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Castell
1200-Jahrfeier

Mittelalter-Spektakel

Florian-Geyer-Schauspieler freuen sich: Bei einem Mittelalter-Ritterturnier dürfen sie "die Sau rauslassen". Manch einer fährt dafür quer durch Franken.
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Sieht so ein Entführungsopfer aus? Dem König gefällt seine Rolle wohl - und seinem "Streitross" offenbar ebenfalls.  Fotos: Diana Fuchs
Sieht so ein Entführungsopfer aus? Dem König gefällt seine Rolle wohl - und seinem "Streitross" offenbar ebenfalls. Fotos: Diana Fuchs
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H ufe klappern, Pferde wiehern, Schwerter klirren. Euphorische Rufe hallen in den alten Steinmauern wider. Herzhaftes Gelächter ebenso. Wer sich der alten Burgruine am Ortsrand von Giebelstadt bei Würzburg nähert, kriegt große Ohren: Was ist denn da los?
Auf der Freilichtbühne, auf der die Florian-Geyer-Festspiele sonst in die finstere Zeit des Bauernkriegs entführen, tummeln sich heute keine dunklen Gestalten. Sondern die blonde "Berta" und etliche Räuber. Sie kreuzen gerade ihre Schwerter mit offensichtlich edleren Gesellen - Rittern. Einer von ihnen heißt im wirklichen Leben Thorsten Scheele und wohnt im mittelfränkischen Schwabach. Der gelernte Kfz-Mechaniker verwandelt sich so gut wie jedes Wochenende in den Ritter "Sebastian von Rotenhan".
Die Amateur-Schauspieler der Florian-Geyer-Festspiele und die Stunttruppe "Geyers Enkel" proben derzeit
für ein besonderes Ritterturnier.
Zur 1200-Jahrfeier des Winzerortes Castell in der Nähe des Drei-Franken-Ecks soll es in zwei Wochen uraufgeführt werden.

Zwölf Pferde, fünf Hunde, 30 Schauspieler und jede Menge Spaß: Bei "Berta und die sieben Räuber" geht es im Kern um einen König, der von Raubritterin Ursel (alias Alexandra Haag aus Neustadt-Aisch) gekidnappt wird. Königstochter Berta (Yvonne Göbel aus Gerbrunn) und ihre Getreuen wollen ihn befreien. Doch so einfach rücken Ursel und ihre Gefährtinnen das bärtige Blaublut nicht heraus. Am Ende soll ein Ritterturnier entscheiden, welche Gruppe die stärkere und mächtigere ist. Doch dann kommt auch noch die Liebe ins Spiel...
"Bei dem Stück können wir endlich mal so richtig die Sau rauslassen", freut sich Thorsten Scheele. Ist das der Grund dafür, dass der 40-Jährige zu jeder Probe eigens aus Schwabach anreist - eine Stunde und 15 Minuten einfache Fahrstrecke? Scheele nickt. "Ja, aber nicht nur. Wenn die Truppe nicht so toll wäre, würde sich der Aufwand nicht rentieren, das ist klar - immerhin stehen für 'Berta' mindestens 20 Proben auf dem Programm, die jeweils mehrere Stunden dauern."

Thorsten ist nicht nur ein treuer Proben-Teilnehmer, er nimmt sich vor dem Auftritt sogar extra eine Woche Urlaub. Warum? "Ganz einfach: Weil wir's richtig gut machen wollen. Und weil das Ganze einen Riesen-Spaß macht und wir ein Super-Team sind, ganz stressfrei und ohne Quertreiber!"

Thorsten weiß noch genau, dass er schon als Kind und Jugendlicher - damals lebte er in Giebelstadt - oft an der Geyer-Bühne zu Gast war. Allerdings nicht als Akteur. "Wenn wir aus dem Jugendzentrum gekommen sind, ham wir bei den Geyern Halt gemacht und dort weitergefeiert. Das war immer lustig."

Selbst schauspielern wollte Thorsten aber eigentlich nie. Doch manchmal kommt es anders... "Dummerweise hab' ich beim Weihnachtsmarkt vor über drei Jahren einen guten Kumpel von damals getroffen", erzählt er augenzwinkernd. "Nach diversen Tassen Glühwein hab ' ich versprochen, mal vorbeizukommen. Und schon war ich dabei. Aber voll!"

Seine erste Rolle mit relativ wenig Text, aber viel Action ließ ihn an frühere Zeiten anknüpfen: "Ich bin schon als Kind gern geritten. Das ist jetzt wieder aufgeflammt." Die flache Hierarchie bei den Geyern sei ihm sofort sympathisch gewesen. "Jeder kümmert sich um seine Sachen, aber bei Bedarf helfen alle einander, und Renier Baaken, der Regisseur, strukturiert alles perfekt."

Thorstens Kollegen nicken. Auch sie kommen teilweise von weither zu den Proben, die im September begonnen haben. Bis Forchheim reicht das Einzugsgebiet der Geyer-Schauspieler. "Für unser Super-Team lohnt sich jede Mühe", erklärt Alexandra Haag. Leo Reuß, der den Herold spielt, kann das nur bestätigen. "Es ist natürlich ein zeitraubendes Hobby. Aber es gibt kein schöneres!"

Manche der Amateur-Darsteller sind von mittelalterlichen Szenen so fasziniert, dass sie nicht nur Theater spielen, sondern den Zeitsprung mit Leib und Seele leben. "Berta" alias Yvonne Göbel und Detlef Seliger, der einen Ritter mimt, sind echte Mittela lter-Fans. Sie organisieren zum Beispiel authentische Mittelaltermärkte - auch zur 1200-Jahrfeier im Casteller Schlosspark.

Dort, im Park, wird das Stück "Berta und die sieben Räuber" aufgeführt. Geyer-Darstellerin Sabine Schnurrer hat das Stück eigens für das Dorfjubiläum geschrieben. Wenn sie an die Premiere in zwei Wochen denkt, spürt sie schon ein Kribbeln vor lauter Vorfreude: "Die Umgebung passt einfach, unterhalb des Schlosses, quasi auf einer Naturbühne im Grünen - das wird toll." Doch jetzt geht es erst einmal in die heiße Abschlussphase der Proben. Die Sprech- und Reit-Szenen brauchen noch den letzten Schliff.

Das Historienspiel rund um die schöne Berta dauert etwa anderthalb Stunden. "Die Zuschauer werden auch einbezogen", verrät Hilde Weißenseel, die sich als "Kunigunde" herrlich lamentierend so ihre Sorgen um den geraubten König macht. In der Pause reibt sich die leidenschaftliche Hobby-Schauspielerin die Hände, grinst und sagt auf gut Fränkisch: "Des wird 'n Spaß!"

Mittelalterfest: Ein Augen-, Ohren- und Gaumenschmaus steht den Gästen vom 3. bis 5. Juni in 97355 Castell bevor. Die 1200-Jahrfeier wird mit historischem Wandertheater, Mittelaltermarkt und Lagerleben gefeiert. Im Schlosspark werden 65 Stände und 15 Lagergruppen zu bestaunen sein. Und das bei freiem Eintritt. Ebenfalls kostenfrei zu besuchen sind die Abendveranstaltungen mit Tiervorführung und Feuershow (Freitag 21 Uhr, Samstag 20 Uhr). Infos: www.1200jahre-castell.de.

Die "Geyer": Das Ritterturnier "Berta und die 7 Räuber" (Aufführung: Samstag, 4. Juni, um 14 und um 18 Uhr sowie Sonntag, 5. Juni, um 16 Uhr auf dem Turnierplatz im Schlosspark, Eintritt 5 Euro, unter Schwertlänge frei) ist nur ein kleiner Teil der Schauspielkunst der Florian-Geyer-Bühne. Heuer startet die Gruppe um Regisseur Renier Baaken die Trilogie "Franken in Flammen", mit der sie ein neues Kapitel der heldenhaften Geschichte um den Ritter Florian Geyer im Bauernkrieg erzählt. Info: www.florian-geyer-spiele.de
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