Langendorf
Vorstellung

Berliner Absolventenshow im Langendorfer Circus Luna

Peter Bethäuser hat an der Fränkischen Saale den "Circus Luna" aufgebaut: 1000 Kinder und Jugendliche schnuppern in einer alten Mühle jährlich Zirkusluft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eindrücke von der Absolventenshow. Foto: Leonid Lunart/Bethäuser
Eindrücke von der Absolventenshow. Foto: Leonid Lunart/Bethäuser
+31 Bilder
Peter Bethäuser ist ein Pionier in der Zirkusarbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Ich habe mit 18 und 19 Jahren in Galicien im ältesten Kinder- und Jugendzirkus der Welt gelernt", erzählt der 48-jährige Erzieher. Vor 25 Jahren startete er dann im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit in Höchberg mit den ersten eigenen Projekten. 2003 zog er in die ehemalige Mühle zwischen Westheim und Langendorf im Landkreis Bad Kissingen um und baute dort den "Circus Luna" auf.
Mehr als tausend Kinder und Jugendliche kommen mittlerweile jedes Jahr nach Langendorf in den Circus Luna. Schulklassen oder die Gruppen in den Feriencamps trainieren eine Woche lang für die Abschluss-Vorstellung. Am ersten Tag lernen sie die verschiedenen Stationen kennen, danach dürfen sie sich zwei Stationen aussuchen: Clown, Luftring, Fakir-Nummern, Akrobatik, Trapez und mehr stehen zur Auswahl.


Lehrerinnen sind begeistert

"Peter Bethäuser und sein Team haben ein unheimlich gutes Händchen, sie finden immer für jedes Kind die genau passende Rolle", sagt Michaela Schmitt, Lehrerin an der Einhard-Grundschule in Euerdorf. Bereits zum dritten Mal war sie heuer mit einer 4. Klasse im Zirkus. Für ihre Kollegin Anna Kuhn von der Parallelklasse war es dagegen eine Premiere: "Ich war ab dem ersten Tag begeistert", berichtet sie, und: "Ich bin stolz drauf, wie sich die Kinder gegenseitig unterstützt haben und wie viel sie sich selbst zugetraut haben." Der Zirkus sei das ideale "Abschiedsgeschenk" für die Viertklässler am Ende der Grundschulzeit.
Rund 50 Übungsleiter helfen beim Cirkus Luna mit. "Wir bilden jedes Jahr in einem Kurs 16 Teilnehmer zu Jugend-Übungsleitern aus", berichtet Peter Bethäuser, woher der Nachwuchs kommt. Und bei einigen davon wird der Zirkus zu einer echten Berufung: "Wir hatten schon mehrere ehemalige Teilnehmer, die an die staatliche Artistenschule nach Berlin gegangen sind", erzählt Bethäuser über die Verbindung zur einzigen staatlichen Artistenschule in ganz Deutschland.
Deshalb war es auch naheliegend, dass Langendorf auf dem Tourplan stand, als erstmals die Absolventen der Artistenschule die Idee entwickelten, mit einem eigenen Programm auf Tournee zu gehen. "Damals stand unser Zelt noch am Hotel Ullrich in Elfershausen", erinnert sich Bethäuser an die Anfänge.


Meh als 40 Auftritte deutschlandweit

Mittlerweile hat sich viel getan: Die Absolventenshow ist zur festen Größe geworden, Jahr für Jahr touren die jungen staatlich geprüften Artisten durch die Großstädte der Republik. Im vergangenen Jahr war das Programm "Grammophobia" mehr als 40 Mal zu sehen. Zwischen den Gastspielen in Berlin und München ist die Station in Langendorf in all den Jahren geblieben, als einzige Show auf dem Land: Heuer kommt die Show "Initial" am 29. und 30. Juli ins Langendorfer Zirkuszelt - ausnahmsweise ohne einen Ehemaligen aus dem Circus Luna, aber 2017 wird Peters Sohn Leonid Bethäuser mit dabei sein.

Zirkus zieht die meisten Kinder sofort in ihren Bann - umso mehr, wenn der eigene Vater fast täglich in der Manege steht, sollte man meinen. Weit gefehlt: "Früher hat mich der Zirkus eigentlich gar nicht so interessiert, ich habe lieber Fußball gespielt oder war beim Bogenschießen", berichtet Leonid Bethäuser, der Sohn des Cicus-Luna-Chefs Peter Bethäuser: "Ich habe nicht von klein auf gedacht, dass ich das mal beruflich machen möchte."
Das ein oder andere Zirkuscamp habe er zwar mitgemacht, später wurde er sogar Übungsleiter. Wirklich Feuer gefangen hat Leonid Bethäuser dann aber erst durch eine Jahresarbeit für die Walldorf-Schule. Zudem lernte er Carina Müller aus Kassel bei einem Zirkus-Camp kennen. Gemeinsam bewarben sie sich mit einer Nummer am Partner-Trapez bei der Staatlichen Artistenschule in Berlin. Nur sechs Interessierte wurden in dem Jahr genommen, Leonid und Carina waren dabei.
"An der Schule werden rund 100 Nachwuchs-Artisten von der 5. bis zur 13. Klasse unterrichtet", berichtet Leonid. Möglich seien der Berufschulabschluss und das Abitur. In den unteren Klassen stünden Turnen und Jonglage im Vordergrund, ab der 11. Klasse spezialisieren sich die Schüler dann auf ein oder zwei Requisiten. Wer erst später einsteige, müsse bereits eine fertige Nummer mitbringen. Neben dem Duo-Trapez turnen Leonid und Carina noch "Hand auf Hand".
"Vormittags ist immer Schule, danach stehen Training, Moddeln und Schauspiel an", berichtet Leonid Bethäuser über den Stundenplan. Gebühren gebe es an der Staatlichen Schule keine, aber für die Wohnung müsse jeder selbst aufkommen: Leonid Bethäuser wohnt in einer WG im Prenzlauer Berg, unweit der Artistenschule. Zum Teil habe er zwei Mal die Woche bis 20 Uhr Unterricht gehabt. Seinen Berufsschulabschluss hat der 19-Jährige mittlerweile in der Tasche: "Wir haben jetzt ein Jahr nur noch Training", sagt er über das kommende Schuljahr.
Aktuell ruht er sich daheim in Langendorf aus: Zum einen leitet er einige Sommercamps, vor allem freut er sich aber auf ein Wiedersehen mit der Klasse über ihm.

Termine Die Absolventenshow "Initial" der Staatlichen Schule für Artistik gastiert am Freitag, 29., und Samstag, 30. Juli, im Circus-Luna-Hof, Westheimer Straße, Langendorf. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Karten Für die Vorstellungen können Karten unter www.circusluna.de, per Mail an karten@circusluna.de oder telefonisch unter 09732/ 78 6101 bestellt werden.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren