Gastgewerbe

Die zwei Seiten der Gastronomie

Während immer mehr Wirtshäuser auf dem Land aufgeben, verzeichnen Bayerns Hoteliers Höchststände bei den Übernachtungen. Die Branche trifft sich in zwei Wochen auf der Hoga in Nürnberg.
Bei Jörn Weinert, Chef des Restaurants "Hoffmanns Steak & Fisch" in Bamberg, kann der Gast beim Kochen zuschauen. Foto: Ronald Rinklef
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Mehr Gäste, mehr Übernachtungen, höhere Umsätze: Bayerns Hotels und Gaststätten konnten nach guten Zahlen in den Vorjahren im Jahr 2014 aller Voraussicht nach erneut Spitzenergebnisse erzielen. Zwar stehen die Dezemberzahlen noch aus, aber von Januar bis November verzeichnete das statistische Landesamt bereits ein spürbares Plus - vor allem bei den Hoteliers.

Mittelfranken hat die meisten Übernachtungen

In Franken liegt an der Spitze der Gästeübernachtungen der Bezirk Mittelfranken (bis November knapp sieben Millionen, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr), vor Unterfranken (6,4 Millionen, plus 1,9 Prozent) und Oberfranken (4,3 Millionen, minus 0,8 Prozent). Ausschlaggebend für diese Rangfolge sind nicht landschaftliche Reize, sondern die Anziehungskraft bestimmter Städte und Kurorte. Die Stadt Nürnberg liegt beim Ranking der zehn Orte in Bayern mit den meisten Übernachtungen auf Rang zwei hinter München. Unter den Top 10 sind zwei unterfränkische Kommunen: Bad Kissingen (Rang 5) und Würzburg (Rang 10).
Insgesamt sei Franken im Plus, berichtet Gerhard Engelmann, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands in Mittelfranken. "Wir machen uns aber Sorgen um unsere kleinen Gastronomen auf dem flachen Land."
Der Nürnberger Thomas Förster, Vizepräsident des Verbands und Inhaber mehrerer Gastronomiebetriebe, darunter Bratwurst Röslein in der Nürnberger Altstadt, spricht von einer Konzentration auf Ballungsräume. "In Bayern gibt es bereits 500 Gemeinden ohne Wirtshaus", beschreibt er die Problematik. Die Politik müsse seiner Meinung nach dafür sorgen, dass das Wirtshaussterben aufhöre.

"Eine Sintflut an Bürokratie"

Laut Förster müssten dringend Investitionsprogramme her. Außerdem sei ein Abbau bürokratischer Vorschriften nötig. Das neue Mindestlohngesetz sei nur ein weiterer Klotz am Bein. "Wir haben nichts gegen den Mindestlohn. Was uns sauer aufstößt, ist die Aufzeichnungspflicht der Stunden", sagt Förster. Für seine Branche seien hier dringend Erleichterungen notwendig.
Doch der Mindestlohn ist nur ein Beispiel, wo der Verbandsvizepräsident "eine Sintflut an Bürokratie" sieht. Immer neue Hygienebestimmungen und die seit einigen Wochen von der EU geforderte Allergenkennzeichnung brächten für das Gastgewerbe weitere Schwierigkeiten. "Viele haben nicht die Ressourcen und geben auf", beschreibt Förster die Folgen. "Unsere Mitglieder halten das für bürokratischen Wahnsinn", schimpft auch Engelmann.

Täglich frisch, täglich ändern

Förster erklärt das Problem an einem konkreten Beispiel: Es liege allen daran, dass der Trend zu regionaler und saisonaler Küche weitergehe. "Aber gerade die Allergenkennzeichnungspflicht ist ein Schlag ins Gesicht für diejenigen Gastronomen, die täglich frisch und abwechslungsreich kochen, weil sie die Angaben täglich ändern müssen." Große Nahrungsmittelhersteller hätten da keine Probleme.

Fachmesse Hoga

Termin 22. bis 25. Feb. 2015

Ort Messezentrum Nürnberg, Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr

Größe 680 Aussteller auf rund 40 000 Quadratmetern Fläche, 35 000 bis 40 000 Besucher werden erwartet

Fachpublikum Die Hoga ist Branchenangehörigen vorbehalten, Preis Tageskarte: 28 €



Gastgewerbe in Bayern

40 500 Betriebe

13,7 Mrd. Euro Jahresumsatz

354 000 Erwerbstätige
davon
255 900 in der Gastronomie
98 100 in Beherbergungsbetrieben

Quelle: Dehoga Bayern


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