Nürnberg
Konsumgeschichte

Eiskalt (ab-)serviert: Das Ende der industriellen Eisproduktion in Franken

Schöller hat das Sandwicheis und viele andere Sorten erfunden: In den 70er Jahren war die Firma ein Synonym für Eiskrem.
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Das Sandwicheeis ist ein Klassiker, der bereits in den 50er Jahren beliebt war. Foto: Ronald Rinklef
Das Sandwicheeis ist ein Klassiker, der bereits in den 50er Jahren beliebt war. Foto: Ronald Rinklef
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Seit diesem Jahr ist die fränkische Eis-Industrie Geschichte. Bis Ende 2017 wurde auf dem Schöller-Areal in Nürnberg Eis hergestellt - dort, wo Firmengründer Theo Schöller in den 70er Jahren groß ausgebaut hatte. Es ist eines der Unternehmen, die dieses Jahrzehnt in Franken prägten - in der Serie "Die 70er in Franken" steht es beispielhaft für die Wirtschaftsgeschichte dieser Zeit.


In den 70ern wurde gebaut

Damals wurde der markante Übergang über den Nordring gebaut, der die Werks- und Verwaltungsbauten verbindet. Ein Kühlhaus nach dem anderen entstand auf dem 10 000 Quadratmeter großen Firmengelände.


Schöller entdeckte das Eis am Stiel in Berlin

Eis am Stiel hatte Schöller als junger Mann in den 1930er Jahren bei einem Bauchladen-Verkäufer in Berlin entdeckt. In Nürnberg gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Karl eine Eisfabrik - getreu dem Motto der Mutter, die einst gesagt haben soll: "Kinder, wenn ihr euch je einmal selbstständig machen solltet, dann wählt ein ,fressendes Geschäft', denn essen müssen die Leute immer." Und das galt in der Zeit des Wirtschaftswunders und den fetten Jahren danach besonders.


Steckerleseis und echter Rum

Ab den 60er Jahren hieß die Firma in Nürnberg "Schöller Eiskrem" und in den 70ern kannte nahezu jeder solche Klassiker wie das Sandwicheis: Nach Fürst-Pückler-Art besteht es aus den drei Sorten Schoko, Vanille und Erdbeer und wurde von Schöller zwischen zwei Waffeln gepackt.
In den 70ern waren es nicht nur Sandwich- und Steckerleseis: Es gab Eisbomben oder grüne und orangefarbene Plastikkugeln, die mit Apfel und Orangeneis gefüllt waren. In kleinen braunen Plastikfässern wurde das Rumeis serviert. Dass richtiger Schnaps drin war und nicht Rumaroma, war in den 70ern selbstverständlich.


Expansion, Kooperation, ständige Erweiterung

Zu dieser Zeit verfügte mehr als die Hälfte der Haushalte über einen Kühlschrank, es gab Gefrierfächer und der Name Schöller war in Deutschland ein Synonym für Speiseeis geworden. Theo Schöller hielt die Firma auf Wachstumskurs. 1976 stieg er mit dem Kauf der Nürnberger Fabriken von Haeberlein & Metzger in die Lebkuchenproduktion ein. Mitte der 1970er Jahre wurde außerdem die Produktion von "Mövenpick"-Eis aufgenommen.
Theo Schöller erweiterte die Eisfabrik ständig, expandierte, kooperierte und verkaufte Teile des Unternehmens. Im Jahr 2002 wurde die Nürnberger Traditionsfirma vom Schweizer Weltkonzern Nestlé übernommen. Zwei Jahre später starb Theo Schöller. Er wurde 87 Jahre alt. Die weiteren Übernahmen und Verkäufe erlebte er nicht - auch nicht das Ende der industriellen Eisproduktion in Nürnberg, wo er in den 1970er Jahren so viel investiert hatte.

Große Unternehmer
Schöller, Grundig und Quelle waren Beispiele für fränkische Weltfirmen. Theo Schöller, Max Grundig und das Ehepaar Grete und Gustav Schickedanz (Quelle) gelten als die großen fränkischen Unternehmerpersönlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie gründeten ihre Firmen, machten sie groß und bekannt. Die Unternehmer stehen für das deutsche Wirtschaftswunder; die bekannten Markennamen existieren bis heute. Aber produziert, gekühlt und versendet wird in Franken nicht mehr.


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