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  Der Verruchte

Feuersalamander haben viele Feinde, zum Beispiel einen Parasiten, der sich ungehindert durch die Amphibienhaut fressen kann.
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Feuersalamander scheiden ihre Giftstoffe über die Ohrdrüsen und die Drüsenleisten auf der Rückenseite aus. Fotos: Hans Bahmer
Feuersalamander scheiden ihre Giftstoffe über die Ohrdrüsen und die Drüsenleisten auf der Rückenseite aus. Fotos: Hans Bahmer
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"Lange schallt's im Walde noch: Salamander lebe hoch!". Dieser Reim gilt leider nicht dem Feuersalamander, dem "Lurch 2016", sondern lediglich der Comic-Figur Lurchi. Dem real existierenden Feuersalamander aus dem Tierstamm der Amphibien schlägt deutlich weniger Zuneigung entgegen. Das kommt in Namen wie Waldteufel, Teufelsrößlein, Höllenmöckel oder Tattermann für den eher wasserscheuen, landlebenden Schwanzlurch unüberhörbar zum Ausdruck.

Tatsächlich hat das Gift des Feuersalamanders mit dem Hauptwirkstoff Samandarin zwei Aufgaben. Wie alle Amphibien, so besitzt auch der Landmolch eine mehr oder weniger feuchte Haut und hält sich in einem Lebensraum auf, in dem es von Mikroorganismen wimmelt. Das Giftsekret soll das Wachstum von Kleinstlebewesen wie Pilzen und Bakterien auf der Hautoberfläche verhindern.
Experimente zeigen, dass Amphibiengifte Zellmembranen, Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) und Ribosomen (Eiweißfabriken der Zelle) der Winzlinge schädigen. Im Versuch starben entgiftete Amphibien nach kurzer Zeit an Hautinfektionen.


Gift aus den Ohrdrüsen

Die zweite Aufgabe des Salamandergiftes ist die Abwehr von Fressfeinden. Bei Gefahr wird besonders viel Gift über die am Kopf gelegenen Ohrdrüsen und die rechts und links auf der Rückenseite angeordneten Drüsenleisten ausgeschieden. Das Toxin gilt als ein Krampfgift, das auf das zentrale Nervensystem des Angreifers einwirkt. Dazu muss es allerdings in das Gewebe gelangen. Es soll dann dort nach einem dem Curare, dem Pfeilgift der Indianer, vergleichbaren Mechanismus wirken. Durch Unterbrechung der Erregungsleitung an bestimmten Synapsen des Nervensystems kann es nach Krämpfen schließlich zum Tod durch Atemlähmung kommen.

Ganz allgemein besitzt Samandarin neben seiner nervenblockierenden noch blutdrucksteigernde und lokalanästhetische Eigenschaften. Von Natur aus sollte die Giftwirkung auf die natürlichen Feinde ausgerichtet sein. Beim Feuersalamander kommen da allenfalls kleinere Säugetiere oder Vögel in Frage. Die Giftigkeit allein garantiert aber noch keinen Schutz. Nur wenn der Fressfeind den Feuersalamander unversehrt wieder ausspuckt und ihn sowie seine Artgenossen für den Rest seines Lebens meidet, stellt sich ein Schutzeffekt ein. Deshalb macht der Feuersalamander bereits durch seine Färbung auf die von ihm ausgehende Gefahr aufmerksam.

Diese Warntracht ist die Voraussetzung dafür, dass ein hungriger Feind sich aufgrund schlechter Erfahrungen die Gefährlichkeit des Amphibs merken kann und von einem Angriff absieht. Unerfahrenen Haustieren fehlt diese Fähigkeit vermutlich. Es kommt daher immer wieder zu Vergiftungen mit entsprechenden Folgen.

Für den Menschen gelten Feuersalamander als ungefährlich. Schließlich werden sie von uns nicht verzehrt. Hautkontakte können allerdings je nach Empfindlichkeit der Person, besonders dann, wenn Schleimhäute betroffen sind, zu leichtem Brennen, Übelkeit, Atembeschwerden und Erbrechen führen. Wegen ihrer Vorliebe für Regentiefs - daher auch die Namen Regenmännchen und Regenmolch - und ihrer nächtlichen Aktivität in Laubwäldern sind die Tiere, obwohl anwesend, nicht leicht zu beobachten. Wer ihnen aber begegnet, kann sie wegen der schwarzgelben Zeichnung kaum mit einem anderen einheimischen Tier verwechseln.

Die 14 Unterarten des Lurchs, die es in Europa gibt, fressen alles, was sie überwältigen können und bekommen dadurch einen ziemlich properen, schwarz glänzenden Leib, von dem die etwas verruchte Atmosphäre von Lack und Leder ausgeht. Optimal an das Leben auf dem Land angepasst, findet die Paarung von März bis September statt. Naturforscher Grzimek berichtet von "lebhaften Liebesspielen", bei denen "gelegentlich Piep- und Quieklaute zu vernehmen sind". Allerdings, wenn sie erst einmal dem "Triebe genügt haben, endet jegliche Verbindung" weiß Brehm; die Landmolche werden wieder zu ungeselligen Einsiedlern.

Nur zur Geburt sucht das schwangere Weibchen sauerstoffreiche, nährstoffarme, langsam fließende, fischfreie Gewässer auf. Bei den lebendgebärenden Feuersalamandern haben sich bereits im Mutterleib aus den Eiern Larven mit Beinen und äußeren Kiemen entwickelt. Nach zwei bis fünf Monaten verlassen die Jungsalamander den nassen Lebensraum und verbringen den Rest ihres bis zu 20 Jahren währenden Lebens auf dem Land.


Opfer von Goldmachern

Die Namen Feuersalamander und Feuermolch gehen auf die wahnwitzige Vorstellung zurück, mit den Tieren ließen sich Feuersbrünste löschen. Der Feuermolch musste in finstern Zeiten auch sein Leben lassen, weil die Goldmacher mit seiner Hilfe versuchten, aus unedlen Stoffen das begehrte goldene Edelmetall zu gewinnen.
Die Einflüsse, die den Landmolch in der Gegenwart gefährden, kommen dagegen vollkommen unspektakulär daher, sind aber unter dem Strich viel schädlicher. Schließlich werden heute ganze Lebensräume vernichtet. Hinzu kommt ein aggressiver Pilz, dem das Salamandergift wenig ausmacht. Der Parasit frisst sich ungehindert durch die Amphibienhaut und bringt die Tiere um. Die Zeiten für Feuersalamander sind also alles andere als rosig.

Dennoch: Eines der größten Vorkommen in Deutschland gibt es wohl im Steigerwald. Zwischen dem Tal der Rauhen Ebrach und dem Nordrand des Steigerwaldes wurden die Lurche in über 40 Bächen nachgewiesen. Unklar ist noch, wie viele Tiere genau im Steigerwald leben und was ihre Population beeinflusst. Deshalb sammelt Carolin Dittrich vom Naturkundemuseum Berlin entsprechende Daten. Wer bei einem Spaziergang zufällig einem Molch über den Weg läuft, der soll ihn, gern per Handy, fotografieren und das Bild mit Ortsangabe an carolin.dittrich@mfn-berlin.de senden. "Nur durch die Mithilfe der Bürger lassen sich mit vertretbarem Aufwand genügen Daten über das Vorkommen erheben."

Vorkommen: Im Raum Bamberg findet man den Feuersalamander am häufigsten im Albtrauf, das heißt am Steilanstieg zum Fränkischen Jura. Hier gibt es Buchenwälder und zahlreiche Quellbäche - ideale Voraussetzungen für den Feuersalamander.

Gefährdung: Vor allem der Autoverkehr gefährdet die Salamander. Zum Beispiel gibt es auf dem Gemeindeverbindungsweg zwischen den Ortschaften Burglesau und Gräfenhäusling (Kreis Bamberg) bei feuchtem Wetter regelmäßig ein Gemetzel - viele Feuersalamander kommen unter die Räder.

Infos/ Meldung: www.artenschutz-steigerwald.de
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