Studie

Kaufkraft: Wunsiedel ist besser als München

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat die Einkommen in Deutschland verglichen und sie erstmals in Relation zur Kaufkraft gesetzt. München schneidet schlechter ab als Wunsiedel. Am ärmsten sind der Studie nach die Bewohner Nürnbergs.
Symbolbild: Foto: Oliver Berg/dpa
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Vor allem in großen Städten hat zuletzt die Gefahr zugenommen, in die Armut abzurutschen. Das Problem hier ist nicht nur die Einkommensarmut, sondern die geringere Kaufkraft. Dieses zunehmende Stadt-Land-Gefälle geht aus einer Studie hervor, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gestern in Berlin vorgestellt hat.

Stadt-Land-Gefälle

Das IW hat dazu erstmals nicht nur die regionalen Einkommen, sondern zugleich auch die je nach Region unterschiedlichen Preise berücksichtigt. Wer etwa in München lebt, braucht deutlich mehr, um sich genauso viel leisten zu können wie ein Bewohner im Norden des Freistaats.

Herausgekommen ist eine Analyse, die nun nicht mehr nur die Einkommensarmut auflistet, sondern eine sogenannte Kaufkraftarmut zeigt. Das Ergebnis: Ost und West liegen in Deutschland gar nicht so weit auseinander, weil geringere Einkommen gemäß der Studie durch niedrigere Preise ausgeglichen werden. Dafür ist das Gefälle zwischen Land und Stadt infolge der preisbereinigten Armutsquote stärker als gedacht. In ländlichen Regionen sind durchschnittlich nur 14 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm. In Städten steigt die Quote dagegen auf 22 Prozent. Am schlechtesten schneidet Köln ab mit mehr als 26 Prozent, vor Dortmund und dem Westteil Berlins. Einkommensarm ist laut IW, wer zum Beispiel als Alleinstehender weniger als 870 Euro im Monat zur Verfügung hat.

Rote Laterne für Nürnberg

Bereinigt um die Kaufkraft verschiebt sich die Einkommensarmut auch in Bayern deutlich. So lag die Einkommensarmut in der Landeshauptstadt im Jahr 2012 bei 11,7 Prozent, in der vom IW in der Studie betrachteten Region Hof, Wunsiedel, Bayreuth, Kulmbach dagegen bei 15 Prozent. Berücksichtigt man aber die unterschiedlichen Preise, so steigt der Anteil der armen Bevölkerung in München auf 18,2 Prozent an. In der Region Hof, Wunsiedel, Bayreuth, Kulmbach sinkt er hingegen auf 12,9 Prozent. Die rote Laterne im Freistaat hält die Stadt Nürnberg. Berücksichtigt man hier Einkommen und Kaufkraft, so ergibt sich laut IW ein Armuts-Anteil von 19,7 Prozent.

Die vom IW betrachtete Region Main-Spessart, Würzburg, Kitzingen kommt auf eine Quote von 13,4 Prozent (nur Einkommensarmut: 14 Prozent), die Region Erlangen, Fürth, Schwabach auf 12,9 Prozent (11,9 Prozent). Die Region Schweinfurt, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge erreicht 12,5 Prozent (14,1 Prozent), Coburg, Kronach, Lichtenfels, Bamberg und Forchheim ordnet die Studie bei 12 Prozent ein (13,1 Prozent). Am besten in Franken schneidet die Region Erlangen-Höchstadt, Fürth, Nürnberger Land, Roth ab. Die Einkommensarmut liegt hier bei 7,9 Prozent, bereinigt um die Kaufkraft bei 8,5 Prozent.


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