München
Nachruf

Altverleger Bernhard Wagner starb mit 85 Jahren

Altverleger Bernhard Wagner steuerte den "Fränkischen Tag" sicher durch bewegte Zeiten. Den Ruhestand verlebte die Unternehmer-Persönlichkeit in der Heimatstadt München. Dort wird der Altverleger am Freitag beigesetzt.
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Bernhard Wagner auf einer Aufnahme von 1995  Foto: Archiv
Bernhard Wagner auf einer Aufnahme von 1995 Foto: Archiv
Wenn heute vom "rasanten Medienwandel" die Rede ist, dann dreht sich alles um Online-Technologien, Smartphones, Apps und soziale Netzwerke. Vor 20 Jahren kannte niemand diese Begriffe, das Internet als Massenphänomen gab es noch nicht. Und doch wandelte sich auch in den Jahren vor dem Internet die Medienwelt - und zwar auch auf lokaler Ebene. In jener Zeit - nämlich von 1987 bis 1995 - lenkte Bernhard Wagner als geschäftsführender Herausgeber die Geschicke des "Fränkischen Tages".

Als Verleger in Zeiten des stürmischen Wandels legte Wagner die Grundlagen dafür, dass aus dem "FT" ein modernes Medienunternehmen wurde. Am Ostersonntag ist Bernhard Wagner in seinem Heimatort München im Alter von fast 86 Jahren gestorben.

Als Bernhard Wagner 1987 vom Süddeutschen Verlag in München, wo er viele Jahre lang der Geschäftsleitung angehört hatte, nach Bamberg wechselte, war in einigen Lokalausgaben des FT erst kurz zuvor der Bleisatz zu Ende gegangen. Am Ende seines knappen Jahrzehnts als Herausgeber hatten in den Redaktionen Computer die gute alte Schreibmaschine abgelöst, es war ein modernes Produktions-, Redaktions- und Anzeigensystem eingeführt worden und neben dem Verlagshaus an der Gutenbergstraße in Bamberg war eine neue, leistungsfähige Zeitungsdruckerei entstanden. Das war damals nicht zuletzt der Moment, als Farbe in die Zeitung kam.


Die Zeitung wurde farbig

Wagner erkannte frühzeitig die publizistischen Potenziale, die durch die technische Entwicklung möglich wurden. Es blieb nicht dabei, dass dank des neuen Druckzentrums die Bilder in der Zeitung farbig wurden. Es änderten sich Erscheinungsbild und Blattstruktur. Zugleich stellte Wagner die Weichen, um auch über andere der damals "neuen Medien" Akzente zu setzen.

Unter seiner Führung engagierte sich der FT im lokalen Rundfunk. Seine Arbeitsmaxime beschrieb Wagner bei seiner Verabschiedung im November 1995 mit den Worten: "Progressive wollen verändern, Konservative wollen bewahren und Innovative wollen durch Veränderung bewahren. Ich habe mich für den letzteren Weg entschieden und hoffe, dieser persönlichen Zielsetzung gerecht geworden zu sein."

Es war aber nicht nur der technologische Wandel, der Wagners Wirken als Herausgeber in Franken prägte. 1989 fiel die Berliner Mauer - und im Norden des FT-Verbreitungsgebietes öffnete sich der Eiserne Vorhang. Die DDR ging unter, und nebenan in Thüringen traf man auf Nachbarn mit einem riesigen Hunger nach Informationen.

Das turbulente Jahr 1990 bot Herausforderungen für den Verleger: Wagner gründete eine Zeitung für den Süden Thüringens mit mehreren Lokalausgaben - den "Thüringer Tag". Dass sich die Ableger westlicher Zeitungen in den "neuen Ländern" nicht auf Dauer etablieren konnten, hatte viele Gründe.

Einen davon nannte Albrecht Tintelnot, Vorsitzender der FT-Gesellschafterversammlung, bei Wagners Abschied: "Wenn das Bemühen, in Thüringen Fuß zu fassen, letztlich nicht von Erfolg gekrönt war, so lag dies nicht am Einsatz des Hauses. Vielmehr hat es sich als unmöglich erwiesen, als mittelständisches Unternehmen in der ehemaligen DDR Fuß zu fassen. Die Politik der Treuhandanstalt auf diesem Feld war alles andere als mittelstandsverträglich."

Wagner war ein umfassend gebildeter Mann. Er war Jurist, hatte u. a. Philosophie, Theologie und Geschichte studiert und ein Wirtschaftsdiplom erworben. Vor seiner Verlagskarriere hatte er mehrere Stationen in anderen Branchen absolviert, etwa als Prokurist bei der Bayerischen Rückversicherung. Zum Süddeutschen Verlag, in dem die "Süddeutsche Zeitung" erscheint, kam er 1970.

Dort führte ihn sein Karriereweg bis in die Geschäftsleitung. 1987 schließlich wechselte er von München nach Bamberg, wo er sich mit seiner altbayrisch-barocken Lebensart sichtlich wohl fühlte. Für ihn war die Zeit in Franken nicht nur die Krönung einer beruflichen und unternehmerischen Karriere, sondern sie war auch geprägt vom Engagement in Gesellschaft und Kultur, Universität und Kirche - mithin Leidenschaft und Herzensangelegenheit.

So gehörte Wagner zu den Initiatoren der Hegelwoche, die bis heute alljährlich im Frühsommer an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg stattfindet. Für seine Arbeit und sein Engagement in zahlreichen Ehrenämtern wurde Wagner vielfach ausgezeichnet. Er war Träger des Bayerischen Verdienst ordens sowie des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Zudem war er Ehrensenator der Bamberger Universität.

Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand im Dezember 1995 zog Wagner zurück in seine Heimatstadt München, wo er bis zuletzt lebte. Er hinterlässt seine Witwe Waltraud sowie drei Kinder.


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