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Vegan wird interessanter

Immer mehr Fleischesser probieren auch mal vegane Kost. Ein Trend, der sich auf der am Mittwoch startenden Biofach in Nürnberg zeigt. Die Zahl der Aussteller mit veganen Produkten im Sortiment ist gestiegen. Zugleich bietet die Branche zunehmend Lebensmittel an, die frei von Allergenen sind.
Foto: Litzlfelder
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Für Michael Radau sind vegan und genussvoll längst kein Widerspruch mehr. Der Handelsexperte und Vorstandsvorsitzende der Kette SuperBioMarkt steht am Neuheitenstand der Messe Biofach in Nürnberg und zeigt auf ein Glas. "Lupi Love - Zwiebel-Knobi" steht auf dem Etikett des Herstellers Zwergenwiese. Ein Brotaufstrich aus heimischen Süßlupinen, vegan - also ohne tierische Zutaten.

"Das ist ein richtig relevantes Thema", sagt Radau. Vor drei Jahren hätte ich es zum Beispiel nicht für möglich gehalten, dass der Wursthersteller Rügenwalder Mühle einmal mit veganer Wurst experimentiert. Laut eigenen Angaben will der niedersächsische Großbetrieb künftig 30 Prozent seines Umsatzes mit vegetarischen Produkten machen.

Die Nachfrage nach veganen Produkten ist gestiegen. Was nicht unbedingt heißen muss, dass es immer mehr Veganer gibt. "Die Konsumenten achten verstärkt darauf, sich gesünder zu ernähren. Viele Menschen probieren einfach mal so vegane Produkte aus", berichtet Radau. Schließlich gebe es leckere und interessante Alternativen in diesem Segment.

Auf dem Nürnberger Messegelände ist den veganen Lebensmitteln erstmals eine eigene Sonderfläche gewidmet. 730 Aussteller auf der Weltleitmesse für biologische Lebensmittel haben inzwischen vegane Produkte im Angebot. "Das ist ein deutliches Plus", sagt Petra Wolf, Mitglied der Nürnberg-Messe-Geschäftsleitung. Im vergangenen Jahr hätten 542 Hersteller vegane Angebote gezeigt. Auch bei der Naturkosmetik, der gleichzeitig auf dem Messegelände stattfindenden Messe Vivaness, liege vegan im Trend, berichtet Wolf.


"Free From"

Doch auf der Biofach mit ihren 2348 Ausstellern aus aller Welt ist noch ein weiterer Trend zu spüren. "Free From", nennt sich das spezielle Angebot. Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die frei sind von bestimmten Bestandteilen wie Gluten, Laktose oder Ei. Immer mehr Menschen leiden unter Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten - und die Hersteller reagieren darauf. Das geht von veganer Mayonnaise, die der Hersteller "Emils Bio-Manufaktur" als hunderprozentig zusatzstofffrei anpreist, bis hin zum Macadamia- oder Cashewdrink - für Menschen, die selbst Soja nicht vertragen.

Freilich dreht sich auf der Bio fach längst nicht alles nur um Unverträglichkeiten oder Lebensmittel ohne tierische Inhaltsstoffe. Im Trend liegen unter anderem auch exotische Zutaten - etwa Smoothie-Mischungen mit der indisch-afrikanischen Moringa-Pflanze.


"Stabile Entwicklung"

Laut Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) wuchs der Bio-Markt in Deutschland 2014 etwas weniger stark als im Vorjahr. Dennoch gaben die deutschen Haushalte 4,8 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Der Umsatz der Branche betrug demnach 7,91 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,55 Milliarden Euro). "Eine stabile Entwicklung, die seit Jahrzehnten anhält", sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Es gebe immer mehr Betriebe, die auf ökologische Landwirtschaft umstellten, als solche, die wieder zurück auf konventionelle Produktion gingen. Problematisch ist laut Löwenstein aber die Schere zwischen Angebot und Nachfrage. Denn die private Nachfrage in Deutschland wachse seit Jahren stärker, als die Produktion Schritt halten könne. Es müsse importiert werden. "Das ist nicht so gut", sagt Löwenstein. "Denn die Verbraucher wollen, dass die Waren in ihrer Region erzeugt werden."

Das bestätigt Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN). "Regionalität ist bei der Kaufentscheidung wichtiger als Bio." Der Markt für Naturkost liege aber weit über den Wachstumsraten des Lebensmitteleinzelhandels.

Für das Umsatzwachstum im Bio-Segment hätten im vergangenen Jahr neben dem Naturkosthandel auch die Vollsortimenter überdurchschnittlich beigetragen, berichtet AMI-Bereichsleiter Hans-Christoph Behr. Sie hätten den Umsatzrückgang bei den Discountern aufgefangen. "Die Umsatzzahlen der Discounter sind allgemein zurückgegangen. Dadurch betreibt zum Beispiel Aldi Süd eine Sortimentsbereinigung und hat einige Bioprodukte wieder aus den Regalen genommen", sagt Behr.


Großer Markt, wenig Fläche

Auch global wachse der Markt für Bioprodukte, berichtet Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Den größten Markt böten die USA, gefolgt von Deutschland. Geht es dagegen um den Bioanteil an der Landwirtschaftsfläche, so findet sich Deutschland laut Willer nicht unter den ersten Zehn. Spitzenreiter seien hier die Falklandinseln (36,3 Prozent) vor Liechtenstein (31 Prozent) und Österreich (19,5 Prozent). Weltgrößter Bio-Produzent ist Indien, gefolgt von Uganda und Mexiko.

Die Fachmesse Biofach, die heute beginnt, dauert bis zum Samstag. Die Veranstalter erwarten mehr als 42.000 Besucher.


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