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Politik

"Genug von Seehofer"

Die Bayernpartei will eine echte Alternative zur CSU werden. Ihr Landesgeschäftsführer plant schon einen eigenen Staat mit Kantonen wie in der Schweiz.
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Spinner oder Visionär? Uwe G.Hartmann ist Landesgeschäftsführer der Bayernpartei und überzeugt: In zehn Jahren sitzt er im Landtag.  Foto: Ralf Dieter
Spinner oder Visionär? Uwe G.Hartmann ist Landesgeschäftsführer der Bayernpartei und überzeugt: In zehn Jahren sitzt er im Landtag. Foto: Ralf Dieter
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ayernpartei - gibt es die überhaupt noch? Eine Frage, mit der Uwe G. Hartmann in den letzten Jahren immer wieder konfrontiert worden ist. Seit 2007 engagiert sich der waschechte Franke für die Partei, die vor 70 Jahren gegründet wurde. Hartmann hat große Ziele - für seine Partei und für sich selbst.

Wofür braucht es die Bayernpartei?
Für die Stärkung der regionalen Identität jedes einzelnen Bürgers.

Das verstehe ich nicht.
Wir setzen uns dafür ein, dass regionales Brauchtum gewahrt wird, nicht zuletzt die Sprache.

Ist die bayerische Sprache in Gefahr?
Alle Dialekte sind in Gefahr. In München gab es sogar den Fall, dass eine Erzieherin ihren Kindern verboten hat, Bayerisch im Kindergarten zu sprechen.

Und was wollen Sie dagegen tun?
Wir haben ein Konzept erarbeitet, in dem es um die Erhaltung regionaler Dialekte geht. Eventuell werden wir das als Petition in den Landtag einbringen.

Und damit wollen Sie Wähler gewinnen?
Wir sind überzeugt: Das ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Aber vor allem geht es uns natürlich um die Eigenstaatlichkeit Bayerns.

Sie wollen eine Separation? So wie die Katalanen in Spanien? Warum?
Wir haben schon aufgrund unserer 1200 jährigen Geschichte einen Anspruch auf einen eigenen Staat. Die bayerische Identität wird immer weiter verwässert. In München finden Sie schon bald keinen echten Münchner mehr.

Das heißt? Grenzen dicht, Bayern den Bayern?
Um Gottes Willen. Wir wollen kein Nordkorea, wir wollen ein offenes Land. Unser Vorbild ist eher die Schweiz.

Aber wofür soll ein eigener bayerischer Staat gut sein?
Anders gefragt: Wofür ist es gut, dass wir immer noch ein Teil der Bundesrepublik sind? 38 Milliarden Euro pro Jahr wandern von München nach Berlin. Der neue Länderfinanzausgleich wird daran nicht viel ändern. Mit diesem Geld könnten wir viel anfangen. Die Altersarmut stoppen, beispielsweise.

Bayern als Insel der glückseligen Senioren?
Wir haben das ausgerechnet. 18 Milliarden Euro wären notwendig, um eine Basisrente von 1450 Euro auszubezahlen.

Und die Solidargemeinschaft mit den anderen Bundesländern? Die wollen sie aufgeben?
Wenn die anderen Bundesländer Geld brauchen, dann geben wir natürlich auch in Zukunft. Aber auf freiwilliger Basis. Wir wollen ja gute nachbarschaftliche Beziehungen.

Wie stellen Sie sich denn eine Europäische Union in Zukunft vor? Oder braucht es die gar nicht mehr, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht?
Wir brauchen ein Europa der Regionen. Ein gemeinsames Kabinett in Brüssel ist schon in Ordnung, aber die einzelnen Staaten brauchen mehr Eigenständigkeit.

Und wie sollte der Staat Bayern aufgebaut sein?
So ähnlich wie die Schweiz, mit Kantonen, die dann Franken, Oberpfalz oder Schwaben heißen.

Und eigenen Landesgrenzen nach Hessen oder Baden-Württemberg?
Natürlich. Im Übrigen könnten wir dann auch viel leichter wieder eine bayerische Grenzpolizei aktivieren.

Die alle Flüchtlinge abhält?
In Sachen Flüchtlingskrise haben wir eine eindeutige Position. Wer vor Krieg und Verfolgung flieht, der ist willkommen. Wirtschaftsflüchtlinge müssen zurück in ihr Land.

Klingt nach AfD.
Die AfD ist populistisch, hat kein Konzept. Da werden nur Phrasen gedroschen.

Wie sieht denn Ihr Konzept aus?
Wir würden echten Druck auf die EU ausüben, damit Gesetze geändert werden. Es kann nicht sein, dass manche osteuropäischen Länder sich schlichtweg weigern, Flüchtlinge aufzunehmen.

Bei der letzten Landtagswahl lag Ihre Partei bei knapp über zwei Prozent. Glauben Sie wirklich, dass die Bayernpartei irgendwann Druck auf die EU ausüben wird?
In zehn Jahren sind wir auf jeden Fall im Bayerischen Landtag vertreten. Dann können wir unsere Themen auch endlich der breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Das können Sie jetzt nicht?
Der Bayerische Rundfunk schneidet uns seit Jahren. Da geht es immer nur um die CSU. Und die klaut teilweise ihre Ideen von uns.
Wie bitte?
Ich bin 2013 schon mit der Idee angetreten, eine Autobahnmaut für ausländische Fahrzeuge zu erheben. Ein halbes Jahr später kam Alexander Dobrindt damit in die Öffentlichkeit. Das kann doch kein Zufall sein.

Und jetzt wollen Sie die Vormachtstellung der CSU angreifen?
Warum nicht. Ich glaube, die Leute haben genug von Seehofer und Co. In München tönt der Ministerpräsident wie ein Großer und wenn er dann in Berlin ist, schnurrt er wie ein Kätzchen.

In zehn Jahren sehen Sie die Bayernpartei im Landtag. Und wo sehen Sie sich selbst mit 63 Jahren?
Ebenfalls im Landtag. Unsere Führungsriege ist sehr engagiert, wir haben die Geschäftsstelle in den letzten Jahren professionalisiert, die Zahl unserer Mandatsträger steigt kontinuierlich. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Bayern hinter unseren Plänen steht. Wir müssen ihnen nur demonstrieren, dass es die Bayernpartei noch gibt.



Zur Person

Uwe G. Hartmann ist im unterfränkischen Kitzingen aufgewachsen. Seit 2007 ist er Mitglied der Bayernpartei. Er gründete den Ortsverband Kitzingen, der mittlerweile 36 Mitglieder zählt. Hartmann ist Bezirksvorsitzender der Bayernpartei und ihr Landesgeschäftsführer. Etwa zwei bis drei Stunden pro Tag engagiert er sich für die Partei.
Seit 2014 sitzt er im Kitzinger Stadtrat und ist Mitglied des Kreistages. Sein größter Erfolg: Die Genehmigung eines sozialen Zauns, an dem Bedürftige Kleidung und andere gespendete Güter abholen können. In seiner Freizeit engagiert sich Hartmann als Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Kitzingen. Der 53-Jährige ist beim Blutspendedienst des BRK angestellt.
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