Bamberg
Bierkeller

Spezialkeller Bamberg - Der Bedienung über die Schulter geschaut

Auf dem Bamberger Spezialkeller gibt es Rauchbier und original fränkische Kost. Und Bedienungen, die bei vollem Garten mächtig ins Schwitzen kommen.
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Hannah im Einsatz - die 25jährige Studentin jobbt auf dem Bamberger Spezialkeller als Bedienung Foto: Rinklef
Hannah im Einsatz - die 25jährige Studentin jobbt auf dem Bamberger Spezialkeller als Bedienung Foto: Rinklef
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Eine Hand reckt sich in die Höhe. "Ein Bier bitte!" Hannah blickt den Gast lächelnd an. "Kommt sofort." In der Nähe schnellen zwei weitere Hände in die Höhe. Die 25-jährige Studentin registriert die Wünsche und strebt eilends zum Ausschank des Spezial-Kellers in Bamberg. Hier arbeitet sie als Bedienung.



Die vierte Saison bereits. Die Arbeit macht ihr Spaß, erklärt sie. Weil die Gäste meistens "gut drauf" seien. Wenn dann auch noch das Wetter passe, heiße es zwar nur noch laufen, laufen, laufen. Aber dann sei wenigstens etwas los. Hannah gefällt das. Sie studiert im siebten Semester Wirtschaftspädagogik. Ziel: Berufsschullehrerin. Das fürs Studium nötige Geld kann sie sich zu einem guten Teil auf dem Keller verdienen.

Über ihre Schwägerin kam sie an den Job. Die spielt genauso wie Hannah und zwei weitere Bedienungen aktiv Basketball. Man kennt sich. "Unsere vier Basketballmädels waren eine starke Truppe", äußert sich der Besitzer des Kellers, Fritz Löhr, zufrieden mit seinen Studentinnen. "Waren" deshalb, weil die Truppe inzwischen stark zusammenschrumpfte.

Drei haben nämlich inzwischen ihr Examen in der Tasche, von dem Quartett ist nur Hannah geblieben. Zuverlässige Kräfte zu finden sei gar nicht so einfach, erklärt der Kellerwirt. Und er braucht viel Personal in der Saison. 50 Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste. Wenn Hochbetrieb auf dem Keller herrscht sind 20 gleichzeitig im Einsatz. Dann gilt es 700 Gäste zu versorgen, die alle gleichzeitig Hunger und Durst haben. Obwohl der Keller mit einer recht üppigen Speisekarte aufwarten kann - neben den üblichen fränkischen Brotzeiten gibt es warme Speisen wie Schäufala oder Schweinebraten - können die Gäste ihre Brotzeit auch selbst mitbringen.

"Wohlgemerkt Brotzeit," betont der Wirt. "Bei uns haben die Leute auf einem Campingkocher auch schon Spargel gekocht und Bratkartoffel gemacht." Logisch, da greift Fritz Löhr ein. Auch dann, wenn Leute sich 12 Pizzen von einem Pizzaservice auf den Keller bringen lassen wollen. "Wir sind ein fränkischer Bierkeller," heißt es. Da hätten Pizza und Döner nichts zu suchen. Es gebe bei ihm typisch fränkische Brotzeiten, dazu ein gutes Spezialbier - eine Bamberger Rauchbierspezialität. Und das war's dann. Schließlich sei man kein Restaurant. "Deshalb gibt's bei uns auch keinen Cappuccino."

Einstieg als "Tellertaxi"
Zurück zu unserer Studentin. In ihrer ersten Saison habe sie nur als "Tellertaxi" gearbeitet, erzählt sie. Das heißt, sie trug das Essen aus, räumte ab, lernte, welcher Tisch welche Nummer hatte. Ab der zweiten Saison wurde sie dann als Bedienung eingesetzt. Bei sonnigem Wetter und Temperaturen um 28 Grad kein leichter Job.

Dann ist der Keller zumeist brechend voll. Vereinzelt gibt's dann natürlich auch Beschwerden. Weil es mit Bier zu lange dauert. "Wenn der Keller voll ist, kann man nur noch laufen und laufen. Mehr geht halt nicht." Die meisten Gäste hätten dafür Verständnis, alle nicht. Unter der Woche kommt meist einheimisches Publikum auf den Spezi-Keller. "Weil das Bier schmeckt, die Aussicht großartig ist und der Wirt passt," erklärt ein Stammgast seine Beweggründe.

Und in der Tat: Der Blick vom Keller auf die Bamberger Altstadt ist wirklich einmalig. Aus diesem Grund gibt es auch jede Menge Reservierungen. Fritz Löhr lässt Tischreservierungen aber nur für maximal 400 Gäste zu. "Sonst verärgern wir die Leute, die uns spontan einen Besuch abstatten wollen."

Am Wochenende viele Touristen
Am Wochenende bestimmen eher die Touristen das Bild auf dem Keller. Wobei sich vor allem norddeutsche Gäste mit den Gepflogenheiten auf einem Keller erst arrangieren müssen. Ein gemischtes Publikum also. Genau das, was Hannah eigentlich so spannend findet.

Weshalb die Studentin auch gerne bis zu ihrem Examen auf dem Spezi-Keller arbeiten möchte. Ihr Blick wird unruhig. Eine Hand, die sich einige Tischreihen weiter in die Höhe reckt, beendet das Gespräch. "Ich muss weiter," entschuldigt sie sich. "Die Gäste haben Durst."


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