IHK-Neujahrsempfang

Bodenständiger Glashersteller mit Heimatliebe

Der Kleintettauer Carl-August Heinz zeigte den Vertretern der oberfränkischen Wirtschaft und Politik in der Bayreuther Kammer auf, was ihn antreibt und wie die Heinz-Gruppe zum Weltunternehmen wurde.
Carl-August Heinz Foto: M.Litzlfelder
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Den Spruch seines längst verstorbenen Vaters hat Carl-August Heinz nicht vergessen. "Ich bin kein Direktor. Ich zahle meine Fehler selbst", hatte dieser einem Mitarbeiter entgegnet, der den Chef des Familienunternehmens aus Kleintettau (Landkreis Kronach) mit Herr Direktor angesprochen hatte.

Der frühe Tod des Vaters zwang Heinz, im Alter von 27 Jahren die Alleinverantwortung für den traditionsreichen Glashersteller aus dem Frankenwald zu übernehmen. Der heute 63-Jährige war gestern Abend Festredner beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken in Bayreuth. Und der bodenständige und im nördlichen Oberfranken verwurzelte Unternehmer verstand es auf seine Weise, die Zuhörer im Kammergebäude mit seinem Lebenswerk zu beeindrucken. Unaufdringlich, stellenweise bedächtig und fast schon ein wenig bescheiden stellte er das Familienunternehmen Heinz und seine weiteren Aktivitäten vor.
Einer der Vorfahren hatte im 16. Jahrhundert mit der Glasmacherei begonnen. 1622 (im thüringischen Piesau) und 1661 in Kleintettau gründete ein weiteres Familienmitglied Glashütten. Noch heute läuft die Fertigung an beiden Standorten.

Auf Kosmetikflakons spezialisiert

Doch inzwischen hat sich die Firma Heinz zu einem Weltunternehmen entwickelt - mit weltweit 3000 Beschäftigten und einem Umsatz von zuletzt 328 Millionen Euro. "Wir haben uns fast komplett auf Parfüm- und Kosmetikflakons spezialisiert", beschrieb der Kleintettauer Unternehmer das Produktsortiment. Man betreibe eine traditionsreiche Glasfertigung, arbeite aber trotzdem hochmodern. "Sonst könnten wir nicht bestehen", sagte Heinz. Größter Vorteil sei der Bestand an ausgebildeten Facharbeitern. "Nicht der lupenreine Akademiker, sondern der eigentliche Facharbeiter hält unsere deutsche Wirtschaft hoch", sagte der Firmenchef. "Die Gesellschaft müsste das noch besser anerkennen." Heinz lobte die duale Ausbildung in Deutschland. Sie sei der Schlüssel zum Erfolg.

Denen, die ihn noch nicht kannten, machte Carl-August Heinz an diesem Abend deutlich, was ihn als Unternehmer ausmacht. "Das ist tatsächlich die Überzeugung, dass ein mittelständisches Unternehmen eine Heimat braucht, dass es eine Verantwortung gegenüber dem Ort hat, an dem es angesiedelt ist, und dass auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen in der Region besteht."

Dieses Engagement äußert sich beim Unternehmer Heinz in weiteren Projekten, die darauf ausgerichtet sind, die Rennsteig region voranzubringen. Seit 1980 züchtet er vor Ort schottische Hochlandrinder, ein Glasmuseum zeigt Touristen und Gästen die Geschichte der Region auf und seit kurzem wird mit der Restabwärme aus der Glasfabrik ein Tropenhaus beheizt, in dem exotische Früchte gedeihen. "Es kommen durchaus kreative Gedanken am Stammtisch hoch", sagte Heinz in Anspielung auf den Ursprung dieser Idee.

Wichtig bei allem sei, dass mehrere, dass eine Gruppe hinter solchen Projekten stünde, denn der Einzelne könne das nicht auf den Weg bringen. Mittlerweile züchtet Heinz sogar Schwäne. "Und wir essen die sogar", berichtete er. Früher sei das Gerücht verbreitet worden, diese schmeckten nicht. "Nee, nee, die sind gut!"
In seiner Begrüßung hatte IHK-Präsident Heribert Trunk Heinz als einen "Typ der Region" und "Visionär" bezeichnet. Auch Trunk hob das duale Ausbildungssystem als Garanten für die positive Entwicklung in der Region heraus. Während weite Teile Europas unter der Last der hohen Jugendarbeitslosigkeit klagten, liege diese in Oberfranken bei drei Prozent.



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