Naila
Kalter Krieg

Flüchtlinge im Jahr '79: spektakuläre Landung in Franken

Zwei Familien flogen 1979 in einem Heißluftballon über den Todesstreifen. Ihre Flucht aus der DDR endete in Franken. Bully macht daraus einen Film.
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Familie Strelzyk mit dem Heißluftballon, mit dem sie 1979 aus der DDR flüchtete. Foto: Feldrapp/dpa/Archiv
Familie Strelzyk mit dem Heißluftballon, mit dem sie 1979 aus der DDR flüchtete. Foto: Feldrapp/dpa/Archiv
Zu Beginn der 70er Jahre herrschte der Kalte Krieg zwischen Ost und West bereits seit 15 Jahren, und die DDR begann die knapp 1400 Kilometer lange Grenze immer mehr abzuriegeln: Splitterminen und Selbstschussanlagen wurden installiert.
Trotzdem wagten immer wieder DDR-Bürger die Flucht. Sie ließen Familie und Freunde, Hab und Gut zurück, um in den Westen zu kommen. In die Freiheit. So wie die Thüringer Familien Strelzyk und Wetzel, die 1979 in Franken landeten. Sie hatten in der halben DDR Stoffe zusammengekauft und aus Regenschirmseide, Zeltnylon und Taftstoff einen Heißluftballon genäht.


2000 Meter überm Todesstreifen

Um halb drei Uhr morgens des 16. September 1979 starteten die vier Erwachsenen mit ihren vier Kindern auf einer Waldlichtung in der Nähe von Bad Lobenstein (Saale-Orla-Kreis, Thüringen). Acht Kilometer vom "Todesstreifen" entfernt. Mit einem umfunktionierten Motorradmotor wurde Luft in die Hülle geblasen, ein selbst gebauter Brenner ließ den Ballon auf mehr als 2000 Meter steigen. Die Hülle des Ballons bekam einen Riss. Gas entwich - aber es reichte für 20 Kilometer. Der Ballon landete nach knapp einer halben Stunde auf einer Wiese in der Nähe von Naila im Landkreis Hof. Etwa zehn Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt.


Hunderte wurden getötet

Zu dieser Zeit war der Kalte Krieg eisig. DDR-Bürger riskierten viel, um ihrem Land zu entkommen. Mehrere Hundert wurden erschossen, erstickten in Tunneln, ertranken oder traten auf eine Mine und verbluteten. Wer bei der "Republikflucht" erwischt wurde, landete oft in Bautzen: Tausende politische Gefangene sperrte das Regime hier im Stasi-Knast ein.
Ballon-Flüchtling Peter Strelzyk nannte die ganze DDR einmal "ein riesiges Gefängnis, in welchem 17 Millionen Menschen eingesperrt waren". Der Drang nach Freiheit war es, der vielen den Traum von der Flucht einflüsterte, aber auch die lästige Überwachung und Bespitzelung und die Berufsverbote, unter denen auch die Ballonflüchtlinge Petra und Günter Wetzel litten, weil sie keine Parteimitglieder waren. Und dann gab es noch die persönlichen Schicksale: Petra Wetzel erklärte vor einigen Jahren in einem Interview mit dieser Zeitung, dass sie vor allem ihre in Nürnberg lebende Pflegemutter wieder sehen wollte. Als DDR-Bürgerin war das für sie unmöglich.
Die Strelzyks und die Wetzels brachen später den Kontakt zueinander ab, ihre gemeinsame Geschichte aber wurde weltberühmt. Sie lieferte bereits 1980 die Vorlage für den Hollywood-Streifen "Mit dem Wind nach Westen", nun hat auch Regisseur Michael Bully Herbig die Ballonflucht verfilmt.


Filmpremiere im September

Gedreht hat Bully unter anderem in Nordhalben (Kreis Kronach) und in Mödlareuth, das als "geteiltes Dorf" in die Geschichte einging. Eine Hälfte liegt im bayerischen Landkreis Hof, die andere im thüringischen Saale-Orla-Kreis. Ende September 2018 soll der Film "Ballon" Premiere feiern.

Vorschau: Kommende Woche geht's im letzten Teil der Serie ums Disco-Fieber und die Tanzböden: die Musik der 70er Jahre.


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