Müllverwertung

Biogasanlagen in Rehau: Aus Abfall wird Energie

In der Industriestadt Rehau haben ansässige Unternehmen ihre eigene Energiewende auf die Beine gestellt. Zwei große Anlagen erzeugen Biogas: die eine aus Abfällen einer Gerberei, die andere aus den Inhalten der Biotonnen in den Landkreisen Hof und Wunsiedel.
Blick in die Anlieferungshalle der Bioabfallvergärungsanlage in Rehau Foto: Ronald Rinklef
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Viel Technik ist auf dem weiten Areal in der Nähe der Stadt Rehau (Landkreis Hof) nicht zu sehen. Biogas entsteht hier: natürlich, geräuschlos, versteckt in großen runden Türmen, die einen Blick ins Innere verwehren.

Der Inhalt dieser Türme sind keine Mais- oder Getreidefelder. Es ist Abfall. Abfall aus Rehau, der 10.000-Einwohner-Stadt, und Abfall aus der Region, der Stadt Hof und den Landkreisen Hof und Wunsiedel.

"Das gibt es so noch nicht. Wir haben das allerneueste Verfahren", sagt Eric Priller und stapft durch den Schnee auf eine große lange Halle zu. Priller ist Geschäftsführer der Rehau Energy Solutions GmbH. Die Tochter der Rehau-Gruppe, eines in der Stadt ansässigen Polymerspezialisten mit weltweit mehr als 18.000 Beschäftigten, hat hier alles konzipiert und errichtet.

Meist wird kompostiert

Priller öffnet die Tür zur zwölf Meter hohen Halle. Ein unangenehm süßlicher Geruch steigt dem Besucher in die Nase. Was hier liegt, haben die Bürger im Umkreis von etwa 50 Kilometern in ihre Biotonne gekippt. Jetzt wird das organische Material sortiert, Störstoffe wie Glas oder Plastik werden herausgefiltert, und der Biomüll wird in einem Turm nebenan, dem Fermenter, bei 38 Grad zu Biogas vergoren.

"Wir sind seit Dezember im Testbetrieb. Die Endabnahme der Anlage ist für April vorgesehen", berichtet Priller.
Seit Jahresbeginn hat der Gesetzgeber bundesweit vorgeschrieben, Bioabfälle nicht nur getrennt zu sammeln, sondern auch bestmöglich zu verwerten. Bis Ende vergangenen Jahres war es sogar noch möglich und wurde in einigen fränkischen Landkreisen praktiziert, Bioabfälle über den Hausmüll mitzuverbrennen. Momentan wird hauptsächlich kompostiert, die Vergärung wie in der neuen Rehauer Anlage könnte aber künftig immer interessanter werden. "Hintergrund ist, dass die Vergärung bisher nicht wirtschaftlich war", erklärt Priller. Denn eine solche Abfallvergärungsanlage ist eine hohe Investition. 9,9 Millionen Euro hat sie gekostet, zwei Millionen davon stammen aus Fördermitteln des Bundes.

Mehrstufige Nassvergärung

"Wir haben immer gesagt: Das Ganze muss auch ohne Subventionen einmal funktionieren", fügt Priller an und spricht von "25 bis 30 Prozent mehr Biogas als bei bisher bestehenden Verfahren", die die Anlage schaffe. Für jährlich 30 000 Tonnen Bioabfälle ist der Betrieb ausgelegt. Heuer verarbeitet die Anlage 24.000 Tonnen und erzeugt damit neun Millionen Kilowattstunden Strom und elf Millionen Kilowattstunden Wärme. "Ein Viertel der Wärme brauchen wir hier für den Betrieb, drei Viertel der Wärme und den gesamten Strom werden wir künftig über eine Gasleitung zur Rehau AG, zum Schulzentrum und zu den Schwimmbädern in Rehau leiten", erzählt Diplomingenieur Priller. Die Gärreste - laut Anlagenprospekt zu 99,9 Prozent rein von Störstoffen - werden dann in der Landwirtschaft als Dünger genutzt.

Der Nassvergärungsprozess, den die Bakterien im Innern des Fermenters herbeiführen, läuft nicht nur geräusch-, sondern außen auch nahezu geruchlos. "Wichtig ist, dass die angelieferten Abfälle nicht im Freien liegen", erklärt Priller. In der Sammel- und Aufbereitungshalle sorgen Biofilter und eine Abluftreinigung dafür, dass nichts nach außen dringt.

Abwasser der Gerberei wird aufbereitet

Während die Bioabfallvergärungsanlage derzeit den Testbetrieb absolviert, läuft die Bioenergieanlage der Firma Südleder gleich nebenan schon seit zwei Jahren erfolgreich. Auch hier wird Biogas gewonnen. Allerdings aus ganz speziellen Abfällen. Deutschlands größte Gerberei verarbeitet täglich bis zu 3500 Rinderhäute. Vor allem das Gerbereiabwasser, täglich etwa 2000 Kubikmeter, kommt von der Fabrik über einen Kanal in die 1,8 Kilometer entfernte Anlage, wo es zunächst in einem Aufbereitungsbecken landet. "Das hier ist keine Kläranlage", stellt Beate Haaser klar. Die promovierte Chemikerin und Südleder-Prokuristin zeigt an einem Messbecher, wie das Aufbereitungsverfahren funktioniert. Ein chemischer Prozess sorge dafür, dass sich Schlamm absetze. Dieser werde dann zunächst in zwei Vorlagebehälter und schließlich in die Fermenter gepumpt. Das restliche Wasser hingegen werde in die Kläranlage nach Hof weitergeleitet.

Gerberei zu 98 Prozent autark

Früher musste der Schlamm entsorgt werden. Jetzt wird er vergoren. "Diese Anlage ist einmalig. Es gab ein, zwei Versuche anderswo. Die sind aber immer an der Verfahrenstechnik gescheitert", berichtet Priller, der auch für den Bau der Südleder-Anlage verantwortlich war. Das Interesse in Fachkreisen ist groß. "Wir haben ständig Besuch hier - Brasilien, Pakistan, Mongolei", berichtet Haaser.

Über eine Gasleitung geht das Ergebnis des Vergärungsprozesses zurück in die Fabrik. Südleder verbraucht das erzeugte Biogas zu hundert Prozent selbst in seinen Blockheizkraftwerken und hat sich durch die Anlage laut Haaser zu 98 Prozent energieautark gemacht.

Fett wird auch verbrannt

Jeweils 9,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom und Wärme liefert das Energiezentrum. Allerdings benötigt Südleder 25 Millionen kWh Wärme im Jahr. 15 Millionen kommen aber aus der Fettschmelze hinzu. Denn das an den Häuten hängende Fett wird schon vorher in der Fabrik verflüssigt und verbrannt.

Gerbereien gibt es in anderen Teilen Frankens nicht. Die Vergärung von Abfällen aus der Bio tonne hingegen wird in Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt), Strullendorf (Landkreis Bamberg) sowie im Landkreis Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim und in der Stadt Aschaffenburg bereits seit einiger Zeit betrieben.


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