Ausbildungsmarkt

Azubis in Franken: mehr Stellen als Bewerber

Der Kampf um einen Ausbildungsplatz in Franken ist leichter geworden. Allerdings nur rein rechnerisch. Denn auch wenn die Zahl der Bewerber abgenommen hat, zum Wunschberuf ist es immer noch ein langer Weg.
Der Beruf des Industriemechanikers steht bei vielen jungen Männern hoch im Kurs. Foto: dpa
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit bestätigt das, was sich in den vergangenen Monaten schon angedeutet hat. Viele Ausbildungsstellen sind noch frei. "Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. Rein rechnerisch gibt es jetzt mehr Stellen als Bewerber", berichtet Hermann Zeis, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Eine Entwicklung, die er in seinem Agenturbezirk schon seit einem Jahr beobachtet.

Die Gründe für den Rückgang an Bewerbern sieht Zeis zum einen in der demografischen Entwicklung, zum anderen strebten Jugendliche nach seiner Beobachtung immer mehr nach höheren Bildungsabschlüssen. Das sieht auch Max-Martin Deinhard, Bereichsleiter Berufsausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt, so. Dieser gesellschaftliche Trend zur Akademisierung gefährdet nach Ansicht der IHK die Lehre. "Fehlen heute Auszubildende, steigert das gleichzeitig auch den Fachkräftemangel der Zukunft", sagt Deinhard.


Jugendliche schauen aufs Geld

Laut Arbeitsagentur waren im August in Ober-, Unter- und Mittelfranken etwas mehr Stellen gemeldet als noch vor einem Jahr. Noch stärker zugenommen hat die Zahl der davon bis jetzt unbesetzten Stellen. Sie lag in Oberfranken mit einer Steigerung von mehr als 21 Prozent am höchsten. In Ober- und Unterfranken ist auch die Zahl der gemeldeten Bewerber zurückgegangen, während in Mittelfranken dieser Trend weniger ausgeprägt ist.

Doch insgesamt lässt sich bayernweit feststellen: Die Zahl der Bewerber ist geringer, die der gemeldeten Stellen aber nicht. "Wenn es den Jugendlichen egal wäre, was sie lernen, dann würden eigentlich alle unterkommen", sagt Andreas Maas, Fachmann für den Ausbildungsmarkt bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Probleme seien aber oft fehlende Qualifikation oder zu geringes Interesse an einem Beruf. Andererseits: Wer als Jugendlicher mit Berufen wie Tierpfleger oder Fotograf liebäugelt, hat es trotz vorhandener Leidenschaft für diese Tätigkeiten schwer. Es gibt hier einfach kaum Angebote.

An der Spitze der beliebten Ausbildungsberufe in der Region stehen laut Statistik der Agentur für Arbeit und der Erhebungen der Kammern momentan bei den Frauen die Industriekauffrau oder die medizinische Fachangestellte. Bei den Männern stehen nach wie vor der Industriemechaniker oder der Mechatroniker hoch im Kurs. Was oft unterschätzt wird: Bei der Wahl des Ausbildungsplatzes spielt auch die Vergütung eine nicht unerhebliche Rolle. "Die Jugendlichen schauen sehr wohl aufs Geld", berichtet Hermann Zeis. "Und wenn nicht, dann weisen sie die Eltern darauf hin."


Metzger oder Mechatroniker?

Den größten Rückgang an Ausbildungsverträgen verzeichnen laut IHK Würzburg-Schweinfurt aktuell die Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe. Und auch die fränkischen Handwerkskammern müssen seit langem immer wieder konstatieren: Es wird zunehmend schwerer, geeigneten Nachwuchs für die Handwerksberufe zu bekommen. Koch, Metzger oder Metzgereifachverkäuferin sind nur wenig gefragt. Ein Metzger-Azubi in Deutschland verdient im ersten Lehrjahr zwischen 286 und 545 Euro. Macht er diese Lehre in einem Industriebetrieb, erhält er immerhin schon 582 Euro. Im Vergleich dazu kommt ein Industrie-Mechatroniker im ersten Lehrjahr auf eine monatliche Vergütung von 855 bis 865 Euro. Auch eine Erklärung, warum manche Berufe bei den Azubis ins Hintertreffen geraten.

Wer zum 1. September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, muss sich nicht grämen. Zwar startet die große Masse an Jugendlichen am heutigen Tag ins Berufsleben, aber in den nächsten Wochen gibt es noch ausreichend Gelegenheit, die passende Stelle zu finden. Selbst das Berichtsjahr für den Ausbildungsstellenmarkt endet bei der Arbeitsagentur erst am 30. September. Und das Angebot ist größer als in früheren Jahren. Jedem unversorgten Bewerber stehen in Mittelfranken statistisch gesehen 1,5 Stellen zur Verfügung. In Unterfranken sind es zwei Stellen, in Oberfranken sogar 2,4 Stellen.

Aber die Statistik darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die Ausbildung immer noch ein Vertrag geschlossen wird. Unternehmen suchen händeringend passende und geeignete Bewerber - nicht irgendwelche. Insofern wird sich auch heuer eines nicht ändern: Im Wunschberuf ist die Konkurrenz groß, und bevor Betriebe einen aus ihrer Sicht ungeeigneten Bewerber einstellen, verzichten sie lieber ganz auf Nachwuchs.


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