.r.) soll das Kind sexuell missbraucht und durch Tritte in den Bauch tödlich verletzt haben. Tante und Großmutter sollen laut Anklage die Misshandlungen nicht verhindert haben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Knapp zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod der neunjährigen Leila haben die Verteidiger ihrer Oma und ihrer Tante Freisprüche für die Frauen gefordert. Die Oma habe Leila während ihrer Zeit in Jena nur selten gesehen - und dann sei diese meist mit langen Sachen bekleidet gewesen, argumentierte Rechtsanwalt Axel Kaufmann am Dienstag vor dem Landgericht Gera. Deswegen seien ihr die Blutergüsse nicht aufgefallen. Außerdem seien etliche der von der Rechtsmedizin dokumentierten rund 170 Verletzungen sehr frisch gewesen. In den Plädoyers gab es erneut scharfe Kritik an der Arbeit der Jenaer Ermittler.

Die Schülerin aus Bayern hatte 2014 ihre Sommerferien bei den Verwandten in Jena verbracht. Nach einem massiven Tritt in den Bauch war ihre Bauchspeicheldrüse gerissen, so dass sie innerlich verblutete und am 4.
September starb.

Hauptangeklagter ist der damalige Lebensgefährte von Leilas Tante, der das Mädchen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in den Wochen zuvor auch sexuell missbraucht haben soll. Das bestreitet er. Anklage und Nebenklage fordern für ihn neun und elf Jahre Haft; seine Verteidiger haben auf fünf Jahre wegen Körperverletzung mit Todesfolge plädiert.

Leilas Oma und Tante sind mit angeklagt. In ihrer Obhut stand das Mädchen, aber sie sollen ihm nicht geholfen haben. Staatsanwalt Jens Wörmann hat deswegen beantragt, sie wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung durch Unterlassen zu verurteilen. Für die Tante hatte er eine Bewährungs-, für die Oma eine Geldstrafe beantragt; die Nebenklage hatte höhere Strafen gefordert.

Die Jenaer Kriminalpolizei habe in diesem Fall grundsätzliche Dinge missachtet, die in jedem Polizeilehrbuch stünden, sagte Rechtsanwalt Jan Pinkes, der Leilas Tante vertritt, in seinem Plädoyer. So wurde in dem Prozess etwa darum gestritten, ob Daten aus den Handys der beiden Frauen überhaupt verwendet werden dürfen, weil sie von den Ermittlern zunächst als Zeugen und nicht als Verdächtige geführt und belehrt worden waren. Außerdem waren Akten des Landeskriminalamtes zu dem Fall erst im Laufe des Prozesses aufgetaucht. Zuletzt war ein Slip - wichtiges Beweisstück zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs - verschwunden. Pinkes: "Diese Art der Sachbearbeitung lässt einen zum Anhänger von Verschwörungstheorien werden."

"Unsäglich", nannte auch Rechtsanwalt Kaufmann die Arbeit der Ermittler. Sie hätten etwa den Sachverständigen zu enge Vorgaben gemacht und versucht, dem zuständigen Staatsanwalt vorzuschreiben, was er zu tun habe. Kaufmann sprach von einem "problembehafteten Haufen von Ermittlungsakten", aus denen im Gerichtsprozess nicht viel herauszuholen gewesen sei. Deswegen habe das Verfahren auch weit über 50 Verhandlungstage gedauert.

Dem Schwurgericht liegen nun noch mehrere Anträge von Nebenklage und Verteidigung vor, über die vor einem Urteil zu entscheiden ist. Der Prozess soll am 9. September fortgesetzt werden.

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