Bilanz

Alles in Butter beim Handwerk in Franken

Die meisten Handwerksbetriebe in Franken sind bester Stimmung. Die Geschäfte laufen das vierte Jahr in Folge glänzend. Nur die geringere Zahl an Nachwuchskräften macht den drei fränkischen Kammern immer mehr zu schaffen.
Bäckermeister Norbert Stuber aus Bamberg präsentiert Teiglinge, aus denen später im Ofen die bekannten Bamberger Hörnchen werden. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Es hat sich wenig geändert. Doch anders als bei einigen leidigen Themen wie kalte Progression oder Abschreibungsmodell für energetische Modernisierungen, bei denen die Handwerkskammern seit Jahren auf eine Änderung warten, ist man mit dieser Art von Kontinuität sehr glücklich. Die weiterhin gute konjunkturelle Lage sorgte zuletzt in allen drei fränkischen Bezirken nahezu gewerksübergreifend für gute Geschäfte. "Die Sektkorken knallten in vielen Handwerksbetrieben zum Jahresende", hieß es bei der Handwerkskammer für Mittelfranken in Nürnberg.

Hohe Auslastung

Nicht ganz so euphorisch, aber bester Laune vermelden in diesen Tagen die Kammern in Bayreuth und Würzburg ihre Zahlen. "Über acht von zehn Firmenchefs sind mit ihrer Geschäftslage im Jahr 2013 zufrieden odere beurteilen sie als gut", berichtete Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken. Auch im unterfränkischen Handwerk beurteilten im Jahresdurchschnitt knapp 86 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage positiv.

Bei der Auslastung liegen diesmal die Unterfranken klar vorne. Die Auftragsreichweite beträgt hier durchschnittlich mehr als neun Wochen. Die Mittelfranken brachten es 2013 gerade einmal auf durchschnittlich 6,4 Wochen.

Kfz-Betriebe erholen sich

Wenn es auch in den Zahlen der Kammern hier und da Unterschiede gibt, so stellt sich das fränkische Handwerk in den Gewerbegruppen nahezu identisch dar. Mit deutlichem Abstand urteilen die Bau- und Ausbauhandwerke am besten über ihre Geschäftslage. Rund 90 Prozent sind hier zufrieden. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich überall die wirtschaftliche Situation im Kfz-Handwerk wieder besser. "Durch einen dynamischen Gebrauchtwagenhandel und ein gutes Werkstattgeschäft hat sich die Stimmung unter den Inhabern verbessert", sagte Oberfrankens HWK-Präsident Zimmer. Der Bayreuther Bäckermeister konnte auch auf seinem Gebiet, dem Nahrungsmittelhandwerk, Positives vermelden. Die Kunden seien in Konsumlaune und außerdem immer mehr qualitätsorientiert. Andererseits mache die Entwicklung der Einkaufs- und Energiepreise den Betrieben zu schaffen.

Mehr Handwerksbetriebe in Mittelfranken

Gestützt durch gute Konjunkturaussichten und hohes Konsumniveau gehen die Handwerkskammern in Ober-, Unter- und Mittelfranken auch in diesem Jahr von einer positiven Entwicklung aus. Um bis zu zwei Prozent sollen die Netto-Umsätze etwa in Oberfranken steigen. Die Zahl der Beschäftigten bleibt den Erwartungen nach dagegen konstant. "Auf hohem Niveau", wie es in Bayreuth heißt. Ähnlich ist es in Mittelfranken. Die Unterfranken haben dagegen im vergangenen Jahr zugelegt. Den Zahlen nach kamen hier mehr als 2000 Beschäftigte hinzu.
Einen Rückgang bei den Betrieben melden die Kammern in Ober- und Unterfranken. In Mittelfranken sind dagegen einige Handwerksfirmen hinzugekommen.

Trend: weniger Interessenten für eine Lehre

Ein Trend, der sich in ganz Franken abzeichnet, bereitet den Unternehmern aber die größten Sorgen: Es fehlt an qualifiziertem Nachwuchs. Die Zahl der Mittel-/Hauptschulabsolventen nimmt ab. Das spürt in erster Linie das Handwerk. "Fast jeder Zweite mit einem Mittel- oder Hauptschulabschluss entscheidet sich für eine Karriere im Handwerk. Aber nur elf Prozent der Realschüler werden derzeit Handwerker. Und gar nur einer von 25 mit der allgemeinen Hochschulreife ergreift einen handwerklichen Beruf", berichtet Thomas Koller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken. Ziel müsse es sein, künftig mehr Realschulabgänger und Gymnasiasten für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.

Wie schnell es im Handwerk aufgrund dessen zu Problemen kommen kann, zeigt ein Blick auf die 2013 in Franken neu abgeschlossenen Lehrverträge. Die Zahl ging erneut überall zurück - um vier bis sechs Prozent. "Das ist eine Entwicklung, die wir nicht stoppen, die wir jedoch abbremsen können", sagt Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. In manchen Regionen macht dies die demografische Entwicklung jedoch besonders schwer. Laut Prognosen wird es etwa in Oberfranken im Jahr 2025 nur noch 8820 Schulabgänger geben. 2002 waren es noch mehr als 12 500 gewesen.


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