Gutenstetten
Serie (10)

Bei Meinl spielt die Musik

Musik Meinl gibt den Takt vor. Schließlich baut das Unternehmen seit über 60 Jahren Becken für Schlagzeuge und fertigt auch Konzert-Gitarren.
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Garagen spielen ja eine legendäre Rolle, wenn es um die Gründung von Hightech-Unternehmen in den Vereinigten Staaten geht. Bill Gates hat dort Microsoft erdacht und ein Mark Zuckerberg soll darin den Grundstein zum Facebook-Konzern gelegt haben.

Aber solch einmalige Aufstiege gibt es auch in Franken - zudem mit viel längerer Tradition. Das beweist der Musikinstrumenten-Hersteller Meinl aus Gutenstetten (Landkreis Neustadt/Aisch). 1951 startete Firmengründer Roland Meinl in einer kleinen Garage, wo er zunächst Blasinstrumente produzierte. Ein Jahr später widmete er sich der Herstellung von Becken für Schlagzeuge. Zunächst auf nur 20 Quadratmetern, jeden stand Tag Meinl im eigenen Betrieb - von vier Uhr früh bis spät in den Abend. Sein Sohn Reinhold sagt dazu: "Firmen- und Wohnhaus waren eins.
Im ersten Stock wohnte die Familie und im Erdgeschoss befand sich die Firma." Mit dem Fahrrad fuhr der Firmengründer seine Produkte zum Bahnhof, damit sie in die Welt verschickt werden konnten.
Seit dieser Zeit geben Musiker mit Schlagzeugbecken aus Franken den richtigen Takt an. So wie Wolfgang Haffner - der Jazz-Musiker ist einer der bekanntesten Drummer und spielt auf Meinl-Becken und ist damit wohl einer der bekanntesten Kunden der Firma aus dem Aischgrund.

Sogar Gitarren (unter dem Label Ortega) werden bei Meinl gefertigt. Und wenn Helene Fischer bei ihren Konzerten ihren Mega-Hit "Atemlos" in die Mikrofone haucht, wird sie von Ortega-Gitarren ihrer Band-Musiker begleitet. Doch die Stars sind nicht nur fürs Image wichtig. "Solche Profis geben uns Tipps und Hinweise, wie wir unsere Produkte weiter verbessern können", betont Firmenchef Alexander Meinl.
In der dritten Generation befindet sich das Familienunternehmen. Derzeit geführt vom 29-jährigen Enkel des Firmengründers Roland. "Das Motto unserer Familie und unseres Unternehmens ist die Leidenschaft zur Musik." Doch auch Mut zur Innovation gehört zu Meinl. "Wir waren der weltweit erste Musikinstrumenten-Hersteller, der 2007 ein vollautomatisches Hochregallager bauen ließ", so Firmenchef Meinl. Das Gebäude ist riesig, misst 36 mal 90 Meter und ist rund 27 Meter hoch. Für Autofahrer auf der B 470 zwischen Gutenstetten und Pahres ist es nicht zu übersehen. In dem Bau lagern die Produkte - von Becken, über Gitarren, kompletten Schlagzeugen oder Verstärkern. Von hier aus beliefert der Musikinstrumentenhersteller seine Kundschaft und Händler in aller Welt.

Bei allem Erfolg in der Gegenwart gab es aber auch harte Jahre für das Familienunternehmen mit 165 Beschäftigten. Zu Beginn der 80er Jahre kostete eine falsche Markteinschätzung dem Betrieb fast die Existenz. "Diese Krise ist natürlich bei allen Beteiligten in der Erinnerung. Aber aus jeder schlechten Erfahrung müssen wir aus den Fehlern lernen und dürfen nicht in Angst verfallen", erklärt Alexander Meinl.
Eine Strategie, die aufgeht. Immer wieder musste der Betrieb erweitert werden, zog in neue Räume um. 2003 wurde mit dem Bau einer Becken-Fabrik in Gutenstetten begonnen. Seit dem Jahr 2008 hat Musik Meinl seinen Sitz komplett von Neustadt/Aisch nach Gutenstetten verlegt. Es ist eine bewusste Entscheidung zugunsten der fränkischen Wurzeln. "Vielleicht gäbe es Standorte, die für uns rein finanziell attraktiver wären, aber für uns spielt das keine Rolle. Wir stehen zu unserer Herkunft und zu dieser Region", so Meinl.
Und dorthin pilgern auch Jahr für Jahr die Stars der Branche - zu den Meinl-Musik-Festivals. Seit 2003 treffen sich Top-Musiker aus aller Welt, um mit Freunden, Kunden und Fans eine Party zu feiern. So wie US-Ausnahme-Gitarrist Steve Vai oder Drummer Chris Colemann, der schon für Prince oder Chaka Khan trommelte. Für die Szene sind diese Treffen ein Highlight im Musikjahr. Aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland kommen die Fans im Juni aufs Firmengelände und genießen dort die Auftritte der Musiker, die auf den Instrumenten der Firma zeigen, was sie drauf haben.

Die Zeichen von Musik made in Franken sind derzeit gut. Meinl baut gerade ein neues Verwaltungsgebäude und die vierte Generation könnte das Ruder übernehmen. Allerdings wird das noch ein wenig dauern, denn der Sohn von Alexander Meinl ist zwei Jahre alt. Dafür kann er das tun, was sich jedes Kind wünscht: sich auf einem der vielen Schlagzeuge in der Firma des Papas austoben. Ein Traum!
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